Contergan-Skandal "Mein Leben ist ein einziger Antrag"

Lilli Eben hat ihre Küche höher bauen lassen, damit sie trotz ihrer kurzen Arme kochen kann. Solche Umbauten sind künftig mit weniger Bürokratie möglich.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eigentlich soll die Contergan-Stiftung den Geschädigten des Pharmakonzerns zu einem selbständigen Leben verhelfen. Doch die Opfer fühlen sich schlecht behandelt.

Von B . Bredow, M . Mengue, J . Viegener

Lilli Eben könnte ihr Kinn auf dem Lenkrad ihres Autos ablegen, so nah sitzt sie davor. Mit gespreiztem kleinen Finger und Ringfinger umklammert sie das Steuer. Sie hat keine Daumen, mit denen sie es halten könnte. Ihre verformten Hände ragen direkt aus den Schultern heraus.

Die Künstlerin aus München ist eine von etwa 2700 Contergan-Geschädigten in Deutschland. Von 1958 bis 1962 kamen Tausende Kinder mit Missbildungen zur Welt, weil ihre Mütter das Schlafmittel der Firma Grünenthal eingenommen hatten, das in ...