Mehr als acht Monate saß der 17-jährige Marco aus dem niedersächsischen Uelzen in türkischer Untersuchungshaft, weil er eine 13-jährige Britin missbraucht haben soll. Lesen Sie auf sueddeutsche.de die Chronologie der bisherigen Ereignisse.

11. April: Ein Discoabend in dem türkischen Badeort Side endet für Marco und das Mädchen im Hotelzimmer der Britin. Er spricht später von gemeinsamen Zärtlichkeiten, sie von sexueller Belästigung.

Marco W. Türkei Uelzen Side Charlotte Britin 13-jährige Untersuchungshaft ap

Kommt nach über acht Monaten aus der türkischen Untersuchungshaft frei: Der 17-jährige Marco W. (© Foto: AP)

Anzeige

12. April: Marco wird festgenommen, nachdem Charlottes Mutter Anzeige erstattet hat. Er kommt in Untersuchungshaft, ein Antrag auf vorläufige Freilassung wird Anfang Juni abgelehnt.

26. Juni: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bemüht sich bei seinem türkischen Kollegen Abdullah Gül um Marco.

28. Juni: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rät zu "Behutsamkeit und Ruhe". Der türkische Generalstaatsanwalt wirft Steinmeier "Taktlosigkeit" und deutschen Medien "versuchte Beeinflussung der Justiz" vor.

6. Juli: Am ersten Prozesstag in Antalya wird die Verhandlung nach eineinhalb Stunden vertagt. Marco bleibt hinter Gittern.

8. August: Ein Gutachter bestätigt vor Gericht Marcos Aussage, dass das Mädchen nicht vergewaltigt wurde und auch keinen Geschlechtsverkehr hatte.

6. September: Zur Klärung des Vorwurfs gibt das Gericht ein neues medizinisches Gutachten in Auftrag.

28. September: Das Gericht vertagt sich, da noch keine Aussage Charlottes vorliegt. Ein Antrag auf Haftentlassung wird abgelehnt.

4. Oktober: Marcos Anwälte aus Uelzen legen ihr Mandat nieder, er wird nun von zwei Verteidigern aus Hannover vertreten.

8. Oktober: Das Gericht lehnt eine Haftbeschwerde wegen der Schwere des Tatvorwurfs ab.

26. Oktober: Das Gericht vertagt sich erneut, da die türkische Übersetzung von Charlottes Aussage nicht vorliegt. Marcos Anwälte drohen mit dem Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

9. November: Der Vorsitzende Richter Abdullah Yildiz will den Marco-Prozess abgeben. Sein Antrag wird abgelehnt.

20. November: Das Gericht vertagt sich abermals, da Charlottes Aussage noch immer nicht vorliegt.

26. November: Die Richter schmettern eine dritte Haftbeschwerde ab. Auch ein Befangenheitsantrag vom 1. November wird abgelehnt.

27. November: Charlottes Aussage liegt dem Gericht nach Angaben eines der Anwälte Marcos im Original vor. Der Verteidiger erwartet, das sie bis zum nächsten Verhandlungstag übersetzt ist.

13. Dezember: Charlottes Anwalt will für Marco die Höchststrafe von zehn Jahren fordern.

14. Dezember: Marco kommt frei. Das Gericht entlässt den Jungen ohne Auflagen aus der Untersuchungshaft. Der Prozess wird aber fortgesetzt.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(dpa/aho)