Chinas Kampf gegen die Ölpest Ölkatastrophe im Gelben Meer weitet sich aus

Die Behörden reagierten zu spät, der Ölkonzern hat versagt: Wochenlang schwieg die chinesische Ozean-Verwaltung über Lecks auf dem Ölfeld im Gelben Meer. Bloggern ist es zu verdanken, dass die Naturkatastrophe überhaupt publik wurde. Doch der Schaden an der Umwelt ist möglicherweise noch viel größer als bislang bekannt.

Die Ölkatastrophe vor der nordchinesischen Küste verschlimmert sich. Schon im Juni war Öl aus zwei Lecks an Bohrinseln in der Bohai-Bucht ausgelaufen; jetzt scheint aus einem neuen Leck am Meeresboden zusätzlich Öl auszutreten. Das berichtete zumindest die staatliche chinesische Ozeanverwaltung (Soa) nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Betreiber, die dem Bericht zufolge das dritte Leck eingeräumt haben, bestreiten dies jedoch. Der US-Konzern ConocoPhillips räumte nur ein, "kleine Ölmengen" seien nahe einer Plattform an die Wasseroberfläche getreten. Es handle sich aber nicht um ein neues Leck, die Verunreinigung sei lediglich Folge der Säuberungsarbeiten am Meeresboden. Der US-Konzern, in Europa vor allem mit den gelben Tankstellen der Jet-Kette vertreten, betreibt die Bohrinseln vor der Nordostküste des Landes gemeinsam mit Chinas staatlicher National Offshore Oil Corporation (CNOOC).

Die Partner hatten bislang bestritten, dass es neue Lecks an ihren Bohrplattformen gebe. Diesen Verdacht hatten zuvor Ermittler der Soa geäußert, die den Betreibern die Schuld an den Zwischenfällen geben.

Auch die bisherige Verschmutzung ist offenbar größer als zunächst angegeben: War zuerst von 1500 Barrel ausgetretenen Öls die Rede, korrigierten ConocoPhilips und CNOOC diese Zahl jetzt nach oben - auf 2500 Barrel.

Wochenlang hatte sich die Soa über die Lecks auf dem Ölfeld Penglai ausgeschwiegen. Blogger waren es, die die Katastrophe Anfang und Mitte Juni publik machten - und einen Sturm der Empörung auslösten, in dem die Soa zunehmend unter Druck geriet. Doch es vergingen fast vier Wochen, bis Vertreter der Behörde am 5. Juli an die Öffentlichkeit traten.

Die Förderung auf den beiden betroffenen Plattformen wurde gestoppt, von 840 Quadratkilometern verschmutzter Seefläche war die Rede. Doch schon eine Woche später hieß es von seiten der Meeresverwaltung, insgesamt 4250 Quadratkilometer seien betroffen, dazu kämen 3400 Quadratkilometer, die in geringerem Maße verunreinigt seien. Zwischenzeitlich wurde die Zahl allerdings wieder auf 1200 Quadratkilometer nach unten korrigiert. Auf welcher Grundlage die Korrekturen erfolgen, blieb ebenso unklar wie die Ursachen der Lecks selbst.

Behörden beschuldigen Betreiber

Die Schuld für die Ölpest und das zugehörige Kommunikationsdesaster schob die Soa den Betreibern zu: "ConocoPhillips hat es nicht geschafft, die Situation vollständig unter Kontrolle zu bringen. Seine Bemühungen, die Ursachen der Lecks zu finden und sie zu stopfen, waren langsam", ließ das Amt mitteilen. Den Förderfirmen wurde eine Strafzahlung von umgerechnet 22.000 Euro auferlegt - der höchstmögliche Betrag in einem solchen Fall in China. Zusätzlich wurden die beiden Firmen verpflichtet, das Öl schleunigst zu beseitigen.

Die Ölpest - und vor allem, wie damit umgegangen wurde - hat nicht nur im Nachbarland Südkorea, von wo aus Fischer das Gelbe Meer befahren, für heftige Kritik gesorgt. Auch in China selbst waren kritische Stimmen ungewöhnlich laut: "Nicht akzeptabel", fand etwa die vom kommunistischen Parteiorgan Volkszeitung herausgegebene englischsprachige Zeitung Global Times und schrieb: "Wir können nicht anders, als uns zu wundern. Ist die Soa eine ernstzunehmende Aufsichtsbehörde, die größere Zwischenfälle verhindern soll, oder die liebende Mutter, die übermäßig ihre eigenen Kinder schützt?"

Elf chinesische Umweltorganisationen schrieben einen Brief an Aufsichtsgremien der Aktienmärkte in New York und Hongkong, wo ConocoPhillips und CNOOC gelistet sind, und forderten eine Untersuchung. Die Geldstrafe empfinden viele als zu gering, sie sei "minimal im Vergleich zum Schaden an der Umwelt", kommentierte die China Daily und beklagte: "Es ist dieses hohe Maß an Toleranz und die nachsichtige Bestrafung, die es so schwer machen, den Kampf zum Schutz der Umwelt in China zu gewinnen."