Nach der Schweigeminute, die Aktion: Chinesen aus allen Landesteilen laden ihre Autos mit Hilfsgütern voll und machen sich auf den Weg in das Erdbebengebiet.
Chinesen aus allen Landesteilen haben ihre Autos mit Hilfsgütern vollgeladen und sich auf den Weg in die Katastrophenprovinz Sichuan gemacht. Das verheerende Erdbeben vom vergangenen Montag hat in China eine bislang unbekannte Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst - unabhängig von den Bemühungen der Regierung und der Streitkräfte.
Große Solidarität im Land: Die Chinesen schweigen und handeln für die Opfer des Erdbebens (© Foto: AFP)
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"Es ist ein kleines Auto, aber wir wollten einfach helfen", sagt der Computerhändler Li Guang. Als er das Ausmaß der Katastrophe im Fernsehen sah, lud er seinen Wagen mit Wasserflaschen und Fertignudeln voll und fuhr rund 250 Kilometer bis nach Longhua in Sichuan. Auch der Börsenhändler Huang Daxian wollte nicht tatenlos zusehen. Er kam mit seinem vollgestopften Geländewagen aus dem 1.200 Kilometer entfernten Guangzhou. "Ich wollte schon immer eine lange Reise machen, und jetzt ist es eben für eine gute Sache", sagt er.
Das private Engagement ist für China ein Novum - bisher kamen alle Wohlfahrtsleistungen von der Kommunistischen Partei, also der Regierung. Bis einschließlich 2004 waren private Hilfsorganisationen sogar verboten. Doch durch den seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsboom haben zahlreiche Chinesen großen Wohlstand erreicht. Sie wollen nun als Philanthropen etwas an die Gesellschaft zurückgeben.
Seit dem Erdbeben der Stärke 7,9, bei dem vermutlich bis zu 50.000 Menschen ums Leben kamen, werden alle Spendenrekorde gebrochen.
Innerhalb einer Woche wurde mehr Geld gespendet als im ganzen Jahr 2007. Bislang kamen umgerechnet rund 840 Millionen Euro zusammen, davon 85 Prozent aus China selbst, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete. Zentren für Blutspenden waren schnell so überlaufen, dass sie beginnen mussten, Termine zu vergeben.
"Not kommt aus einer Richtung, Hilfe von überall"
Privatwagen fuhren so zahlreich ins Katastrophengebiet, dass die Regierung Abladestationen für Hilfslieferungen außerhalb der Städte einrichtete, um die wichtigen Versorgungsstraßen nicht zu verstopfen. Bei Hanwang konnte der Börsenhändler Huang seine Ladung Kleidung, Brot und Nudeln schließlich an Hilfesuchende ausgeben.
"Not kommt aus einer Richtung, Hilfe kommt von überall" und "Für die Menschen, für die Olympischen Spiele in Peking" stand auf Plakaten, die dort an Autos angebracht waren.
Nahe der Durchfahrtsstraßen leben zahllose Menschen in Notlagern. Neben ihren Behelfszelten haben sie oft handgeschriebene Schilder aufgestellt, um die Durchfahrenden um das Nötigste zu bitten: Wasser, Reis, Nudeln, Gemüse. Und immer wieder hält ein Wagen, die private Hilfsbereitschaft ist ohnegleichen. Bei der letzten großen Naturkatastrophe, den heftigen Überschwemmungen von 1998, gelang es einer Regierungsorganisation gerade mal etwa 25 Millionen Euro an Spenden einzusammeln.
Neuer Zusammenhalt
"Die Menschen halten dieses Mal wirklich zusammen. Sie handeln von sich aus und warten nicht darauf, gefragt zu werden", sagt Wu Yu, ein Angestellter bei der Investment-Gesellschaft Weipeng. Bei dem Beben hätten auch ihre Büros im 1.100 Kilometer entfernten Guiyang gewackelt. Sofort hätten die Angestellten Autos beladen und seien losgefahren.
"Es klingt abgedroschen, aber in der Schule und von unseren Eltern lernen wir, dass wir anderen helfen sollen", sagt Ge Jian, ein Kollege Wus. Sie wollten von Dujiangyan aus noch weiter nördlich in Richtung des Epizentrums fahren. "Die meisten von uns sind Buddhisten, wir wollen Mitgefühl zeigen." Die chinesischen Medien konnten nach dem Erdbeben erstmals ausführlich über Leid und Folgen der Katastrophen berichten. Sie trugen die erschütternden Bilder in die noch intakten Wohnzimmer und förderten damit die Spendenbereitschaft, an der Regierung vorbei.
"China ist im Rettungs- und Wiederaufbaumodus", erklärt Russell Leigh Moses, ein in Peking lebender Politikwissenschaftler. Daraus lasse sich jedoch noch keine Änderung der Gesellschaft ableiten.
Allerdings sei die Spendenbereitschaft aus Eigeninitiative von den einfachen Leuten gekommen. "Der Regierung muss man anrechnen, dass sie dem zumindest nicht im Weg stand", sagte Moses.
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(AP/mmk)
Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld
Oppps, zu viel Text, unten hat ein Abschnitt gefehlt
Mich wirds wirklich interessieren, warum Herr Bork festgehalten wurde. Man darf nicht vergessen, am 15.05 waren Wege zum Epizentrum zum Teil noch vom Erdrutsch blokiert.Wenn überhaupt irgendwelche Wege frei gemacht wurden, sollten doch zuerst die Helfer und nicht die Reporter durch!!! Kann Herr Bork sich nicht dort bewegen wo seine andere westliche Kollegen auch waren? Dort gibt es genau so viele Alpträume.
Wenn man noch mehr lesen will, empfehle ich den Spiegel-Artikel von Wieland Wagner, ein weiterer Höhepunkt des China-bashings nach Die gelben Spione und Die Herren der Ringe.
Noch ein kurzer Spaziergang zu den Titelblätter über China vom Spiegel in den letzten Jahren.
http://kommentare.zeit.de/user/douglas999/beitrag/2008/04/15/das-chinabild-den-titelbildern-des-%E2%80%9Eder-spiegel%E2%80%9C-ein-vergleich
Viel zu meckern ist nicht aus dem Grund, dass ich viel Zeit habe sondern weil ich die Sueddeutsche Zeitung früher und jetzt immer noch schaetze. Für den Spiegel habe ich echt keinen Lust zu kommentieren. So ne Menge Deutsch habe ich seit langem nicht geschrieben und werde hier auch keine weitere Beiträge mehr reinschreiben, will weder streiten noch Meinungen ändern, nur meine Stimme äußern.
(hab heute nacht bis 2 am geschrieben und konnte den Kommentar nicht abschicken!!! Bin beinah zusammengebrochen...:-(:-(
Ich habe ja gesagt, meine Meckerei kommt nicht direkt von diesem Artikel sondern ist ein Bruch vom Zorn, da ich viele andere Berichte und schadenfrohe Kommentaren von Deutschen gelesen habe. Hier war wahrscheinlich kein richtiger Ort, diesen kontextlosen Zorn zu äußern, ich entschuldige mich dafür.
Einige konkrete Beispiele: Herr Henrik Bork schrieb am 18.05:
Im Falle Tibets waren es gewalttätige Ausschreitungen gegen Chinesen. Beim Erdbeben sind es der Einsatz von Armee und Ministerpräsident. In China ist ein neues politisches Wesen geboren worden: die Mediendiktatur. Es ist ein wenig beängstigend dabei zuzusehen, wie leicht viele Chinesen manipulierbar sind.
Ich möchte nur sagen, wenn man Elend in so geballter Form vor sich sieht, dann sind die Trauer und die Mitgefühl für die Landsleute, , Herr Bork ,nicht mehr manipulierbar!
Übringens sei der arme Herr Bork angeblich am 15.05 von chin. Militär festgehalten worden. An gleichem Tag konnte aber der CNN Kollege John Vause noch folgende Bericht veröffentlichen: http://edition.cnn.com/2008/WORLD/asiapcf/05/14/china.vause/index.html#cnnSTCTex
und es waren min. 6 TVB- und 2 ATV-Teams in verschied. Krisengebieten unterwegs(hongkonger Fernsehsender, hoffentlich haben sie nach der dt. Meinung bisschen mehr Pressefreiheit als die gehirngewaschende Festlandsender), ein TVB-Team war sogar früher und näher am Epizentrum als der Staatssender CCTV. Am 18. hat TVB auch Reporter aus Finnland und Chile interviewt. Bis jetzt habe ich bereits Berichte von CNN-, BBC- und NHK-Reporter aus unterschied. Krisengebieten gelesen. Bevor Herr Bork sich bislang einzigen westlichen Reporter nennt, soll er lieber zuerstmal mit seinen Kollegen absprechen. Ich kenne ihn nur als bislang einzigen festgehaltenen.
Nach der Befreiung schrieb Herr Bork am 18. 05 Ausländer dürfen immer noch nicht nach der Wahrheit suchen. Naja, Es gibt viele Dinge in China, nach deren Freiheit man nicht fragen kann, aber doch nicht dieses mal und es hat auch nichts mit Ausländern zu tun, Chinesen dürfen ebenso nicht fragen.(In chin. Internetforen wird zur Zeit stark diskutiert, warum statt Regierungsgebäude so viele Schulen zusammengefallen sind und ausländ. Helfer so spät kamen. Ob die Diskussionen etwas bringen ist noch ungewisst )
Mich wirds wirklich interessieren, warum Herr Bork festgehalten wurde. Man darf nicht ver
jetzt an diesem Artikel wieder zu meckern. Anstatt sich in jeglicher, der Realität entbehrender Kritik an den Deutschen zu üben, kann man sich freuen, dass ohne Parteifähnchen hier berichtet wird.
Es zeigt, dass die Chinesen hilfsbereit und engagiert ihren in Not geratenen Landsleuten helfen. Wie auch hier sofort und ohne sich lumpen zu lassen, selbstlos ins betroffen Gebiet aufbrechen. In der Tat ist es erstaunlich, dass die chinesische Regierung solche Privatinitiative zu lässt. Für weitergehende politischen Zukunftsausblicke halte ich den Zeitraum für kurz. Es zeigt auf jeden Fall, dass Mitmenschlichkeit in China nicht ausgestorben ist, sondern sogar als Bedürfnis bei steigendem Wohlstand selbst zum Wohlergehen anderer beizutragen zum Handeln führt.
.Mayi
Was halten Sie den Medienvertretern denn konkret vor? Es wurde und wird doch gerade deutlich, daß sie - die Autoren bei der SZ- die Ambivalenz der derzeitigen Situation beschreiben: Die fortschreitende Repression und Menschrenrechtsverletzungen wie die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität. Das läßt sich nicht gegeneinander ausspielen. Ein nationalistischer Abwehrreflex allein genügt nicht zu Legitimierung einer solchen fundamentalen Kritik...
Grüße
Stratto
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