Prozess Marc Bartra über Anschlag auf BVB: "Es ging mir nie schlechter in meinem Leben"

  • Im Prozess um den Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB hat der erste Spieler ausgesagt.
  • Marc Bartra wurde bei dem Sprengstoffanschlag im April 2017 schwer am Arm verletzt.
  • Der andere Spieler, der am Montag vor Gericht aussagen sollte, Pierre-Emerick Aubameyang, ist erst gar nicht erschienen.
Aus dem Gericht von Annette Ramelsberger, Dortmund

Es ist ein schwerer Gang, das kann man spüren. Marc Bartra, der Spieler, der durch das Attentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund im April 2017 verletzt wurde, steht als Zeuge vor Gericht - und keine zwei Meter neben ihm sitzt der Mann, der die Bombe gezündet hat. Die beiden schauen sich nicht an.

Bartra dreht den Kopf weg von diesem Mann, der ihm die schlimmsten Stunden seines Lebens beschert hat. Der Mann, der drei Bomben nahe des Mannschaftsbusses zündete, um mit Optionsgeschäften auf das Fallen der BVB-Aktie zu wetten und Geld zu machen. Und selbst als Sergej W. am Ende die Stimme erhebt und sich direkt an Bartra wendet, schaut der Spieler nicht hin. Er legt wie zum Schutz die Hand über die Augen, die Hände wie ein Visier, durch das er blickt. Und als er hört, was Sergej W. sagt, schüttelt er nur den Kopf. Dann winkt er ab. Sergej W. sagt: "Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, für das, was ich Ihnen angetan habe. Es tut mir leid."

Die Spieler fürchteten weitere Explosionen

Das ist nichts, was den 27 Jahre alten Marc Bartra erleichtern könnte. Wie gelähmt sei er gewesen, als die Bombe vor dem Mannschaftsbus explodierte. Er habe die Hitze gefühlt. "Mein Kopf flog zur Seite, ich hatte wahnsinnige Angst und Schmerzen im Arm." Der Arm war gebrochen, Knochenteile abgesprengt. Sein Handy sei ihm aus der Hand gefallen, er selbst sei auf dem Boden des Busses gelegen. "Ich konnte nichts hören, ich hatte ein Piepen im Ohr. Es war fürchterlich."

Er und die anderen Spieler hätten Angst gehabt, dass es noch weitere Explosionen geben könnte. Er habe befürchtet, bewusstlos zu werden. "Ich hatte Angst, dass ich meine Familie nicht mehr sehen würde. Es ging mir noch nie schlechter in meinem Leben." Bartra hat eine kleine Tochter. Noch immer überfielen ihn Albträume, das Geschehen kehre zurück, selbst wenn er mit seiner Tochter spiele.

Aubameyang erschien nicht zur Aussage

Aber allzu schwach darf Bartra nicht wirken, er steht ja kurz vor einem Transfer von Borussia zu einem anderen Verein. Deswegen sagt er immer wieder, für das Fußballspielen sei er wieder "perfetto" hergestellt. Nur die eine Hand kann er noch nicht wieder ganz ausstrecken. Aber für seinen Beruf sei das ja unerheblich.

Der andere Spieler, der am Montag vor Gericht aussagen sollte, Pierre-Emerick Aubameyang, ist erst gar nicht erschienen. Er soll zu Arsenal London wechseln, das Gericht wollte ihn davor noch schnell hören. Aber angeblich ist Aubameyang aus medizinischen Gründen verhindert. So steht es auf seinem Attest, das sein Anwalt brachte. Das glaubt im Saal keiner. Sogar der Richter sagt zweifelnd: "Am Samstag stand er doch noch 90 Minuten auf dem Platz." Und der Staatsanwalt sagt: "Das darf sich die Justiz nicht gefallen lassen." Transfer hin oder her, als Zeuge muss Aubameyang vor Gericht erscheinen. Sonst setzt es Ordnungsstrafen.

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