Bei einem schweren Unfall eines bayerischen Reisebusses sind am Samstagmorgen an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich elf Menschen verbrannt. 37 Reisende konnten sich aus den Flammen retten, zum Teil dank des Einsatzes des zweiten Fahrers.
Die Ursache blieb zunächst unklar, doch vermuteten Ermittler zu hohe Geschwindigkeit, Einschlafen des Fahrers oder eine Kombination aus beidem.
Spezialisten untersuchen das ausgebrannte Wrack des Busses. (© Foto: dpa)
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Der Bus hatte eine Fahrbahnbegrenzung aus Betonteilen gerammt und rasend schnell Feuer gefangen.
Die meisten Passagiere sind Deutsche, aber auch Touristen aus zahlreichen anderen Ländern waren in dem Bus. Es sind überwiegend Studenten unter 25 Jahre.
Die Polizei setzte ein Team von Spezialisten zur Identifizierung der Toten ein. Die meisten Leichen waren verkohlt.
Nachdem lange Zeit von zwölf Toten ausgegangen worden war, berichtete Staatsanwalt Claude Michaux, es seien elf Leichen in dem völlig ausgebrannten Bus gefunden worden.
Unter den Todesopfern ist auch der Fahrer. Sein Leichnam soll obduziert werden.
Der Bus gehörte der Firma Polster-Reisen aus Gößweinstein in Oberfranken. Eigner Rainer Polster betonte, der Fahrer sei ein erfahrener Mann gewesen.
Mit einem zweiten Fahrer sei für einen Wechsel gesorgt worden, der Bus sei in technisch einwandfreiem Zustand gewesen. Die Reise hatte am Freitagnachmittag in München begonnen und sollte über Augsburg, Ulm, Stuttgart, Frankfurt/Main und Köln nach Paris führen.
Um 5.20 Uhr am Samstagmorgen geschah dann das Unglück auf der Autobahn bei Hensies unmittelbar vor der französischen Grenze, etwa 80 Kilometer südwestlich von Brüssel.
Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe kam am Nachmittag an den Unfallort und dankte den belgischen Rettungskräften für ihren schnellen Einsatz.
Auch Stolpe vermutete, wenn die Geschwindigkeit des Busses niedriger gewesen wäre, hätte es möglicherweise weniger Opfer gegeben.
Er sprach sich für härtere Strafen bei Verstößen gegen Verkehrsvorschriften aus. Auch der belgische Thronfolger Prinz Philippe sprach mit Überlebenden und Helfern.
Ein Zeuge
Es gibt bislang kaum Zeugen für den verheerenden Unfall auf der fast leeren Autobahn E 19. Der Gouverneur der Provinz Hennegau, Michel Tromont, sagte: "Den einzigen Hinweis haben wir von einem Fernfahrer.
Er sagt, er sei einem Bus gefolgt, der in Zick-Zack- Linien fuhr. Der Zeuge hatte den Eindruck, der Busfahrer sei eingeschlafen."
Zahlreiche Passagiere haben ihr Überleben offenbar dem zweiten Fahrer zu verdanken.
"Er hat in der Schlafkabine geschlafen, wurde bei dem Unfall herausgeschleudert und hat schnell die Türe geöffnet, die verklemmt war", sagte der Geschäftsführende Gesellschafter von Rainbow Tours, Mathias D. Kampmann, unter Berufung auf den Mann und Zeugen.
Das Hamburger Reiseunternehmen hatte den Bus gechartert.
Der Sprecher der Feuerwehr aus dem nahe gelegenen Quiévrain, Grégory Dufert, vermutet, dass viele Passagiere zur Zeit des Unfalls schliefen und sich plötzlich in der Flammenhölle wiederfanden.
"Die Türen waren verschlossen, und alles ging in Flammen auf", sagte ein deutscher Mitreisender über die ersten Sekunden nach dem Unfall.
"Am wahrscheinlichsten ist es, dass der Tank bei dem Aufprall aufgeschlitzt wurde und Treibstoff sich an heißen Teilen entzündete", erläuterte der Feuerwehrmann.
Viele der Geretteten erlitten einen Schock. Die meisten waren nur leicht verletzt, zwei der Opfer mussten aber zur Behandlung von Brandwunden in eine Klinik gebracht werden. Im Krisenzentrum in der Schule von Hensies wurden die Opfer auch psychologisch betreut.
Schwarze Serie
Das Unglück ist nur eines in einer Serie von Busunfällen in Europa in diesem Jahr, bei der mindestens 200 Menschen starben.
Sicherheitsfachleute etwa des ADAC oder der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderten immer wieder bessere technische Standards und eine Verschärfung der Regeln für Unternehmer und Buspersonal.
Erst am Freitag hatte der Bundesrat eine Verordnung beschlossen, nach der vom Frühjahr an das Anlegen von Sicherheitsgurten in Bussen Pflicht ist. Der ADAC fordert auch die Ausstattung mit Abstandsradar und schwer brennbaren Materialien.
Angehörige der Opfer können sich bei einem Not-Telefon der belgischen Behörden (0032-65-457-955) sowie beim Auswärtigen Amt in Berlin (030-5000-0) über das Schicksal ihrer Verwandten informieren. )
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(sueddeutsche.de/dpa)
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