Bushido im Bundestag Praktikum, ey

Skandal-Rapper Bushido gibt im Bundestag den braven Praktikanten. Sein Fernziel steht fest: Bürgermeister von Berlin zu werden. Die CDU ist überrascht von dem Medien-Interesse an ihrem neuen Praktikanten - damit hätte schließlich niemand rechnen können.

Von Friederike Zoe Grasshoff, Berlin

Bushido sieht ordentlich aus. Er trägt einen schwarzen Anzug zum Besucherausweis und lächelt freundlich. Früher hat er Schwule, Frauen und andere "Opfer" beleidigt, dann hat Bernd Eichinger einen schlechten, aber netten Film über ihn gedreht, 2011 hat er den Bambi (Kategorie: Integration) bekommen, und jetzt: Politik. Vier Tage als Praktikant im Abgeordnetenbüro des schwäbischen Politikers Christian von Stetten. Von der CDU. Was für eine Geschichte.

Donnerstag, 12 Uhr. Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Youssef Ferchichi, steht im Foyer des Paul-Löbe-Hauses, gegenüber vom Kanzleramt. Um ihn herum: Journalisten. Alle erwarten den Prolo. Nach dem Motto: vom Ghetto in den Bundestag. Alle werden enttäuscht. "Scheiße, das ist der Bushido, ich glaub's nicht!", quiekt ein Mädchen mit Haarreif, zückt ihr Smartphone und richtet die Kamera auf Bushido. Jetzt erkennt die ganze Schulklasse, wer da vor ihr steht. Der Praktikant lächelt und schüttelt Hände. Er ist der Star. Und er darf mitten rein in diese turbulente Woche: Finanzausschuss zum ESM-Rettungsschirm, Regierungserklärung von Angela Merkel, interne Sitzung mit den Vorsitzenden der CDU-Landesgruppe. Bushido kommt rum.

Jetzt sitzt er im Büro seines Abgeordneten im Ledersessel, die Beine übereinandergeschlagen, den Blick zum Fenster gerichtet, und beantwortet Fragen. Der erste Artikel des Grundgesetzes? Bushido lächelt müde: "Die Würde des Menschen ist unantastbar!" Nächstes Kamerateam, nächste Frage. Von Stetten tut so, als hätte er den Rummel in seinem kleinen Büro nie erwartet. "Eigentlich sollte das kein Medienpraktikum sein", grummelt er.

Bushido will Politik verstehen

Sein Praktikant sagt derweil Artigkeiten auf. Der Kurzzeitjob sei natürlich etwas "ganz Besonderes", der Bundestag eine "Art Abenteuerspielplatz", und natürlich sei er nicht hier, um Akten zu kopieren oder Kaffee zu kochen: "Dann hätte ich ja auch ein Praktikum in der Gastronomie machen können."

Für den 33-jährigen Deutschtunesier geht es nach eigenen Angaben um mehr. Er will Politik verstehen, hat er schon vor zwei Wochen feierlich erklärt. Fernziel: Regierender Bürgermeister von Berlin. Dafür wolle er sogar eine eigene Partei gründen. Jetzt, nach zwei Tagen in Stettens Büro, kann er sich aber auch für die Christdemokraten erwärmen. Seinen Abgeordneten möge er schon richtig gerne, sagt er. Und wenn morgen Wahl wäre, würde er CDU wählen. Da hat jemand schnell gelernt. Politik, das bedeutet im Dampfkochtopf Berlin vor allem eines: Immer schön flexibel bleiben. Um 16 Uhr war übrigens schon Feierabend.