Die Staatsanwaltschaft hat im Müsteraner Bundeswehr-Prozess wegen Misshandlung und Demütigung von Rekruten in der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne harte Strafen gefordert.
Wegen der Misshandlung und Demütigung von Rekruten hat die Staatsanwaltschaft im Coesfelder Bundeswehr-Prozess Haftstrafen auf Bewährung zwischen zwei Jahren und sechs Monaten für einen Kompaniechef und acht Ausbilder gefordert.
Bundeswehr-Skandal: harte Strafen gefordert. (© Foto: dpa)
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Ein Ausbilder soll eine Geldstrafe erhalten. Staatsanwalt Michael Frerichs sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Münster, die Männer hätten sich der gefährlichen Körperverletzung sowie der Misshandlung und erniedrigenden Behandlung von Untergebenen schuldig gemacht.
Der Prozess beschäftigt das Gericht seit März 2007. Die Männer sind angeklagt, im Sommer 2004 insgesamt 163 Rekruten gequält und gedemütigt zu haben. Bei vier simulierten Geiselnahmen und nachgestellten Verhören misshandelten sie laut Staatsanwaltschaft die jungen Soldaten mit Stromstößen, Schlägen und Fußtritten und beschimpften sie. Der Staatsanwalt sprach von einem "Maß an Menschenverachtung, das kaum zu beschreiben ist".
Es handele sich bei den simulierten Geiselnahmen nicht um einen sinnvollen Teil der Ausbildung, da die Rekruten zuvor nichts über das Verhalten bei Geiselnahmen gelernt hätten. Auch warum sie gefesselt wurden, sei nicht zu erklären. Stattdessen seien die Vorfälle "mutwillige Schikane" gewesen, sagte Frerichs. Der Vorgang könne vielleicht, wie im Prozess teils behauptet, als "Highlight" der Ausbildung bezeichnet werden: "Ein Highlight war es aber eigentlich nur für die beteiligten Unteroffiziere."
Jeweils zwei Jahre Haft auf Bewährung forderte Frerichs für die beiden Haupttäter, die die Aktionen geplant und veranlasst hätten: Sie hätten die Marschlinie vorgegeben. Auch ein weiterer an mehreren Vorfällen beteiligter Angeklagter soll die gleiche Strafe erhalten.
Für den Kompaniechef forderte der Staatsanwalt ein Jahr und drei Monate Haft auf Bewährung. Der Mann habe zwar nicht an den Planungen mitgewirkt - jedoch hätten sich ohne sein Ja die Vorfälle nicht ereignet. Er habe sich als "unfähiger Vorgesetzter" erwiesen. Für die anderen Angeklagten forderte Frerichs Bewährungsstrafen von sechs Monaten bis zu einem Jahr und fünf Monaten. Ein Mann soll eine Geldstrafe von 4800 Euro zahlen. Für alle Angeklagten forderte der Staatsanwalt hohe Bewährungsauflagen bis zu 4000 Euro.
Rekruten verhört und gequält
Beim ersten Vorfall im Juni 2004 wurden laut Staatsanwaltschaft 82 Rekruten überwältigt und mit verbundenen Augen und gefesselten Händen zu einer Sandgrube gebracht, wo sie verhört und gequält wurden. Einigen wurde Wasser in den Mund oder die Hose gespritzt. Zwei Soldaten hätten Brandnarben an Nacken und Hand erlitten, die von Zigaretten stammten. Die anderen Vorfälle hätten sich im Keller der Coesfelder Freiherr-vom-Stein Kaserne ereignet. Hier hätten mehrere Soldaten Stromstöße erhalten. Einige seien als "Bettnässer" verhöhnt worden und hätten an den Händen gefesselt und mit verbundenen Augen in kniender Haltung verharren müssen.
Als strafmildernd wirken sich laut Staatsanwaltschaft die bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten und ihre - wenn auch teils sehr abgemilderten - Geständnisse aus. Hingegen hätten sie sich die große Aufmerksamkeit der Medien selbst zuzuschreiben. Zudem müsse sich die Bundeswehr vor solchen Vorfällen schützen. "Die Bundeswehr ist nicht irgendeine Söldnertruppe", sagte der Staatsanwalt. Es handele sich um ein auf demokratischen Grundsätzen und der allgemeinen Wehrpflicht beruhendes Volksheer, das auf die Akzeptanz in der Öffentlichkeit angewiesen sei.
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- Coesfeld Erste Urteile im Bundeswehr-Skandal 27.08.2007
(AP/jüsc)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Ich denke, das wirkliche Problem ist der Anspruch, ein auf demokratischen Grundsätzen und Wehrpflicht beruhendes Volksheer zu haben und andererseits kernig ausgebildete Soldaten haben zu wollen.
Beides scheint sich weitgehend auszuschließen.
Wir wollen nicht wahrhaben, dass das Soldatentum ein nicht immer klinisch reines Kriegshandwerk ist, welches sich mit demokratischen, zivilen und moralischen Ansichten einfach nicht immer in Deckung bringen lässt. Daraus resultiert nur Bigotterie und Doppelmoral.
In einer Volksarmee aus Wehrpflichtigen sind natürlich Stromstöße und ähnliche Methoden absolut unakzeptabel!
Aber wenn ich wehrpflichtigen Muttersöhnchen nicht das Höschen nassspritzen darf, habe ich als Soldatenausbilder ein echtes Problem.
Ich habe es damals wirklich nicht schlimm gefunden, desöfteren in voller Kampfmontur und Stiefeln in Seen und Schlammgruben "schwimmen gehen" zu müssen... Mit Folter hatte das nichts zu tun.
Wenn man sich ansieht, wie die soldatische Ausbildung in anderen Armeen aussieht, könnte man den Eindruck gewinnen, dass hier auf hohem Niveau gejammert wurde.
@McKiri
Meine Bundeswehrzeit ist schon eine Weile her, ich meine mich aber erinnern zu können, dass wir damals warm geduscht haben. Ich tue das übrigens heute noch. :D
naja, warmduscher nicht gerade, aber in keiner Aga wird ne Geiselname durchgenommen, das kommt in der Einsatz-Vorausbildung dran
abgesehen davon ist das Grundwehrdienstprinzip meiner meinung eh nur noch a) werbung fürn bund, nach der AGA wirds ja meißtens ganz lustig und b) irgendwer muss ja noch die Kasernen "bewachen" *hust*
Was will der Staat? Soldaten oder Warmduscher?
Wenn die Angeklagten dies wirklich getan haben, sind die beantragten Strafen angemessen. Soldaten sollen (und müssen!) auf kritische Situationen vorbereitet werden, aber so etwas kann man keinesfalls dulden!
Das eigentliche Problem liegt aber m.E. nach ganz woanders, nämlich in der "Führung" von Menschen. Mein Wehrdienst liegt mittlerweile ca. 20 Jahre zurück. Aber auch damals war es schon so, dass vor allem im Unteroffiziersbereich Menschen mit Führungsaufgaben betraut wurden, die zum einen noch nicht über genügend Lebenserfahrung (= nicht alt genug) und häufig auch nicht durch besondere Intelligenz hervorgeragt haben. Dies wurde dann durch Schreien oder sonstige dusslige Befehle kompensiert. ("ABC-Alarm" während der Ausbildung an der Waffe, als es nicht gleich klappte. Klasse, dann fehlte diese Zeit nämlich für eine vernünftige Ausbildung im Umgang mit der Waffe!). Hier müßte man ansetzen. Es gab auch damals schon welche, die das erkannt haben ("Entweder man führt - oder man schreit und führt!"). Und die (wenigen) Gruppen, die solche Führer hatten, haben in Leistungsvergleichen fast regelmäßig besser abgeschnitten.
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