Brüssel Nice und fettig

Es ist unfair, dass Pommes in Amerika "French Fries" heißen, wo sie doch nachweislich in Belgien erfunden wurden. Behaupten jedenfalls die Belgier. Angeblich badet man dort schon seit 1680 kleingeschnippelte Kartoffeln in heißem Fett.

(Foto: imago)

Ruiniert die EU mit ihrer neuesten Verordnung die Knusprigkeit belgischer Pommes? Ein Geschmackstest in Brüssels bester Frittenbude.

Von Alexander Mühlauer

Bei "Frit Flagey" kommt es schon vor, dass man eine halbe Stunde anstehen muss. Die Friterie in Brüssel macht Pommes, die sind so gut, dass sich lange Schlangen bilden, mittags und nach Feierabend. Das Warten kann man sich zum Glück mit dem Studium der Karte vertreiben. Gut 20 Saucen stehen zur Auswahl. Es gibt Sauce Tartare, Sauce Andalouse oder für all jene, die es schärfer mögen, Sauce Samourai. Doch weitaus fundamentaler als die Entscheidung, ob es mal was anderes sein soll als Ketchup oder Mayo, ist die Frage: Schmecken die Fritten überhaupt noch?

Seit dieser Woche gilt nämlich eine neue EU-Verordnung. Lebensmittelhersteller, Restaurants und Imbissbetriebe sollen ein übermäßiges Frittieren von Pommes vermeiden, um den als krebserregend geltenden Stoff Acrylamid einzudämmen. Dieser bildet sich unter hohen Temperaturen beim Rösten, Backen oder eben beim Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln. Betroffen sind vor allem Produkte aus Getreide und Kartoffeln.

Die belgischen Pommesbuden wissen, dass die Regierung auf ihrer Seite ist

Nun, um es klar zu sagen: Bei der Pommesbude an der Place Flagey schmeckt es wie eh und je. Der Verkäufer lacht: "Wie immer, oder?" Und in der Tat: Die Fritten haben nichts von ihrer Knusprigkeit eingebüßt. Sie werden auch weiterhin, wie sich das in Belgien gehört, zweimal in Rinderfett frittiert, und nicht im sehr viel billigeren Palmöl. Bleibt die Frage, was sich überhaupt mit den neuen EU-Regeln ändert. Die Vorschriften dürften vor allem die Pommeshersteller treffen. Sie sollen den Acrylamid-Wert ihrer Produkte senken. Dass die Firmen dies auch tun, müssen die Lebensmittelbehörden in den EU-Staaten kontrollieren. Bei "Frit Flagey" hat man jedenfalls keine Angst vor Problemen. Die belgischen Pommesbuden wissen, dass die Regierung auf ihrer Seite ist.

Denn das war ja die große Sorge: dass die berühmten belgischen Fritten plötzlich ihren legendären Geschmack verlieren. Dass sich dieser mit der EU-Verordnung nicht verändert hat, ist durchaus von nationaler Bedeutung, denn es gibt nicht allzu viel, was Belgien zusammenhält. So zerrissen dieses Land ist, so sehr Flamen und Wallonen streiten, bei drei Dingen sind sie sich (und sogar die deutschsprachige Gemeinde) einig: Fritten, Bier und Schokolade. Das können die Belgier, wie sie glauben, auf dieser Welt am besten, und darauf sind sie stolz.

Noch im Sommer, als die Pläne der EU-Kommission bekannt wurden, war die Aufregung groß. Belgische Minister wandten sich an die Behörde und baten um Klarstellung. Und so blieb dem Sprecher von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nichts anderes übrig, als vor laufenden Kameras zu versichern: "In keinem Fall - ich wiederhole: in keinem Fall - wollen wir belgische oder irgendeine andere Art von Fritten verbieten." Und dann sagte er noch einen Satz, den man in der EU-Kapitale bestens versteht: "La frite, c'est chic."

So sieht man das auch bei "Frit Flagey". Es gibt schließlich kaum Lässigeres, als mit einer Tüte Pommes durch Brüssel zu flanieren. Solange einem die Sauce nicht auf die Hose läuft.

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