Britisches Königshaus Warum sich Kate und William die Kevin-Frage nicht stellen müssen

  • Das dritte Kind von Prinz William und Herzogin Kate wurde in Großbritannien mit 62 Kanonenschüssen am Tower und 41 im Green Park begrüßt.
  • Wie der Junge heißen soll, hat die Familie Windsor bislang nicht verraten.
  • Die Bandbreite der männlichen Vornamen in der Königsfamilie ist allerdings nicht überwältigend.
Von Kurt Kister

Immerhin hat es schon 103 Salutschüsse bekommen, das neue Baby. Unadelig geborenen Kindern widerfährt das nicht, adelig geborene müssen aus einem hohen, regierenden Hause stammen, damit das Militär des jeweiligen Landes ihnen diese Ehrenbezeugung erweist. Für das dritte Kind des britischen Prinzen William und seiner Gattin Kate jedenfalls fielen 62 Kanonenschüsse am Tower und 41 im Green Park nahe dem Buckingham-Palast. So will es die Tradition, und die Tradition spielt in königlichen Angelegenheiten des Hauses Windsor eine große Rolle.

Noch am Dienstag wusste man nicht, wie der Windsor-Bub heißen wird. Sein Papa, Nummer zwei in der Thronfolge, trägt die Vornamen William Arthur Philip Louis, sein Bruder heißt George Alexander Louis, und sein Großvater, der vielleicht nach dessen Mutter Elizabeth doch noch mal König wird, nennt sich Charles Philip Arthur George. Ja, die Bandbreite männlicher Vornamen in der Königsfamilie ist nicht überwältigend.

Dies hängt damit zusammen, dass die männlichen Sprösslinge der Mountbatten-Windsors in unterschiedlichen Mischungen fast immer so heißen, wie ihre Vorfahren schon geheißen haben. Das ist beim Adel, nicht nur beim britischen, auch heute noch verbreitet. Außerdem werden, so geht die Fama, Lords sehr alt und können sich dann nicht mehr so viel merken. Wenn einer von ihnen "Philip" oder "George" im Schloss ruft, kommt immer irgendein Sohn oder Enkel.

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Deutsche Kinder tragen Mode-, keine Vorfahrennamen

In mehr oder weniger bürgerlichen Familien nimmt die Gewohnheit, den Sohn oder die Tochter nach Papa oder Mama zu nennen, stark ab. In Deutschland sind Vornamen kaum mehr ein Ausdruck familiärer Kontinuität, sondern sie geben Moden wieder. Jungs heißen hierzulande Ben, Jonas oder Leon (die drei beliebtesten Vornamen 2017), ihre ungefähr 35-jährigen Väter dagegen sind Christian, Sebastian oder Florian (die beliebtesten Sohn-Namen im Jahre 1983). Die Mittdreißiger-Mütter heißen, statistisch gesehen, Stefanie, Julia oder Kathrin; ihre Töchter nennen sie Emma, Hannah oder Mia.

Bei den britischen Königskindern jedenfalls stellt sich die Kevin-Frage nicht: Gibt man seinem Kind möglicherweise einen Namen, der ihm später das Leben schwerer macht? Beim Insel-Adel findet der Kontinentaleuropäer ohnehin Namen, die auf den ersten Blick nur schwer als Hochadel zu erkennen sind. Ein relativ enger Königsverwandter zum Beispiel heißt Norton Knatchbull, was ohne seine diversen Earl- und Viscount-Titel eher nach einem Mann klingt, der zwischen Liverpool und Glasgow Lastwagen fährt.

Den Nachnamen können auch die Eltern des kleinen Prinzen nicht aussuchen. Er ist ein Mountbatten-Windsor, was die anglisierte Form der deutschen Adelshäuser Battenberg sowie Sachsen-Coburg und Gotha ist. Die Sachsen-Coburg-Gothas sitzen seit 1901 auf dem Thron; im Ersten Weltkrieg nannten sie sich 1917 nach einer Kleinstadt, in der eines ihrer Schlösser liegt, Windsor. Im selben Jahr entdeutschte die britische Battenberg-Linie ihren Namen, seitdem heißt die Familie des Prinzgemahls Philip Mountbatten. Deutsche Monarchisten also könnten darüber glücklich sein, dass "wir" immer noch die Königin von England, Schottland, etc. stellen.

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