Ein umstrittener Motivwagen hat beim Karneval in Rio de Janeiro heftige Proteste ausgelöst: Künstlich aufeinandergestapelte Leichen sollen an den Holocaust erinnern.

Ein Karnevalswagen in Rio de Janeiro hat in Brasilien Empörung ausgelöst. Das Gefährt, dass am Sonntag an einem Umzug in der brasilianischen Metropole teilnehmen soll, zeigt Holocaust-Opfer.

Karnevalswagen Brasilien Holocaust; AFP

"Es ist ein sehr respektvoller Wagen", verteidigt der Designer seinen Wagen. (© Foto: AFP)

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Im Kontrast zu den übrigen Wagen, die vor allem buntgekleidete Tänzer transportieren, soll der Holocaust-Wagen nur bewegungslose, skelettartige Figuren zeigen, die aufeinandergehäuft sind. "Es ist ein sehr respektvoller Wagen. Es soll eine Art Warnung sein, damit es (der Holocaust) sich nie wiederholt", verteidigte der Designer seinen Wagen. Karneval sei auch ein Weg, um zu zeigen, was in der Welt passiere.

Der Präsident der jüdischen Vereinigung von Rio de Janeiro bezeichnete den Wagen hingegen als "unpassend". Angesichts hunderttausender Menschen in Feierlaune sei es nicht angemessen, an die rund sechs Millionen ermordeten Juden in Nazi-Lagern zu erinnern. Der Wagen soll am ersten Umzugstag in der Nacht zum Montag zu Sambarhythmen durch das Karnevalsstadion Sambodromo fahren.

Proteste gegen das Vorhaben kamen auch aus Argentinien. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Buenos Aires forderte, der Karneval dürfe nicht zur Schändung des Gedenkens an den Holocaust missbraucht werden. Ein Umzug mit Musik sowie mit halbnackten Männern und Frauen, die fröhlich tanzten, diene nicht dem Gedenken an die Opfer und sei vielmehr "ein abscheuliches Spektakel für die Überlebenden und deren Familien", hieß es in der Erklärung.

Durch systematische Verfolgung brachten die Nationalsozialisten in ganz Europa bis 1945 etwa sechs Millionen Menschen um. Heute ist Holocaust (griechisch für Brandopfer) der Begriff für diesen in der Geschichte beispiellosen Völkermord.

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(AFP/dpa/cag/ihe)