Brände auf La Palma Vertreibung aus dem Paradies

"La Isla Bonita" ist vielleicht nicht mehr die schöne Insel. Auf der ruhigen, ursprünglichen Kanareninsel La Palma haben am Wochende die Flammen gewütet. Ein Interview von Javier Cacéres

Pablo Díaz, 42, Vertreter der Umweltschutzorganisation "Ecologistas en Acción" auf La Palma und gebürtiger "palmero" über die Brände auf seiner Insel.

Tausende Menschen mussten am Wochenende vor dem Flammen auf La Palma fliehen.

(Foto: Foto: AFP)

SZ: Herr Díaz, wie ist die aktuelle Lage?

Pablo Díaz: Der Brand scheint unter Kontrolle zu sein. Das Panorama ist trostlos, die Bilder stimmen einfach nur traurig.

SZ: Der Brand ereignete sich im Südwesten der Insel.

Díaz: Ja, nahe Fuencaliente. Man kann sagen, dass der gesamte Waldbestand dieser Gemeinde abgebrannt ist. Das Schlimmste ist natürlich, dass 40 Wohnhäuser betroffen waren.

SZ: Sprechen wir über eine aus ökologischer Sicht besonders schützenswerte Gegend?

Díaz: Ja. Der Naturpark "Cumbre Vieja" (Alter Gipfel) mit seinem großen Kiefernbestand ist in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch die berühmte Vulkanroute ist betroffen. Was die Landwirtschaft betrifft, so ist das die Gegend, wo der meiste Wein der Insel angebaut wird. Die Reben sind zu einem großen Prozentsatz zerstört. Zudem sind rund 300 Nutz- und Haustiere getötet worden. Ziegen, Schweine, Hasen.

SZ: Wie lange wird es dauern, bis sich die Insel erholt hat?

Díaz: Wir haben hier das Glück, dass die Kanarische Kiefer sich selbst regeneriert. Wenn sie brennt, stirbt sie meistens nicht. Sie hat eine sehr dicke Rinde. Nach zwei Jahren blüht sie schon wieder. Ich denke, dass wir in fünf Jahren den alten Bestand haben. Auch die Wurzeln der Weinstöcke dürften sich erholen. Es gibt andere Pflanzen, die wohl neu gepflanzt werden müssen.

SZ: Als Brandursache gelten Feuerwerkskörper, die bei einem Dorffest abgeschossen wurden? Díaz: Das ist nicht ganz klar. In Tigalate, wo das Feuer ausbrach, wurden die einzigen offiziell abgeschossenen Raketen um 18 Uhr abgeschossen. Das Feuer aber brach erst Stunden später aus. Möglich, dass irgendein Verantwortungsloser später eine eigene Rakete abgeschossen hat. Aber das wird noch untersucht. In jedem Fall haben die hohen Temperaturen und natürlich die starken Winde das Feuer begünstigt. Im Winter hat es recht viel geregnet, dadurch gab es viel Unkraut, das brennt wie Zunder.

SZ:Dieser Brand hat die Insel enorm aufgewühlt, nicht wahr?

Díaz: Ja, denn im Gegensatz zu früheren Bränden auf La Palma hat dieser Privatunterkünfte getroffen, die Menschen in Gefahr gebracht. Erstmals mussten die Menschen einer ganzen Ortschaft evakuiert werden, der Dorfplatz stand praktisch in Flammen. Die Existenzen vieler Menschen ist zerstört. Der Brand ereignet sich auch noch zu einer Zeit, da die Tourismus-Hochsaison beginnt, und der Sektor über große Schwierigkeiten klagt.

SZ: Außer der Vulkanroute ist die vom Brand betroffene Gegend von der Tourismusindustrie nicht erschlossen, richtig?

Díaz: Das einzige größere Hotel im Brandgebiet steht Fuencaliente, es dient nun als Notunterkunft. Die meisten Hotels auf La Palma sind in anderen Gegenden an der Küste, in einer gewissen Entfernung also. Die Erschließung neuer Gebiete für die Tourismusindsutrie ist für die kommenden Jahre angekündigt. Wir glauben, dass dabei die Verhältnisse nicht gewahrt werden. Aber das ist eine andere Geschichte.