Boris Becker vor Gericht Strafzettel für 10 000 Euro

Streitet vor Gericht mit seinem Ex-Manager um Geld: Ex-Tennisprofi Boris Becker.

(Foto: dpa)
  • Vor dem Landgericht Mannheim streitet Boris Becker mit einem Autohaus um Strafzettel in Höhe von mehr als 10 000 Euro.
  • Gleichzeitig hatte Becker seinen ehemaligen Manager verklagt, weil der ihm Vergütungen und Provisionen vorenthalten haben soll.
  • In London läuft zudem noch ein Insolvenzverfahren gegen den ehemaligen Tennisprofi.
Von Thomas Hummel

Boris Becker kämpft. Das hat ihn immer ausgezeichnet, damals auf dem Tennisplatz, wo er oft in schier ausweglosen Situationen noch ein Match drehte. Jetzt, mit 50, muss er sich vor allem ums Geld streiten. Um viel Geld. Gleich mehrere Gerichte beschäftigen sich mit seinen Finanzen. Dieser Tage zum Beispiel in Mannheim und Köln.

Am Donnerstag stand eine Verhandlung vor dem Landgericht Mannheim an mit dem Beklagten Boris Becker. Es sollte um einen blauen Maserati gehen. Dieses Auto mit deutschem Kennzeichen erlangte in London im vergangenen Jahr eine gewisse Berühmtheit. Erstens, weil ein dreimaliger Wimbledon-Sieger mit ihm durch die Stadt fuhr. Zweitens parkte der Wagen gerne falsch oder fuhr, drittens, unerlaubt auf gebührenpflichtigen Straßen. Die Zeitungen druckten Fotos mit dem Maserati auf einem Abschleppwagen. In wenigen Monaten sollen sich Strafzettel im Wert von mehr als 10 000 Euro angehäuft haben.

Die Zahlungsbescheide erhielt aber nicht Boris Becker. Denn der Wagen gehörte ihm nicht, er war ihm nur überlassen worden als Teil einer Kooperation mit dem Hersteller. Nach dem Motto: Du darfst umsonst unser Auto fahren und wir erhalten im Gegenzug über deinen Namen Aufmerksamkeit, außerdem erscheinst du auf ein paar Terminen unserer Firma. Der blaue Maserati war offenbar auf das Autohaus Stefan Geisser in Mannheim zugelassen, wohin die Londoner Behörden ihre Rechnungen schickten. Als das Autohaus das Geld von Boris Becker zurückverlangte, weigerte sich dieser, zu zahlen. Der Termin am Donnerstag wurde laut Gericht "aus formalen Gründen" abgesagt. Die Klage läuft aber noch.

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Eine Frage lautet, ob Boris Becker überhaupt befugt ist, einem Autohaus so viel Geld zu geben. Unter welchen Umständen auch immer. Denn gegen ihn laufen Verfahren, in denen es um wesentlich höhere Beträge geht. So verlangt sein früherer Partner Hans-Dieter Cleven, einst Finanzvorstand des Metro-Konzerns, die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von mehr als 40 Millionen Schweizer Franken. Das Obergericht des Kantons Zug beschäftigt sich damit in zweiter Instanz. Außerdem läuft an Beckers Wohnort in London seit Juni ein Insolvenzverfahren. Der High Court of Justice hatte ihn für pleite erklärt. Dabei war er einst einer der reichsten Sportler der Welt mit geschätzten 150 Millionen Euro Vermögen. Angeblich ein gutes Dutzend Gläubiger wollen in London ihr Geld wieder, es soll sich um mehrere Millionen Euro handeln. Ein Insolvenzverwalter durchforstet und kontrolliert deshalb Beckers Einnahmen und Ausgaben.

Einer der Gläubiger ist der Kölner Sascha Rinne. Er war einige Jahre lang Beckers Manager und hat seinem Klienten rund 100 000 Euro geliehen, die er zurückfordert. An diesem Freitag aber sollten sich vor dem Landgericht Köln erst einmal die Rollen umkehren: Boris Becker wollte gegen Sascha Rinne klagen.

Am Vorabend jedoch teilten Beckers Anwälte mit, ihr Mandant habe die Klage zurückgenommen. Das habe, wie im anderen Prozess, "rein formale Gründe". An seinen Ansprüchen aber halte Boris Becker fest. Der glaubt, sein ehemaliger Manager habe ihm Vergütungen und Provisionen vorenthalten. Der angegebene Streitwert liegt kurioserweise bei 100 000 Euro, also genau der Summe, die Rinne von Becker in London zurückhaben will.

Das Gericht in Köln sollte auch entscheiden, ob Becker solche angeblichen Schulden überhaupt eintreiben darf, oder ob das nicht der Insolvenzverwalter aus London machen muss. Oder wie es eine Sprecherin des Gerichts ausdrückte: ob Boris Becker angesichts seiner Pleite die Verfügungsbefugnis über sein Vermögen verloren habe. Ein erster Gerichtstermin war im Januar schon einmal verschoben worden, weil Becker zum geplanten Zeitpunkt als Ko-Kommentator des TV-Senders Eurosport bei den Australian Open arbeitete. Das tat er wie immer eloquent und entspannt. Wie ein Mensch, den nichts aus der Ruhe bringen kann.

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