Am Tag nach der blutigen Tragödie am Niederrhein stehen weitere Einzelheiten fest: Der Todesschütze hatte die Tat offenbar geplant und gezielt auf seine Opfer geschossen.

Am Tag nach der tödlichen Familientragödie in Schwalmtal in Nordrhein-Westfalen kommen immer mehr Details ans Licht: Der Täter hatte die Tat geplant und wollte offenbar gezielt die am Scheidungsstreit seiner Tochter beteiligten Rechtsanwälte und Gutachter mit seiner Bluttat bestrafen. Er habe ein Zeichen setzen wollen, dass man so mit ihm und seiner Verwandtschaft nicht umgehen könne, sagte der leitende Kriminaldirektor auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf.

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Vor dem Haus, in dem sich die Tat ereignete, stehen Kerzen: In Schwalmtal herrscht Trauer und Entsetzen. (© Foto: Reuters)

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Gegen den 71-jährigen Todesschützen ist Haftbefehl wegen dreifachen Mordes erlassen worden. Die Tochter des Täters hat sich vor sieben Jahren von ihrem Mann getrennt, der mit dem gemeinsamen Sohn ausgezogen ist, wie Nachbarn berichteten.

Bei den getöteten Personen handelt es laut Polizei um zwei Rechtsanwälte im Alter von 70 und 38 Jahren sowie um einen 48-jährigen Gutachter aus dem Kreis Viersen, wie die Polizei mitteilte. Ein zweiter Gutachter liege mit schweren Schussverletzungen in der Klinik.

Bei dem mutmaßlichen Schützen handelt es sich laut Polizei um einen Rentner. Er war nach der Tat vom Dienstag festgenommen worden.

Hintergrund der Tat des Rentners war offenbar die Scheidung seiner Tochter und der damit verbundene Streit um das Haus. Nach ersten Erkenntnissen trieb den 71-Jährigen offenbar die Wut um die Langwierigkeit des Scheidungsverfahrens und der damit verbundenen Fehde um die Immobilie. Er habe Wut auf Behörden, Justiz und die Verwandtschaft gehabt, hieß es.

Den Angaben zufolge hatte der Täter eine Pistole mit in das Haus seiner Tochter gebracht, in der sich die Bluttat ereignete. Nach ersten Erkenntnissen hatte er bis zu 100 Schuss Munition dabei. Sieben Schüsse gab er ab. Laut Polizei schoss er noch einmal, als die Rechtsanwälte und Gutachter bereits verletzt auf dem Boden lagen. Er habe sichergehen wollen, dass er alle töten werde, erklärte der 71-Jährige der Polizei zufolge in seiner Aussage. Er habe in der Scheidungsgeschichte seiner Tochter endlich einen Fortschritt sehen wollen.

Die Staatsanwaltschaft hat indes auch Ermittlungen gegen die Ehefrau des geständigen Schützen und seine Tochter eingeleitet. Beide seien als Beschuldigte vernommen worden, sagte der Mönchengladbacher Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff. Zwar bestehe nicht der Verdacht, dass sie sich an der Tat selbst beteiligt hätten. Doch sei nicht auszuschließen, dass sie gewusst hätten, dass etwas passieren würde. Sie seien nach den Schüssen im Haus geblieben, während sich der mutmaßliche Täter ins Obergeschoss zurückgezogen habe.

Der Rentner war als gewalttätig bekannt. Bereits 2006 sei gegen ihn Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben worden, nachdem er mit einem Baseballschläger auf zwei Verwandte eingeschlagen haben soll. Das Verfahren sei damals jedoch eingestellt worden.

"Der Mann hatte genügend Gewaltpotential, das steht fest", sagte ein Mann der Süddeutschen Zeitung.

Am Dienstagnachmittag wollten sich die Tochter, ihr Ex-Partner und der Vater in dem Haus treffen, um dessen Wert von Maklern, Gutachtern und Anwälten ermitteln zu lassen. Nach mehreren Schüssen war am Dienstag gegen 16.30 Uhr bei der Polizei Alarm ausgelöst worden.

Medienberichten zufolge war der Ex-Mann aus Furcht vor dem Rentner nicht erschienen. Der 44-Jährige gehe davon aus, dass der Anschlag eigentlich ihm gegolten haben, wurde berichtet. Sein Schwiegervater habe ihn schon öfter bedroht.

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(sueddeutsche.de, Johannes Nitschmann/dpa/AP/dmo/gba/bica)