Kritische Blogger leben in Mexiko gefährlich - Auftragskiller der Drogenkartelle richten sie auf bestialische Weise hin. Doch die anonymen Internet-Schreiber sind eine Hoffnung in einem Land, in dem die Medien zunehmend vor der Drogengewalt einknicken.
Ein Klick auf die Website Blog del Narco führt zu solchen Nachrichten: "Gehäuteter Mann in Guerrero gefunden", heißt es da, dazu ein Foto eines fürchterlich entstellten Kopfes. Der Mexikaner sei am Rande von Acapulco zerhackt worden, im Gesicht habe man ihm die Haut abgezogen. Die Täter waren narcos, Drogenhändler. Weiter unten liest man: "Mutter und Tochter in Nuevo León zerlegt", dazu Bilder von Plastiksäcken. Oder "15 Leichen in Veracruz weggeworfen". Ein Video ("Vorsicht, extremer Inhalt") zeigt, wie zwei Schmuggler des Sinaloa-Kartells mit Motorsäge und Messer enthauptet werden. Geköpfte, Gehängte und Erschossene sind normal auf dieser Horrorseite aus Mexikos Rauschgiftkrieg.
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Razzia in Mexiko-Stadt: Verzweifelter Kampf gegen die haltlose Gewalt. (© REUTERS)
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Das Forum der Seite bietet an: "Schick Informationen aus deinem Ort, und es wird anonym veröffentlicht." Material gibt es reichlich, die Schlacht um Geld, Routen, Macht und Märkte hat seit dem Amtsantritt des Präsidentin Felipe Calderón vor sechs Jahren 40.000 Menschen das Leben gekostet.
Jeden Tag produzieren die Auftragskiller der Kartelle sowie korrupte Polizisten oder Soldaten neue Massaker in Culiacán, Monterrey oder Ciudad Juárez. Wer Gefahr im Verzug wähnt, der kann auch Warnungen in Echtzeit an Foren wie "Frontera al rojo vivo" twittern. "Es sind Granaten an der Straße nach Reynosa zu hören, sagt mir bitte, was los ist", bittet "La Flaca" aus dem besonders gewalttätigen Bundesstaat Tamaulipas. Doch die Blogger und Twitterer werden nun noch vorsichtiger, denn ihre Beiträge können tödlich sein.
"Wir haben ein Auge auf euch"
In Nuevo Laredo an der US-Grenze wurden am Samstag eine geköpfte Frau entdeckt. Neben ihr lag ein Stück Pappe mit dem Hinweis, sie habe unter dem Pseudonym "La nena de Laredo" (Das Mädchen aus Laredo) vor Angriffen der Narcos gewarnt.
Kürzlich waren bereits ein toter Mann und eine tote Frau entsetzlich zugerichtet an einer Brücke derselben Stadt gehangen, dazu eine ähnliche Botschaft: "Das passiert mit allen Internetpetzen. Wir haben ein Auge auf euch. Z." Das Z steht für die Zetas, eine ehemalige Elitetruppe der Armee, die sich in eine mordende Dealerbande verwandelt hat. Ihren Opfern warfen die Zetas vor, bei Blog del Narco und Frontera al Rojo vivo geschrieben zu haben. Selbst namenlose Beiträge sind gefährlich geworden, dabei schien das World Wide Web eine der letzten halbwegs sicheren und verlässlichen Informationsquellen zu sein.
Viele traditionelle Medien recherchieren ja kaum noch jenseits der Polizeiberichte, es ist ihnen zu riskant. Fast 40 Journalisten wurden seit 2006 umgebracht, Mexiko ist für Reporter eines der gefährlichsten Länder der Welt. "Was wollt ihr von uns?", fragte die Zeitung El Diario aus Ciudad Juárez auf der Titelseite, nachdem ein Fotograf des Blattes erschossen worden war. Die Redaktion wollte von den Mördern wissen, was sie noch berichten dürfe. Soziale Netzwerke versuchen die Lücke zu schließen, auf Websites können Nutzer warnen und anklagen, ohne ihre Identität preiszugeben. Doch die Gefahren lauern überall.
Auch die Behörden lesen mit. So wurden ein Lehrer und ein Radiomoderatorin in Veracruz verhaftet, nachdem sie via Twitter und Facebook den Verdacht verbreitet hatten, dass eine Attacke auf eine Schule bevorstehe, was eine Massenpanik auslöste. Erst nach internationalen Protesten zog Mexikos Justiz die Drohung zurück, die beiden wegen Terrorismus bis zu 30 Jahre lang ins Gefängnis zu schicken.
Ein Blogger rät bei "Frontera al rojo vivo", trotz der Einschüchterungen weiter zu machen. "Habt keine Angst. Es ist schwer für sie herauszufinden, wer da geschrieben hat. Sie wollen nur die Gesellschaft verschrecken."
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(SZ vom 26.09.2011/grc/lala)
Kanzlerin Merkel und die Macht
Zitat:"Das Z steht für die Zetas, eine ehemalige Elitetruppe der Armee, die sich in eine mordende Dealerbande verwandelt hat."
Das stimmt nicht ganz.
Wahr ist, das Los Zetas von einigen ehemaligen Angehoerigen einer mexikanischen Anti-Terroreinheit gegruendet wurden. Los Zetas rekrutiert aber, genauso wie die anderen Drogenkartelle, seine Mitglieder vor allem aus den Armenvierteln der Grossstaedte.
Richtig, das ist aber ein Argument FÜR die Legalisierung und wie gesagt, man kann es schon sehen, dass das mit 40% Unfug ist.
UND KEIN Anstieg der Drogen zu beobachten war, wusste ich auch noch nicht.
Wieder ein Land mehr, dass schlau ist.
Ist halt so ein Ding, die Diskussion über Verbot und Legalisierung ist alt.
Hier setzten sich fast immer die Verbotsbefürworter durch. Ihr Befürchtungen werden dort, wo man einen anderen Weg geht, nie bestätigt, aber unser Verbot sorgt UND MAN KANN ES BEOBACHTEN dafür, dass ganze Staaten zusammenbrechen.
Trotzdem hängen die Verbotsbefürworter immer noch ihren schon widerlegten Behauptungen nach und ignorieren einfach die Realität.
Konservative halt, meist erst zum Lernen fähig, wenn der Baum schon brennt.
So langsam sollte man ihnen ein Ultimatum stellen. Entweder sie gewinnen ihren Krieg in den nächsten Jahren, oder die Legalisierungsbefürworter sind mal dran.
Danke fuer ihren Leserbrief,aber ich bleibe dabei,dass bei einer Legalisierung von Drogen die Zahl der Nutzer etwa 40% oder mehr hoch ist. Welche Folgen hat dieser Konsum fuer den Alltag der Menschen ? Fragen ueber die man nur spekulieren kann, auch mein Hinweiss,danach wrerden sich die Kartelle Dinge such die noch illegal sind und da weitermachen wie bisher. Das lehrt und die Vergangenheit, Freiheit habe ich nur in einem Rechtsstaat,nicht in einem Staat von Verbrecherorganisationen,die ueber Leben und Tot entscheiden,nach eigenen gut duenken.
Das sind die Folgen von Amerikas "War on Drugs" und dem hinterher hechelndem alten Europa. Portugal jedoch macht vor wie es überall funktionieren könnte.
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