Bistum Limburg Erzbischof Müller sieht Tebartz-van Elst als Opfer einer "Medienkampagne"

Klare Worte aus Rom: Die Vorwürfe gegen Limburgs umstrittenen Bischof sind für Gerhard Ludwig Müller nur eine "Erfindung von Journalisten". Der mächtige Präfekt der Glaubenskongregation macht vielmehr die Mitarbeiter von Tebartz-van Elst für die hohen Baukosten der Residenz verantwortlich. Limburgs Bischof reist im Laufe der Woche nach Rom.

Der Skandal um die kostspielige Residenz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst spitzt sich zu. Der Bischof selbst schlingert. Einen angekündigten Erklärungsbrief an die Gläubigen seines Bistums hat er kurzfristig wieder abgesagt. Tebartz-van Elst will sich nun offenbar direkt an die Führung der katholischen Kirche wenden.

Allerdings reist er nicht wie bislang vermutet an diesem Samstag ab. Der 53-jährige Bischof wird nach Angaben seines Sprechers erst "im Laufe der Woche" nach Rom fahren. Wann genau dies geschehe, sei ihm aber nicht bekannt, sagte er am Samstag. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatte zuvor berichtet, Tebartz-van Elst wolle mit einer Abreise am Wochenende dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zuvorkommen und eine mögliche Absetzung durch den Papst verhindern.

Zollitsch fährt am Montag nach Rom, wo er im Vatikan zunächst Gespräche mit der Kurie führen will. Im Laufe der Woche möchte er mit Papst Franziskus auch über die Situation im Bistum Limburg sprechen.

Unterdessen erhält der umstrittene Bischof Unterstützung von Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, dem mächtigen Präfekten der Glaubenskongregation. Im Rahmen einer Messe im römischen Campo Santo über das Evangelium und die Dämonen sagte Müller nach FAS-Informationen am Freitagabend, dass es sich bei den Vorwürfen gegen den Bischof um eine "Erfindung von Journalisten" und eine "Medienkampagne" handle. Laut Müller ist nicht Tebartz-van Elst für die hohen Baukosten für das Bischöfliche Haus in Limburg verantwortlich, sondern dessen Mitarbeiter.

Unklar ist die Position des Kölner Kardinals Joachim Meisner. Dessen Sprecher Christoph Heckeley stellte am Samstagnachmittag klar, dass Meisner nicht von dem Limburger Bischof Tebartz-van Elst abgerückt sei. "Der Kardinal beobachtet weiterhin die Vorgänge sehr aufmerksam, und das lässt ihn auch nicht unberührt", sagte Heckeley der Nachrichtenagentur dpa. Auch sehe Meisner, dass durch den von der Hamburger Staatsanwaltschaft beantragten Strafbefehl "eine neue Lage" eingetreten sei. Er wisse jedoch nicht, wie die FAS in ihrer Berichterstattung zu dem Schluss komme, dass sich der Kardinal von Tebartz-van Elst distanziert habe.

Immer mehr Forderungen nach Rücktritt von Tebartz-van Elst

Andere deutsche Katholiken und immer mehr Journalisten fordern den Rückzug des Limburger Bischofs. In der Welt bekräftigte Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, seine Kritik an Tebartz-van Elst: "Viele in der Kirche, auch viele seiner bischöflichen Amtsbrüder, erwarten einen Rückzug." Jedoch befürchteten sie, "dass der Bischof nicht zu dieser Einsicht kommt". Am Ende werde wohl Rom die Entscheidung treffen.

"Wenn der Bischof auch nur einen Funken Ehrgefühl in sich hat, bietet er dem Papst sofort seinen Rücktritt an", sagte der ehemalige Weihbischof aus Limburg, Gerhard Pieschl, der Frankfurter Neuen Presse. Einen Bischof, der öffentlich als Lügner, Betrüger oder Kranker bezeichnet werde, könne der Papst nicht im Amt belassen.

Zollitsch, der am Montag nach Rom aufbricht, hält die Lage in Limburg für untragbar, nachdem die Baukosten für die Residenz des Bischofs auf 31 Millionen Euro explodiert sind und die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen Falschaussage gegen Tebartz-van Elst beantragt hat. Zuletzt hatte die SZ berichtet, dass die Kostensteigerung im Bistum spätestens 2010 bekannt war.