Bistum Hildesheim Erstmals deutscher Bischof unter Missbrauchsverdacht

Bischof Heinrich Maria Janssen ARCHIV - Bischof Heinrich Maria Janssen legt am 08.09.1965 in der Neubausiedlung Neuböseckendorf am Ortsrand von Angerstein (Niedersachsen) eine verschlossene Röhre in den Grundstein für die Gedenkkirche der Siedlung. Janssen soll während seiner Amtszeit einen Jungen sexuell missbraucht haben. Foto: Hans Heckmann/dpa (zu lni ´Früherer Bischof Janssen soll Jungen missbraucht haben" vom 06.11.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)
  • Von Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre soll Heinrich Maria Janssen, der damalige Bischof von Hildesheim, einen Jungen missbraucht haben.
  • Das Opfer wandte sich im Frühjahr 2015 an die katholische Kirche.
  • Das Bistum ging nun nach einer konkreten Anfrage an die Öffentlichkeit. "Es wird ein Beben geben", sagte Weihbischof Bongartz.

Priester, Mönche, auch Nonnen und Erzieher - sexuelle Missbrauchsvorwürfe gegen Einrichtungen und Personen der katholischen Kirche gibt es schon lange. Erstmals in Deutschland sind sie nun auch gegen einen Bischof geäußert worden. Der ehemalige Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen soll während seiner Amtszeit einen Jungen sexuell missbraucht haben.

Das Bistum halte die Schilderung des Betroffenen für plausibel, teilte die Bischöfliche Pressestelle mit. Janssen, von 1957 bis 1982 Hildesheimer Bischof, war im Oktober 1988 im Alter von 80 Jahren gestorben. Der jetzige Bischof Norbert Trelle sei bestürzt darüber, "dass durch einen seiner Amtsvorgänger nach Aussage des Mannes diesem schweres Leid zugefügt worden sein soll".

Weihbischof rechnet mit "Beben im Bistum"

Dem Mann seien auf Empfehlung der zuständigen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz 10 000 Euro gezahlt worden, teilte das Bistum weiter mit. Das sei in etwa doppelt so viel, wie sonst in der Regel bei Missbrauchsfällen gezahlt wird. Die Forderung nach weiteren Zahlungen sei abgelehnt worden.

"Wir wissen, dass es in den kommenden Wochen ein Beben im Bistum geben wird", sagte der Hildesheimer Weihbischof Heinz-Günter Bongartz, laut der Hildesheimer Allgemeinen sprach er außerdem von einer "Phase der Trostlosigkeit".

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete, dass es sich bei dem Opfer um einen ehemaligen Messdiener handele, der erstmals im Alter von zehn Jahren missbraucht worden sei. Das Bistum wollte keine näheren Angaben zum Opfer machen. Der Mann wandte sich nach kirchlichen Angaben im Frühjahr 2015 mit der Bitte an das Bistum, die Vorwürfe, die sich auf den Zeitraum Ende der 50er bis Anfang der 60er Jahre beziehen, strikt vertraulich zu behandeln. Nach einer konkreten Spiegel-Anfrage entschloss sich das Bistum aber, den Fall öffentlich zu machen.

Janssen wurde nach seinem Tod von Papst Johannes Paul II gelobt

Weitere Vorwürfe gegen Janssen gebe es nicht. Laut Spiegel versicherte Bongartz dem Betroffenen per Brief, wie sehr er sich schäme, "dass Ihnen durch eine bischöfliche Autoritätsperson solches Unrecht zugefügt wurde". Der Betroffene habe angegeben, dass der Bischof ihn zwischen 1958 und 1963 regelmäßig durch Masturbation, Oral- und Analverkehr missbraucht habe, berichtete das Magazin.

Die Stadt würdigte seinerzeit das Wirken des Bischofs für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt, des Hildesheimer Doms und anderer kirchlicher Bauten. Ein Jahr vor seinem Tod war der vielfach ausgezeichnete Janssen im September 1987 Ehrenbürger von Hildesheim geworden. Papst Johannes Paul II. hatte nach dem Tod Janssens dessen Einsatz für die seelsorglichen und sozialen Belange der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge in der Bundesrepublik gelobt. Der aus Rindern bei Kleve stammende Geistliche war während seiner Amtszeit Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenenseelsorge. Die Diözese Hildesheim war seinerzeit kirchenrechtlich auch zuständig für sechs katholische Gemeinden in der DDR. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern.