Bischofssynode in Rom Der Papst will eine "Bekehrung des Papsttums"

Kein Getaufter dürfe sich über die anderen erheben, so Papst Franziskus.

(Foto: AP)
  • Der Papst will die Strukturen der katholischen Kirche offenbar grundlegend ändern.
  • Bischöfen und Gläubigen soll mehr Mitsprache ermöglicht werden.
  • Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nannte die Papstrede "historisch".
Von Matthias Drobinski

Papst Franziskus will die katholische Kirche weiter reformieren. Er wünscht, dass die Bischöfe der Welt und die Gläubigen stärker als bisher in der Kirche mitbestimmen. Dies bedeute auch eine "Bekehrung des Papsttums". Der Papst "steht nicht einsam über der Kirche, sondern in ihr, als Getaufter unter Getauften und als Bischof unter Bischöfen", sagte Franziskus anlässlich einer Feier zum 50-jährigen Bestehen der Bischofssynoden, die Papst Paul VI. 1965 als Beratungsgremium eingeführt hatte.

"Dieser Weg der Synodalität" sei der Weg, "den Gott von der Kirche im dritten Jahrtausend erwartet". Deshalb, so der Papst, habe er auch vor der derzeit stattfindenden Synode erstmals die Gläubigen befragen lassen. "Der synodale Weg beginnt hörend auf das Volk, das an der prophetischen Sendung Christi teilhat", sagte Franziskus.

Entscheidungen sollen nicht mehr an der Kirchenspitze getroffen werden

Die Ansprache gilt als programmatisch und als Zeichen dafür, dass der Papst aus Argentinien die Strukturen der katholischen Kirche grundlegend ändern möchte. Entscheidungen sollen möglichst nicht mehr an der Kirchengespitze getroffen und dann weltweit in den Bistümern und Gemeinden umgesetzt werden - der Weg soll künftig von unten nach oben gehen. Das Petrusamt sei Ausdruck der gottgewollten Einheit der Gläubigen, sagte Franziskus. Es sei jedoch ein dienendes Amt.

Kein Getaufter dürfe sich über die anderen erheben - "im Gegenteil, in der Kirche ist es notwendig, dass man sich ,erniedrigt', um den Brüdern auf dem Weg zu dienen". Ziel sei "eine Kirche des Hörens", sagte der Papst. "Das gläubige Gottesvolk, das Kollegium der Bischöfe, der Bischof von Rom: der eine hört auf den anderen, und gemeinsam hören sie auf den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit." Die Kirchenleitungen müssten "von den Menschen ausgehen, von den Problemen des Alltags".

Noch bis Samstag berät in Rom die Bischofssynode in einer zweiten Sitzungsphase, wie die katholische Kirche künftig über Ehe, Familie und Sexualität reden will. Indirekt unterstützt die Ansprache des Papstes dort diejenigen, die sich mehr Entscheidungsbefugnisse der Bischöfe und der Bischofskonferenzen bei Fragen der Seelsorge wünschen, zum Beispiel, wie mit wieder verheirateten Geschiedenen umgegangen wird oder mit Paaren, die ohne kirchliche Heirat zusammenleben.

"Gesunde Dezentralisierung"

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Ausdrücklich nennt Franziskus die Ortskirchen, die Gemeinden, Bistümer und nationalen Kirchen also, die "erste Ebene der Ausübung der Synodalität". Er wünsche die Stärkung der Bischofskonferenzen, die nach dem jetzigen Kirchenrecht Arbeitsgemeinschaften ohne Verbindlichkeit sind.

Reinhard Marx, der Münchner Kardinal und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, nannte in einer Stellungnahme die Papstrede "historisch" - vor allem, dass der Papst immer wieder von einer "synodalen Kirche" gesprochen habe, lasse aufhorchen. Dazu gehöre die Kollegialität der Bischöfe in Treue zur Tradition und "eine gesunde Dezentralisierung", bei der den nationalen Bischofskonferenzen eine besondere Rolle zukomme, sagte Marx.

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