Bischof Tebartz-van Elst Heimliche Fotos vom Limburger Prunkbau

Eigentlich wollte der umstrittene Bischof von Tebartz-van Elst dieses Wochenende die Flucht nach vorne antreten. In vielen Gemeinden ließ er einen Brief verlesen, in dem er Fehler zugibt und Reue zeigt. Doch gleichzeitig werden Bilder öffentlich, die die Verschwendung beim Bau seines Bischofssitzes dokumentieren.

Bischof Tebartz-van Elst: Unter Druck wegen Kostenexplosion beim Neubau seines Amtssitzes.

(Foto: dpa)

Extravagante Pläne, ständige Änderungen und eine Kostenexplosion: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war anscheinend bewusst, wie viel Sprengstoff der Neubau seines Bischofssitzes birgt. Gegen unerwünschte Einblicke von draußen war die Baustelle massiv abgeschirmt, strenge Sicherheitsmaßnahmen sollten Dokumentationen verhindern, Limburger, die den Bischofssitz fotografieren wollten, wurden von Wachmannschaften daran gehindert. Trotzdem ist es einigen Handwerkern gelungen, jede Phase des Baus auf Hunderten Fotos festzuhalten, wie der Spiegel nun berichtete.

Die Handwerker hatten sich demnach über ständige Änderungswünsche empört. So mussten sie betonierte Flächen wieder aufschneiden und auch andere bereits erfolgte Arbeiten rückgängig machen. Die Fotos zeigen, wie extrem aufwendig in die Tiefe gebaut wurde, um das repräsentative Objekt überhaupt realisieren zu können. "Auf unterirdische Gänge und Räumlichkeiten", so zitiert das Magazin einen am Bau Beteiligten, "hätte angesichts der vorhersehbar explodierenden Kosten eigentlich von vorneherein verzichtet werden müssen."

Tebartz-van Elst, der seit Monaten in seinem neuen Heim wohnt, kann derzeit immer noch keine Angaben über die Gesamtkosten machen. Den Anstieg auf mutmaßlich 15 bis 20 Millionen Euro, statt ursprünglich 5,5 Millionen, begründet sein Sprecher vor allem mit Anforderungen des Denkmalschutzes.

In einem Brief an die Gläubigen seines Bistums ist der Bischof dieses Wochenende auf seine Kritiker zugegangen. In dem Schreiben bat er alle Gläubigen seines Bistum um Vertrauen, räumte Fehler ein und appellierte: "Lassen Sie uns aufeinander zugehen!"

Der Brief wurde nach Einschätzung eines Bistumssprechers am Sonntag in vielen Gottesdiensten des Bistums vorgelesen. In dem Schreiben, das das Bistum auf seiner Seite im Internet veröffentlicht hat, heißt es weiter: "Manches, was in den letzten Wochen gesagt und geschrieben worden ist, hat mich verletzt. Anderes hat mich auch nachdenklich gemacht und dazu beigetragen, dass ich einige Entscheidungen heute mitunter in einem anderen Licht sehe. Rückblickend gibt es Dinge, die ich anders angehen würde."

Seit gut einer Woche ist ein offener Brief mit Kritik an Tebartz-van Elst im Umlauf. Bislang haben ihn mehrere hundert Menschen unterzeichnet. Erst am Freitag hatte der Bischof dem Kölner Domradio gesagt, er nehme die Kritik ernst. In seinem Brief an die Gläubigen schrieb er nun: "Auch ein Bischof ist nicht über jeden Zweifel erhaben und muss Kritik vertragen können, das ist wahr." Weiter heißt es: "Ich schätze Ihre skeptischen und kritischen Fragen. Aber mehr noch brauche ich Ihr Vertrauen. Wo nur noch Verdacht und Misstrauen regieren, kann keine christliche Gemeinschaft lebendig werden."