Wird er der erste First Gentleman in der US-Geschichte? Im Internet hat Bill Clinton seine Rolle gefunden - er muss den Mund halten.
Als Denis Thatcher, der Ehemann der für ihren eisernen Willen bekannten britischen Premierministerin Margaret Thatcher, einst gefragt wurde, wer zu Hause die Hosen anhabe, sagte er: "Das bin ich. Und ich wasche und bügle sie auch." Noch ist es eher zweifelhaft, ob sich auch Bill Clinton in Sarkasmus flüchten wird, sollte seine Frau zur ersten amerikanischen Präsidentin gewählt werden. Obwohl der Titel eines "First Gentleman" offiziell gar nicht existiert, wird in den USA bereits heftig über die Rolle diskutiert - und darüber, was es bedeutet, wenn im Falle eines Wahlsieges von Hillary Clinton ein Mann ins Weiße Haus einzieht, der sich dort wie kein Zweiter auskennt.
Im Schatten von Hillary: Ex-Präsident Bill Clinton müsste sich daran wohl erst noch gewöhnen. (© Foto: Reuters)
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Bill Clinton als First Gentleman, der fürs Dekorative zuständig ist - das können sich viele Amerikaner überhaupt nicht vorstellen. Gentle kann im Englischen mild, zahm, vornehm, aber auch sanftmütig und einfühlsam bedeuten, Eigenschaften, die der Ex-Präsident nicht unbedingt alle im Übermaß besitzt. Ein Mann, dessen "Hunger nach Aufmerksamkeit, Politik, Selbstbestätigung und öffentlicher Liebe" dermaßen ungeheuerlich sei, wäre als Anhängsel gänzlich überfordert, schreibt etwa CBS-Kommentator Dick Meyer.
Blumenschmuck und Tapeten?
Auch die Protokollchefs hätten wohl ihre Schwierigkeiten, den ehemaligen Oberbefehlshaber einer Supermacht bei Staatsbesuchen im Damenprogramm unterzubringen - gehobene Sightseeing-Touren mit Museumsdirektoren und Kaffeekränzchen mit netten Kulturbotschaftern sind wohl kaum nach dem Geschmack eines politischen Alphatiers. Andererseits ist es reizvoll, darüber zu spekulieren, was sich Merkel-Mann Joachim Sauer, die offizielle Sarkozy-Muse Carla Bruni und der selbstlos zurückstehende Bill Clinton am Rande des G-8-Gipfel 2009 so alles zu sagen hätten.
Natürlich führt der 42. Präsident der USA längst ein virtuelles Leben als Untermieter im Weißen Haus. An der Internetseite www.thefirstgentleman.org dürfte der Weltstaatsmann allerdings wenig Freude haben: Auf diesem Subportal einer feministischen Lobbygruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die erste Frau in der Geschichte der USA ins Weiße Haus zu befördern, spielt er nur noch eine Nebenrolle.
Er darf lächelnd für seine Frau Hillary werben, ansonsten ist er zum Stillschweigen verdammt. Ziemlich komisch wirken Amateurvideos, die Bill Clinton in bester Absicht als "First Man" präsentieren und ihn in eine Reihe neben Superman, Batman und Spiderman stellen. Ansonsten muss der 61-Jährige Hohn und Spott ertragen, weil ihm so recht keiner abnehmen will, dass er sich im Weißen Haus um Blumenschmuck und Tapeten kümmert.
Der Ex-Präsident selbst betont, dass er bereit sei, sich mit dem Rollenwechsel anzufreunden. "Ich hätte nichts dagegen, soziale Aufgaben zu übernehmen, wenn ich gefragt würde", sagt Clinton in Interviews, wobei der Konditionalsatz aufschlussreich ist. Mit seiner Stiftung, die sich für Aids-Kranke und globalen Umweltschutz einsetzt, könnte der Erste Ehemann der Nation sich sein eigenes Ressort schaffen, eine Art Ministerium für gute Werke. Als Fundraiser ist er ohnehin unübertroffen, während er als Hintermann im Schatten von Hillary Rodham Clinton noch üben müsste.
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(SZ vom 07.02.2008/cag)
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