Von Christoph Gröner

Franjo Pooth gerät ins Fadenkreuz von Presse und Ermittlern. Die Staatsanwaltschaft beschleunigt ihre Vorermittlungen zu einer möglichen Insolvenzverschleppung gegen den Ehemann von Verona Pooth.

Die Millionen-Pleite von Verona Pooths Ehemann sorgt weiter für Wirbel. Ein Bild-Bericht heizt jetzt Spekulationen um Unregelmäßigkeiten weiter an und sorgt sowohl bei der Stadtsparkasse Düsseldorf als auch bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Düsseldorf für Aufregung.

Bestechungs-Vorwürfe gegen Pooth

Erst einmal keine Zeit mehr zum Feiern: Verona und Franjo Pooth. (© Foto: ddp)

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Die Stadtsparkasse soll laut Bild-Informationen 9,2 Millionen Euro Kredit an Pooths Firma "Maxfield" gegeben haben. Aus der 14-Millionen-Euro-Pleite des Pooth-Unternehmens entstünde der Stadtsparkasse somit der größte Schaden unter allen Kreditgebern - was Finanzexperten stutzig macht.

Die Bild-Zeitung erhebt deshalb schwere Vorwürfe: Pooth soll mehrere Mitarbeiter der Bank bestochen haben. Dies gehe aus Firmenunterlagen von "Maxfield", Rechnungen und eidesstaatlichen Erklärungen hervor, so die Zeitung.

Demnach habe der Unternehmer mehrfach teure Flachbildfernseher gekauft und diese bei namhaften Vertretern der Bank installieren lassen. Laut einer eidesstattlichen Erklärung soll ein 3200-Euro-Fernseher in das Privathaus des Sparkassen-Chefs Heinz-Martin Humme geliefert worden sein. Sparkassen-Vorstand Karl-Heinz Stiegemann habe einen mittelgroßen und einen großen Flachbildschirm erhalten sowie ein Luxus-Feuerzeug im Wert von über 600 Euro. Dies gehe aus Rechnungen von Maxfield hervor, so berichtet Bild.

Zügige Arbeit wegen medialen Drucks

Zu den Vorwürfen will die Stadtsparkasse Düsseldorf am Mittwoch keine Stellung beziehen. Der zuständige Pressesprecher sei in einem Meeting, heißt es bei mehrfachen Anfragen von sueddeutsche.de. Erstaunlich für eine derartige Krisensituation: Die Öffentlichkeitsarbeit des Kreditinstituts ist stundenlang nicht erreichbar. Intern allerdings sorgen die Vorwürfe für Wirbel. Heute Mittag tagt der Hauptausschuss der Sparkasse, das Kontrollorgan der Geldinstituts. Die Kredite an Pooth stehen auf der Tagesordnung, berichtet Bild.

Auch bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf wird der Bericht des Blattes aufmerksam registriert. Noch am Dienstag hieß auf Anfrage von sueddeutsche.de, man prüfe routinemäßig, ob es Hinweise auf Insolvenzverschleppung gebe. Nur wenn sich dabei Verdachtsmomente etwa auf Insolvenzverschleppung ergäben, würde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Vorprüfung werde noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Zu sueddeutsche.de sagte Oberstaatsanwalt Arno Neukirchen nun, dass der Ablauf beschleunigt wird: "Wir werden wegen des medialen Drucks besonders zügig arbeiten und wohl Anfang nächster Woche die Abarbeitung abgeschlossen haben."

Neukirchen zur Berichterstattung: "Im Moment haben wir nicht mehr als einen Artikel in der Bild-Zeitung, den wir mit Interesse gelesen haben. Wir werden sehen, ob wir die Informationen verifizieren können."

Die eidesstaatlichen Erklärungen und Rechnungen liegen der Staatsanwaltschaft demnach nicht vor. "Wir haben mit der Bild-Zeitung Kontakt aufgenommen, sie sehen sich nicht in der Lage, uns das zu schicken." Die Informationen sollen nun "von anderer Stelle" bezogen werden.

Keine Interviews mit Franjo Pooth

Mit Herrn Pooth habe die Staatsanwaltschaft noch keinen Kontakt aufgenommen: "Dazu besteht bisher kein Anlass." Auch über Ausweitungen der Ermittlungen will Neukirchen nur spekulieren. "Man wird die Gesamtverhältnisse abklären müssen. Wenn die Stadtsparkasse Hauptkreditgeber ist, wird man sich darum kümmern müssen. Ob es dazu kommt, ist derzeit völlig unklar."

Franjo Pooth war auf Anfrage von sueddeutsche.de nicht zu erreichen. Er gäbe keine Interviews, heißt es aus seinem Büro.

Pooth hatte beim Düsseldorfer Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen, das vor allem MP3-Spieler verkauft hat, soll bis zu 14 Millionen Euro Schulden haben. Pooth hatte die Absicht bekräftigt, den Geschäftsbetrieb fortzusetzen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter war der Rechtsanwalt Michael Bremen bestellt worden.

Nach Angaben der Bild-Zeitung vom Dienstag hatte das Unternehmen bereits für das Geschäftsjahr 2006 einen Verlust von 4,6 Millionen Euro bei 26,3 Millionen Euro Umsatz ausgewiesen. Der Zeitung zufolge hat Pooth vor gut einem Monat bei einem Notar seine Vermögensverhältnisse offengelegt.

Danach besitzt der einstige Vorzeige-Unternehmer noch zwei Luxus-Armbanduhren und eine Wohnung in London. Dem stünden knapp 170 000 Euro privater Schulden gegenüber.

Die Hälfte des Grundstücks, auf dem er mit Ehefrau Verona eine Villa bauen wollte, habe er im vergangenen Jahr an seine Frau verkauft. Pooth hatte Maxfield 2003 gegründet, ein Jahr später heiratete der Unternehmer die Werbe-Ikone Verona Feldbusch.

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(sueddeutsche.de/dpa/AP/jüsc)