Bestätigung durch Glaubensgemeinschaft Mormonen-Gründer Smith hatte bis zu 40 Ehefrauen

Die Statue von Joseph und Emma Smith in Salt Lake City.

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  • Der Mormonen-Gründer Joseph Smith soll mit bis zu 40 Frauen verheiratet gewesen sein.
  • Ein Aufsatz, der auf der Webseite der Mormonen veröffentlicht wurde, kommt zu dem Schluss, dass viele der Frauen bereits mit anderen Männern verheiratet gewesen sein sollen.
  • Die Mormonen versuchen das Thema Polygamie derzeit mit größerer Offenheit anzugehen. Offiziell distanzierte sich die Glaubensgemeinschaft bereits im Jahr 1890 von der Vielehe.

Verheiratet mit 40 Frauen

Die Führung der Mormonen in den USA hat erstmals zugegeben, dass ihr Gründer Joseph Smith bis zu 40 Ehefrauen hatte. Das gab die "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" nach Angaben der New York Times in einer Serie von Aufsätzen bekannt, die auf der Webseite der Kirche veröffentlicht wurden.

Smith (1805-1844) galt bislang der mormonischen Kirchenlehre nach als treuer Ehemann seiner einzigen Ehefrau Emma, die er als "unerschrockene, beständige und unerschütterliche, unveränderliche, liebevolle" Frau beschrieb. Kritiker hatten schon lange darauf hingewiesen, dass Smith mit mehreren Frauen verheiratet gewesen sei.

Smith wollte den historischen Dokumenten zufolge eigentlich gar nicht so viele Frauen heiraten. Jedoch habe ein Engel, der ihm dreimal erschienen sei, genau dieses befohlen und ihm Gewalt und Zerstörung angedroht, wenn Smith die Gebote nicht vollständig beachte und umsetze.

Stürzt viele Anhänger in eine Krise: Der Gründer der Mormonen-Kirche Joseph Smith.

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Transparenzoffensive der Mormonen-Kirche

Die Kirche versuche, das Thema Polygamie derzeit mit größerer Offenheit anzugehen, sagte Richard L. Bushman, emeritierter Professor an der Columbia University und selbst Mormone. Viele Gläubige wussten bisher lediglich, dass Smiths Nachfolger Brigham Young Polygamie praktizierte. Offiziell distanzierte sich die Kirche bereits im Jahr 1890 von der Vielehe.

Die Nachricht ist für viele Anhänger der Glaubensrichtung ein großer Schock. Die Bloggerin Emily Jensen aus dem Bundesstaat Utah sagte der New York Times: "Joseph Smith wurde mir als praktisch perfekter Mormone präsentiert, und das gilt für eine Menge Leute. Dies ist nicht die Kirche, in der ich groß geworden bin, dies ist nicht der Joseph Smith, den ich liebe." Viele Anhänger seien sehr traurig und auch wütend auf den Mormonen-Gründer, so Jensen weiter.

Pikantes Detail

Aus den Aufsätzen geht jedoch nicht eindeutig hervor, ob es sich in allen Fällen um sexuelle Beziehungen handelte. Smith habe viele der Ehen wahrscheinlich nicht vollzogen. Vielmehr seien sie für die Ewigkeit geschlossen worden und sollten erst nach dem Tod in Kraft treten, heißt es in dem Aufsatz.

Seine jüngste Ehefrau heiratete Smith offenbar wenige Monate vor ihrem 15. Geburtstag. Die 14-jährige Helen Mar Kimball war die Tochter eines befreundeten Ehepaares. Über die Beziehung zu Smith sagte Kimball, die bis an ihr Lebensende als große Verfechterin der Polygamie galt, Überlieferungen nach, sie sei "für die Ewigkeit allein gemacht".

Besonders pikant für viele Anhänger: Viele der 30 bis 40 Frauen, die Smith heiratete, waren zum Zeitpunkt der Eheschließung schon mit anderen Männern verheiratet.

Seine Ehefrau Emma war ebenfalls nicht glücklich mit der Situation, die ihr Ehemann als Gottes Auftrag an ihn verstanden hatte. Sie empfand die polygame Ehe als "quälende Prüfung", heißt es in den Aufsätzen. Dennoch tolerierte sie offenbar, dass mindestens vier weitere Ehefrauen in ihrem Haushalt lebten. Vom wahren Ausmaß der Polygamie ihres Mannes soll sie jedoch nichts gewusst haben.

Emma Hale Smith empfand die Mehrehe ihres Mannes als "quälende Prüfung".

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Die erzkonservative "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" mit Sitz in Salt Lake City im Bundesstaat Utah hat weltweit mehr als zehn Millionen Mitglieder. Viele Mitglieder der Kirche haben in den USA einflussreiche Jobs und arbeiten in Politik und Wirtschaft. Zu ihren prominentesten Mitgliedern gehört der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney.