Von Von Christiane Kohl

Die Lider neu fixiert, Hals und Backen straffer, die Tränensäcke sind weg. Kurzum: Italiens Regierungschef ist nach seiner Schönheits-OP vom "Selfmademan" zum "remade- man" mutiert.

Rom - Vorher konnte er die Augendeckel kaum mehr richtig aufklappen, jetzt aber scheinen die Lider etwas asymmetrisch zu stehen: Das Urteil der Fachwelt über das Face-Lifting des italienischen Premiers Silvio Berlusconi klingt nicht enthusiastisch. Vier Wochen war Berlusconis Konterfei weder auf dem Bildschirm noch in Zeitungen erschienen - für einen Politiker eine schier endlose Zeit. Donnerstagabend zeigte sich Berlusconi in einer römischen Altstadtgasse, gleich fielen Reporter über ihn her.

Vorher-Nachher-Show: links Silvio Berlusconi vor der OP, rechts danach. (© Foto: dpa)

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Sichtbare Veränderungen

"Er fixiert sein Gegenüber ohne Lächeln - vielleicht kann er das noch nicht", beobachtete die römische Zeitung La Repubblica. Die Konkurrenz aus Mailand, des Corriere della Sera, staunte: "Wie viele Falten doch verschwunden sind." Aus nächster Nähe sei tatsächlich "ein Verjüngungseffekt" sichtbar. "Ich habe einen Schnitt gemacht", mühte sich der 67-Jährige vor laufenden Kameras, die Operation herunterzuspielen.

Indes ist in seiner Gesichtslandschaft unschwer zu erkennen, dass der Eingriff viel weitreichender war, als eingeräumt: Nicht nur die Lider wurden neu fixiert, auch Hals und Backen wirken straffer, die Tränensäcke sind weg, und fast scheint es, als hätte er an Schläfen- und Stirnpartie noch ein paar neue Haare bekommen. Kurzum: "Selfmademan" Berlusconi ist zum "remade- man" mutiert, wie die New York Times witzelt.

Streng geheime Operation

In einer Schweizer Klinik war die Operation zwischen den Jahren unter strengster Geheimhaltung vorgenommen worden. Schweizer Reporter, die den Polizeifunk abhören, hatten freilich bemerkt, wie der Premier mit einer Eskorte aus 20 Wagen die Grenze passierte und Kurs auf eine Klinik bei Lugano nahm. Zeitgleich waren Starmediziner aus Kalifornien eingeflogen worden, berichtet Espresso.

Das Ergebnis der Sternfahrt ins Reich der Schönheitschirurgie überzeugt die Fachleute aber nicht. "Mir scheint, da ist etwas nicht richtig gelaufen", urteilt Professor Nocolò Scuderi, Ordinarius für Plastische Chirurgie an der römischen Universität La Sapienza: "Es gibt eine ziemlich gewaltige Asymmetrie im Augenbereich." Tatsächlich sitzt das linke Lid jetzt etwas tiefer als sein Pendant . Als offizieller Grund waren bevorstehende Fotos genannt worden für Plakate zur Europawahl. Hätte man nicht, wie stets, auf retuschierte Bilder zurückgreifen können?

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(SZ v. 24./25.1.2004)