Berliner Polizei Praktikantin verschickt polizeiinterne Fahndungsfotos per Whatsapp

Die Berliner Polizeiakademie sieht sich derzeit vielen Vorwürfen ausgesetzt: Sie soll von arabischen Clans unterwandert werden.

(Foto: dpa)
  • Eine Verwaltungsstudentin hat in Berlin während eines Praktikums polizeiinterne Fahndungsfotos abfotografiert und per Whatsapp weiterverschickt.
  • Medienberichten zufolge soll es sich um Fahndungsfotos einer arabischen Großfamilie handeln. Die Studentin hat selbst einen arabischen Migrationshintergrund.
  • Der Vorfall reiht sich ein in aktuelle, anonyme Vorwürfe gegen die Berliner Polizeiakademie, wonach diese von arabischen Clans unterwandert werden soll.

Ein neuer Vorfall bei der Berliner Polizei befeuert die aktuelle Debatte um die Berliner Polizeianwärter. Am Wochenende waren anonyme Anschuldigungen bekannt geworden, wonach die Berliner Polizeiakademie von arabischen Clans unterwandert werde und es zunehmend disziplinarische Probleme und Gewalt unter den Polizeischülern mit Migrationshintergrund gebe. Die Polizei streitet die Vorwürfe ab. Nun soll eine Studentin der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) während eines Praktikums polizeiinterne Unterlagen fotografiert und sie in einer Whatsapp-Gruppe veröffentlicht haben.

Bei den Bildern handele es sich um Fahndungsfotos, die im Intranet der Polizei veröffentlicht waren, sowie um einen bundesweiten polizeiinternen Warnhinweis, teilte die Polizei mit. Medienberichten zufolge soll es sich um Fahndungsfotos einer arabischen Großfamilie handeln. Die 20-Jährige habe selbst einen arabischen Migrationshintergrund, teilte ein Sprecher der Polizei der SZ auf Anfrage mit. Sie sei auf eigenen Wunsch für ihr Praktikum auf den Polizeiabschnitt 41 in Schöneberg gekommen.

An der HWR wird unter anderem für den gehobenen Dienst bei der Polizei ausbildet. Die Studentin sei aber "keine Polizeischülerin", sagte eine Polizeisprecherin. Sie studiere in der Verwaltungslaufbahn. Nach Bekanntwerden der geheimen Aufnahmen leitete die Polizei nach eigenen Angaben am 20. Oktober ein Ermittlungsverfahren gegen die Studentin ein - und beendete das Praktikum.

"Niemand kann etwas belegen"

"Wir ermitteln wegen Verrats von Dienstgeheimnissen", sagte die Sprecherin. Details zu den verschickten Bildern wollte die Behörde nicht mitteilen, da es sich "um interne Ermittlungen der Polizei" handele, so die Sprecherin. Die Hochschule behält sich im Fall der 20-Jährigen weitere Prüfungen vor. Da sie mit ihrem Verhalten aber nicht gegen die Prüfungsordnung verstoßen habe, verliere sie nach dem derzeitigen Stand nicht ihren Studentenstatus, sagte eine Sprecherin. Gespräche mit der Studentin seien bereits geführt worden.

Der Berliner Polizeipräsident Klaus Kandt hatte erst am Mittwoch in einer Sitzung des Innenausschusses die aktuellen Vorwürfe gegen die Polizeiakademie zurückgewiesen. Vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses nannte er die Berichte über eine Unterwanderung durch arabische Clans "definitiv falsch". Kandt sagte dazu, dass es tatsächlich Bewerbungen aus arabischen Großfamilien für die Ausbildung an der Akademie gegeben habe, die seien aber nicht erfolgreich gewesen.

"Niemand kann etwas belegen", sagte Kandt zu den anonymen Vorwürfen und nannte den gesamten Vorgang "unerträglich". Er wurde darin von Innensenator Andreas Geisel (SPD) unterstützt, der sich ausdrücklich zu der Ausbildung von Polizisten mit Migrationshintergrund bekannte. Nach Angaben der Akademie-Leitung haben im aktuellen Jahrgang 45 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund.

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