Berlin Zehn Jahre in Tiefkühltruhe versteckt: Angeklagter streitet Mord an Rentner ab

In seiner Berliner Wohnung war die Leiche des Rentners Anfang Januar in der Tiefkühltruhe entdeckt worden.

(Foto: dpa)
  • Im Januar wird in einer Berliner Wohnung die Leiche eines Rentners gefunden. Er soll seit mehr als zehn Jahren tot sein.
  • Für den Mord muss sich ein 56-Jähriger vor dem Berliner Landgericht verantworten.
  • Er sagt in der Verhandlung aus, der Mann sei schon tot gewesen, als er ihn in dessen Wohnung fand.

Vor zehn Jahren soll der Mann einen Rentner getötet haben, die Leiche zerstückelt und in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt haben. Das mutmaßliche Motiv: Habgier. Darüber hat sich der Mann nach vier Monaten vor Gericht erstmals geäußert.

Anfang Januar fand die Polizei die Leiche des Rentners in einer Wohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Ein Nachbar hatte den alten Mann vermisst gemeldet. Offenbar war er seit 2006 nicht mehr gesehen worden.

Der 56-jährige Tatverdächtige, ein Trödelhändler, soll mehrere Jahre lang die Rente des Toten von dessen Konto abgehoben haben. Durch Videoaufnahmen einer Bank wurde er schließlich überführt. In welchem Verhältnis er zu dem toten Rentner stand, ist nicht abschließend geklärt.

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Nach vier Monaten Verhandlung äußert sich der Angeklagte zur Tat

Vor dem Landgericht Berlin sagte er aus, es habe ich bei dem Mann um einen Bekannten gehandelt. Sie seien für einige Zeit Nachbarn gewesen. Nach dem Tod seiner Frau 2006 habe der Rentner verstärkt Kontakt gesucht und in seiner Einsamkeit häufiger angerufen. "Er beauftragte mich auch mit kleineren Aufgaben", so der Angeklagte. Ende 2006 habe ihn der Witwer gebeten, sich über Weihnachten und Silvester um dessen Wohnung zu kümmern. "Er wollte wegfahren und gab mir Wohnungsschlüssel." Umgebracht habe er ihn aber nicht. Der 80-Jährige sei bereits tot gewesen, als er ihn am 28. Dezember in dessen Wohnung fand. "Er saß im Sessel, den Kopf zurückgelehnt, eine Wunde an der Stirn. Er war tot." Neben dem Sessel habe eine kleine Pistole gelegen. "Einen Abschiedsbrief fand ich nicht."

Ihm sei dann der Gedanke gekommen, den Tod zu verheimlichen und die Rente des Bekannten zu kassieren. Mit dem Geld habe er seine Spielsucht finanzieren wollen. Ich habe eine Tiefkühltruhe bestellt und bezahlt", sagte er. Weil die Leiche zu groß war, habe er sie zerteilt und im Eis versteckt. Um die Tat zu verdrängen, habe er noch mehr gespielt. Deshalb habe er jahrelang ein Doppelleben geführt.

Bei seiner Festnahme hatte die Polizei persönliche Gegenstände des Toten bei dem Tatverdächtigen gefunden. Er soll den Briefkasten des Rentners geleert haben und auch Rechnungen für ihn bezahlt haben.

Dem Angeklagten wird Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat zur Last gelegt. Der Anklageschrift zufolge soll er sich das Vertrauen des Witwers erschlichen und ihn dann erschossen haben.

Angeklagter könnte für weiteren Fall verantwortlich sein

Möglicherweise war es nicht der einzige Fall, in dem der Angeklagte Geld vom Konto einer vermissten Person abgehoben haben soll. Die Polizei verfolgt die Spur einer Frau, die heute 92 Jahre alt wäre.

Die Rentnerin Irma Kurowski lebte im selben Haus wie der 55-Jährige als sie vor mehr als 16 Jahren verschwand. 2002 wurde sie von ihrer Anschrift abgemeldet, der Tatverdächtige hatte aber weiterhin Zugriff auf ihr Bankkonto. Was mit der Frau passiert ist, hat die Polizei bislang nicht ermittelt.

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