Berlin Rentnerin stirbt nach Zwangsräumung ihrer Wohnung

Eine 67-jährige Seniorin ist zwei Tage nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung in Berlin verstorben. Ein soziales Bündnis erhebt harsche Vorwürfe.

Zwei Tage nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung in Berlin-Reinickendorf ist die Berliner Seniorin Rosemarie F. gestorben. Das teilten das Bündnis "Zwangsräumung verhindern" und die Initiative "Kälte Nothilfe" mit.

Die Berliner Polizei bestätigte, dass am Donnerstagabend die Leiche einer 67 Jahre alten Frau in einer Wohnung in Berlin-Wedding entdeckt worden sei. Es werde wegen "ungeklärter Todesursache" ermittelt, sagte eine Polizeisprecherin. Eine Obduktion der Leiche sei angeordnet.

In einer Wärmestube in Berlin habe die Schwerbehinderte nach der Zwangsräumung gewohnt, dort habe sie am Donnerstagvormittag nach Angaben eines Mitarbeiters über Übelkeit geklagt und sich mehrfach übergeben. Gegen Mittag hatte sich Rosemarie F. zum Schlafen hingelegt. Wie der Tagesspiegel berichtet, wurde Rosemarie F. am frühen Abend von einem anderen Bewohnern der Wärmestube tot aufgefunden. Sie soll Medienberichten zufolge Herzprobleme gehabt haben.

Das Bündnis gegen Zwangsräumung kritisierte das Vorgehen der Behörden: "Die Räumung wurde trotz eines ärztlichen Attests vollzogen, welches ihr die Unzumutbarkeit einer Räumung bescheinigte. Damit wurde ihr Tod zumindest billigend in Kauf genommen. Die Eigentümerin bestand trotz Mietübernahmeerklärung des Sozialamtes auf Herausgabe der Wohnung."

Zwangsräumung mit mehr als 140 Beamten

Für heute Abend ist eine Kundgebung vor dem ehemaligen Wohnhaus der Verstorbenen geplant. Die Wohnung der Seniorin in der Aroser Allee war am Dienstagmorgen geräumt worden. Die Frau soll ihre Miete nicht bezahlt haben. Zahlreiche Menschen hatten gegen die Zwangsräumung protestiert, die Polizei hatte die Maßnahme mit mehr als 140 Beamten abgesichert. Nach Polizeiangaben sei die Wohnung von der Gerichtsvollzieherin ohne Probleme an die Eigentümer übergeben worden. Die Mieterin sei nicht anwesend gewesen.

Bei einem ersten Räumungsversuch am 27. Februar hatten sich etwa 200 Aktivisten vor der Wohnung der Rentnerin versammelt, um die Zwangsmaßnahme zu verhindern. Damals hatte das Landgericht die Räumung der Wohnung per Gerichtsentscheid kurzfristig verhindert.