Die fieberhafte Suche hat ein Ende: Die Polizei hat Peter J. verhaftet. Er soll zwei Anschläge auf seine Familie verübt und dabei seine Nichte schwer verletzt haben.
Es war die größte Fahndungsaktion der Berliner Polizei seit fast 15 Jahren, doch sie fand ihr Ende durch einen Zufall: Am Samstagabend fiel Beamten der Bundespolizei ein Mann auf, der am Ostbahnhof bei den Gepäckschließfächern herumlungerte. Sie überprüften ihn - und stellten fest, dass sie Peter J. vor sich hatten, verkleidet mit einer schwarzen Perücke. Inzwischen soll der Mann die Tat gestanden haben, am Sonntag sei ihm der Haftbefehl verkündet worden.
Soll auf seine Nichte ein Attentat verübt haben: der mutmaßliche Briefkastenbomber Peter J. (© Foto: dpa)
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Der als "Bomber von Rudow" bundesweit gesuchte 32-Jährige steht unter dringendem Verdacht, seine Nichte Charlyn am 26. November mit einer Briefbombe lebensgefährlich verwundet zu haben. Die Zwölfjährige lag tagelang mit Verbrennungen und schweren Verletzungen ihres rechten Arms im künstlichen Koma; inzwischen ist ihr Zustand laut Ärzten stabil. Mit einem zweiten Sprengsatz hatte Peter J. am selben Tag offenbar seinen Schwager treffen wollen. Die Bombe, die er auf dessen Autodach befestigt hatte, war aber nicht detoniert.
Material für weitere Sprengsätze gefunden
Wegen des Verdachts auf zweifach versuchten Mordes hatte die Polizei seitdem fieberhaft nach Peter J. gesucht. Insgesamt 76 Hinweise aus der Bevölkerung waren eingegangen, mehr als hundert Beamte waren mit dem Fall beschäftigt. Der Polizeipräsident hatte eine Belohnung von bis zu 10.000 Euro ausgesetzt.
Mehrmals mussten Sondereinsatzkommandos ausrücken und Häuser, Casinos oder Bordelle stürmen, in denen J. angeblich gesichtet worden war. Zuletzt hatten Beamte am vergangenen Mittwoch auf einem Parkplatz im Bezirk Lichtenberg den Autoanhänger des 32-Jährigen entdeckt, in dem dieser offenbar Material für den Bau weiterer Sprengsätze gelagert hatte.
Bereits 50 Mal durch Straftaten aufgefallen
Auch am Tag von J.s Festnahme mussten Spezialisten der Polizei noch einmal ausrücken, um eine Bombe unter einem Altpapiercontainer im Bezirk Mitte zu entschärfen. Noch wollten die Ermittler nicht bestätigen, dass es sich bei diesem Fund um eine dritte von J. gebaute Bombe handele. Ebenfalls am Samstag wurde ein 20-Jähriger aus Peter J.s Umfeld festgenommen, der in die Tatvorbereitungen eingeweiht gewesen sein soll. Auch in seiner Wohnung fanden die Beamten "Utensilien, die zum Bau von Sprengsätzen geeignet sind". Wen genau J. damit treffen wollte, ist unklar.
Schon vor der Bombenserie und den Anschlägen auf seine Familie, war Peter J. Mann der Polizei bereits 50 Mal durch verschiedene Straftaten aufgefallen. Drei Mal saß er im Gefängnis - daher, so heißt es, soll er gute Kontakte und Möglichkeiten gehabt haben, seinen Fahndern zu entwischen. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte er sich in einer Hütte im Unterholz im Osten Berlins versteckt.
Bekennerschreiben an die Zeitung
Bei ihrer elf Tage langen Suche nach dem 32-Jährigen hatte die Polizei immer wieder auf dessen extreme Gewaltbereitschaft hingewiesen. Charlyns Familie wurde zeitweise unter Polizeischutz gestellt, auch bei ihren Operationen waren Polizisten anwesend. Weil die Fahnder davon ausgingen, dass J. auf der Flucht Sprengstoff mit sich führen und diesen bei seiner Entdeckung zünden könnte, waren alle Berliner Streifenpolizisten angewiesen, seine Festnahme einem Spezialeinsatzkommando zu überlassen.
Die Beamten, die ihn am Samstag verhafteten, waren dann allerdings Bundespolizisten, die zur Unterstützung ihrer Berliner Kollegen bei einem Neonazi-Aufmarsch in Lichtenberg nach Berlin gekommen waren. J. ließ sich widerstandslos festnehmen; er wurde noch am gleichen Abend der Mordkommission vorgeführt. Die Polizei sperrte kurzzeitig Teile des Ostbahnhofs, um nach weiteren Sprengsätzen zu suchen.
Warum Peter J. seine Familie angegriffen haben könnte, war lange unklar. Langjährige Streitigkeiten, hieß es immer wieder; dies bestätigte auch der mutmaßliche Täter in zwei Emails, die er in der Zeit der Fahndung an die Berliner Boulevardzeitung B.Z. schickte.
Darin bekannte er sich zu der Tat und erklärte, er sei als Pflegekind in der Familie von Charlyns Mutter aufgewachsen und dort schlecht behandelt worden. Dafür wolle er sich rächen. Noch am Tag seiner Festnahme ging bei der Zeitung eine Mail ein, in der Peter J. Charlyns Eltern beschuldigte, Drahtzieher eines Einbruchs in seine Wohnung zu sein. Auch Staatsanwalt Jörg Wetzel sagte, nach ersten Vernehmungen könne man davon ausgehen, dass das Tatmotiv im familiären Bereich liege. Es spreche auch einiges dafür, dass J. seine Tat langfristig vorbereitet habe.
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(SZ vom 8.12.2008/pfau)
Kapitalabzug aus Südeuropa
Es spricht auch einiges dafür, dass der Mann nicht ganz richtig im Kopf ist.