Belgischer Kindermörder Gericht berät über Dutroux' Haftentlassung

Die Medien bezeichneten ihn als "Monster" und "Psychopathen", jetzt hat Marc Dutroux seine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis beantragt. Der verurteilte Kindermörder und bekannteste Kriminelle Belgiens erschien persönlich zur Anhörung im Brüsseler Justizpalasts.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte belgische Mädchenmörder Marc Dutroux hat vor Gericht seine vorzeitige Haftentlassung beantragt. Er erschien an diesem Montag persönlich zu einer Anhörung im Brüsseler Justizpalast. Dutroux sei mit seinem Anwalt im Saal, sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur dpa. Die Öffentlichkeit war nicht zugelassen.

Für den 56-Jährigen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Metalldetektoren und 120 Beamte waren im Justizpalast im Einsatz. Mit einer Eskorte hatte die Polizei den Inhaftierten am Morgen aus dem Gefängnis von Nivelles die etwa 25 Kilometer nach Brüssel gebracht.

Schon im September hatte Dutroux schriftlich seine vorzeitige Freilassung mit elektronischer Fußfessel beantragt. Nach belgischem Recht ist es möglich, dass verurteilte Mörder einen Antrag auf Freilassung stellen, wenn sie ein Drittel der Strafe abgesessen haben. Im Fall Dutroux entspricht das 16 Jahren, diese wären genau am 30. April 2013 abgelaufen.

Nun beriet erstmals ein Gericht über den Antrag. Nach Gerichtsangaben sollte es am Montag keine Entscheidung über den Antrag geben. Der Richter hat zwei Wochen Zeit, sich zu äußern. Erst in einem zweiten Schritt könnte dann über eine mögliche Entlassung befunden werden.

Die "Affäre Dutroux" hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien erschüttert. Dutroux entführte sechs Mädchen, missbrauchte sie und folterte sie in einem geheimen Verlies seines Kellers. Vier von ihnen starben. 1996 wurde der Täter festgenommen, 2004 wurde er verurteilt.

Chancen auf Entlassung gehen gegen Null

Seine damalige Frau und Komplizin Michelle Martin kam im vergangenen Sommer unter Auflagen frei. Nach Ansicht von Experten sind die Chancen des verurteilten Mörders, in absehbarer Zukunft wieder auf freien Fuß zu kommen, gering.

Dutroux' Anwalt ist zuversichtlich, dass der Kindermörder die Bedingungen für eine vorzeitige und bedingte Entlassung aus dem Gefängnis erfüllen könnte. "Wir haben einiges, um die Kammer für Strafanwendungen in diesem Punkt zufriedenzustellen", sagte Pierre Deutsch der belgischen Zeitung La Libre Belgique.

Opferfamilien haben Boykott angekündigt

Dutroux muss für eine vorzeitige Entlassung mit einer elektronischen Fessel unter anderem ein mögliches Domizil und Mittel für den Unterhalt vorweisen sowie belegen, dass das Rückfallrisiko gering ist. Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom wollte sich im Fernsehsender RTL nicht zu den Chancen äußern: "Das ist Sache der Unabhängigkeit der Justiz."

Nach Angaben der Polizeigewerkschaft belaufen sich die Kosten für den Einsatz auf rund 50.000 Euro. Am Montag waren bei der Anhörung zwar Angehörige der Opfer zugelassen, viele hatten aber einen Boykott angekündigt. Die Opferfamilien werden üblicherweise zu den Auflagen bei einer vorzeitigen Haftentlassung angehört.