"Bekömmlich" Liebes Adjektiv, lebe wohl!

Diese zwei Bier mögen kühl sein und schmackhaft, "bekömmlich" aber nicht - sagt der BGH.

(Foto: Robert Haas)

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat jetzt entschieden: Deutsche Brauer dürfen nicht mehr mit dem Adjektiv "bekömmlichem" ihr Bier bewerben. Ansonst droht ihnen Ärger mit der Justiz. Eine Hommage.

Von Hermann Unterstöger

Das Adjektiv "bekömmlich" hört sich gerade für Jüngere so an, als sei es direkt mit den Buddenbrooks dahingegangen. "Und mein Roter zu vier Kurantmark konveniert dir also", sagt der Weinhändler C. F. Köppen bei Thomas Mann zu Konsul Buddenbrook, und er könnte statt "konveniert" auch "bekommt" sagen, womöglich sogar "bekömmt". Vorrangig hätte die Frage in jedem Fall darauf abgezielt, ob der Wein preislich und geschmacklich dem entspricht, was der alte Buddenbrook sich von ihm versprochen hat.

Eine dezidiert gesundheitsbezogene Auskunft wollte Köppen wohl nicht. Lebte er noch und würde seinen Rotspon als "bekömmlich" annoncieren, bekäme er Ärger mit der Justiz, die es jetzt einer Brauerei untersagt hat, ihr Bier als "bekömmlich" anzupreisen. Obwohl "bekömmlich" ja bereits von vielen dem Kreis jener Wörter zugezählt wird, die sich aus dem aktiven Sprachgeschehen peu à peu zurückziehen, um im mattglänzenden Zauberreich der abgesunkenen Wörter ihren Ruhestand zu verbringen, also im Kreis mit der "Ottomane", dem "Eidam" und der "Ucht(e)", von der kaum mehr die Ältesten wissen, dass einst in bestimmten Gegenden die Morgendämmerung so hieß.

Die Verengung von "bekömmlich" auf die gesundheitliche Wirkung eines Produkts geht, bei allem Respekt vor Justiz und Wettbewerbswächtern, an der breiteren Bedeutung dieses Worts vorbei. In Grimms Deutschem Wörterbuch wird es mit "bequemlich" gleichgesetzt, lustigerweise unter Rückgriff auf ein Zitat, das den Päpsten unterstellt, sie hätten vorzeiten Marksteine "auf ihnen bekömmliche Weise" verrückt. Das mag diesen Päpsten zwar geschmeckt und auf eine irgendwie gesundheitsfördernde Art behagt haben, tatsächlich wird es aber eher ihrem geschäftlichen Vorteil gedient haben.

Der gesundheitliche Aspekt ist indes nicht zu verleugnen. Man muss nur auf "bekommen" zurückgreifen, das so viel wie - auch so alte Wörter - "gedeihen" oder "anschlagen" bedeutet. "Solche Vermahnung", sagt Simplicissimus, "bekam mir wie dem Hund das Gras." Den Kern der Sache haben wir, sei's beim Bier, sei's beim Roten, in dem alten Spruch "Wohl bekomm's!"