Beihilfe zum Mord Vater von getöteter Arzu Ö. zu langer Haftstrafe verurteilt

Er soll seine fünf erwachsenen Kinder nicht vom Mord an ihrer Schwester abgehalten haben: Das Landgericht Detmold hat Fendi Ö. zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 53-Jährige hatte eine Beteiligung an der Tat bis zum Schluss abgestritten.

Der Prozess gegen den Vater der ermordeten Kurdin Arzu Ö. ist mit einer langjährigen Haftstrafe für den Vater des Opfers zu Ende gegangen. Das Landgericht Detmold verurteilte den 53-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord, Freiheitsberaubung und Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Gefängnis.

Die Anklage hatte Fendi Ö. vorgeworfen, seine fünf erwachsenen Kinder zum Mord an ihrer Schwester angestiftet zu haben, um dadurch einen "vermeintlich erlittenen Ehr- und Gesichtsverlust" wiedergutzumachen. Die Verteidigung hatte dagegen für eine Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung plädiert, da es für eine Anstiftung oder Beihilfe zum Mord keinen Beweis gegeben habe. Der Beschuldigte selbst hatte zwar zugegeben, Arzu geschlagen zu haben, eine Anstiftung zum Mord bestritt er dagegen bis zum Schluss.

Der Verurteilte war bis zur Urteilsverkündung auf freiem Fuß. Er wurde noch im Gerichtssaal verhaftet. Richter Michael Reineke begründete das Urteil mit den Worten, die ursprünglich vorgeworfene Anstiftung zum Mord sei nicht bewiesen, "der Rest ist aber schlimm genug." Die Verteidigung kündigte Revision an.

Die Familie, die zur kurdischen Volksgruppe der Jesiden gehört, soll Arzus Beziehung zu einem Deutschen nicht toleriert haben. Jesiden vertreten eine Glaubensrichtung, in der Beziehungen zu Andersgläubigen streng verboten sind. Laut Staatsanwaltschaft soll Fendi Ö. seine Tochter deshalb wiederholt geschlagen haben. Zudem soll er ihr mit weiteren Konsequenzen gedroht haben.

Arzu flüchtete zunächst aus ihrem Elternhaus. Als sie von ihrer Familie aufgespürt wurde, soll der Vater seine anderen Kinder aufgefordert haben, die junge Frau zu töten. Am 1. November 2011 wurde die 18-Jährige von ihren Geschwistern aus der Wohnung ihres Freundes in Detmold entführt. Ihre Leiche wurde erst Mitte Januar bei Hamburg gefunden.

Die vier Brüder und eine Schwester sind in einem getrennten Verfahren bereits zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Bruder Osman Ö. hat gestanden, Arzu erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft ging von einer Tat aus vermeintlich "ehrbezogenen Motiven" aus.

Richter Reineke kündigte an, dass sich nun auch die Mutter Arzus vor Gericht verantworten muss. Ihr wird Körperverletzung vorgeworfen.