BBC-Moderator Jimmy Savile Missbrauchsvorwürfe gegen Fernseh-Legende

Mit "Top of the Pops" wurde er berühmt, mit "Jim'll fix it" half er Kindern, ihre Träume zu erfüllen. Doch ein Jahr nach seinem Tod ist von dem strahlenden Image des britischen TV-Moderators Jimmy Savile nicht mehr viel übrig: Über Jahrzehnte soll er Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben.

Von Christian Zaschke, London

Sir Jimmy Savile - hier auf einem Archivbild von 2008 - steht im Verdacht über Jahrzehnte hinweg Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht zu haben. Der TV-Moderator verstarb vor einem Jahr.

(Foto: AP)

Auch am Freitag kamen wieder neue, erschreckende Vorwürfe gegen Jimmy Savile ans Licht. Der Radiosender BBC Leeds zitiert eine Zeugin, die berichtet, der frühere BBC-Moderator Savile habe in den Siebzigerjahren ein zwölfjähriges Mädchen in einem Kinderheim sexuell missbraucht. Seit der britische Fernsehsender ITV vor knapp zwei Wochen darüber berichtet hat, dass der vor einem Jahr verstorbene Savile mindestens zehn, teils minderjährige Frauen sexuell belästigt haben soll, tauchen nahezu täglich neue Anschuldigungen gegen den Moderator und Entertainer auf. Die Polizei hat umfangreiche Ermittlungen aufgenommen.

Weite Teile der britischen Öffentlichkeit sind erschüttert, weil Savile enorm beliebt war. Er galt als schrulliges Original mit großem Herzen. Bekannt wurde er als Moderator der legendären Musiksendung "Top of the Pops". In der Sendereihe "Jim'll fix it" (Jim kriegt's hin) sorgte er dafür, dass Kinder sich ihre Träume erfüllen konnten. Offenbar missbrauchte er aber auch jahrzehntelang Kinder und Teenager.

Die große Frage ist, wie Saviles Tun so lange nicht bekannt wurde. Auch dieser Frage geht die Polizei nun nach. Die BBC hat am Freitag angekündigt, intern Fragen stellen zu wollen. Vor einem Jahr hatte der Sender einen Beitrag, in dem mehrere Frauen angeben, als Teenager von Savile missbraucht worden zu sein, "aus redaktionellen Gründen" aus dem Programm genommen. Nun muss sich die BBC die Frage gefallen lassen, ob sie ihre Ikone habe schützen wollen und deshalb die Vorwürfe verschwieg.

Savile blieb zeitlebens unverheiratet und kinderlos. Zu seinen Markenzeichen gehörten glänzende Trainingsanzüge, protziger Schmuck, dicke Zigarren und allerlei Sprüche. Als er im vergangenen Jahr im Alter von 84 Jahren starb, begleiteten tausende Menschen den goldenen Sarg auf den Friedhof von Scarborough. Rund 40 Millionen Pfund soll Savile für wohltätige Zwecke gesammelt haben. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde er 1990 zum Ritter geschlagen.

Schwere Vorwürfe von Patientinnen

Besonders für Krankenhäuser engagierte er sich. Und von Patienten aus diesen Krankenhäusern kommen nun die erschütterndsten Vorwürfe: Mehrere Frauen berichten, Savile habe sie vergewaltigt. Zudem soll er sich an gelähmten und geistig behinderten Mädchen vergangen haben. Auch in seiner Umkleidekabine in den BBC-Studios soll er regelmäßig Mädchen sexuell belästigt haben. Ein ehemaliger BBC-Regisseur teilte am Freitag mit, er habe seine Vorgesetzten damals auf die Vorgänge aufmerksam gemacht. Doch habe das einfach niemand hören wollen.

Saviles Taten waren offenbar ein offenes Geheimnis. Immer wieder gab es im Lauf der Jahrzehnte Warnungen, immer wieder wurden sie ignoriert. Savile selbst hat einmal erzählt, seine Aussage, er könne Kinder eigentlich nicht leiden, habe er nur getätigt, um die Boulevardpresse von der Spur abzubringen. Wo auf dem Friedhof von Scarborough Saviles riesiger Grabstein stand, ist jetzt nur noch ein wenig lockeres Erdreich zu sehen. Seine Verwandten haben den Stein in dieser Woche entfernen und zerstören lassen. Das Grab soll namenlos bleiben.