Bangladesch Mehr als 500 Tote nach Fabrikeinsturz geborgen

Menschen halten Bilder ihrer in dem kollabierten Gebäude vermissten Angehörigen in Savar bei Bangladesch

(Foto: REUTERS)

Die Zahl der Toten steigt noch immer, doch der Alltag in Bangladesch geht weiter. Nach dem Einsturz einer Textilfabrik und tagelangen Streiks haben alle Fabriken wieder geöffnet. Nun wird Kritik am TÜV Rheinland laut - deutsche Prüfer waren noch 2012 in dem Gebäude.

Neun Tage nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch ist die Zahl der Toten auf mehr als 500 gestiegen, Bergungskräfte fanden in den Trümmern des Gebäudes in der Stadt Savar weitere 41 Leichen. Nach Angaben des Sprechers der Bergungsoperation wurden bislang 501 Tote aus den Trümmern geborgen - und die Opferzahl dürfte weiter steigen: 149 Menschen werden noch vermisst.

Millionen Arbeiter kehrten am Donnerstag in die Fabriken rund um die Hauptstadt Dhaka zurück. "Alle Fabriken haben heute wieder geöffnet, und die Arbeiter sind zur Arbeit gegangen", sagte der Vizepräsident des Textilarbeitgeberverbands, Shahidullah Azim. In den mehr als 4500 Textilfabriken des südasiatischen Landes hatten Arbeiter aus Protest gegen ihre Arbeitsbedingungen gestreikt: Zehntausende waren auf die Straßen von Dhaka gegangen und hatten die Hinrichtung der Besitzer der fünf Betriebe, die in dem eingestürzten Haus untergebracht waren, gefordert.

Mittlerweile wurden sieben Menschen wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung festgenommen. Unter ihnen sind der Besitzer des eingestürzten Gebäudes "Rana Plaza" und mehrere Ingenieure. Arbeiter hatten nach dem Unglück berichtet, das Gebäude sei nach der Entdeckung von Rissen am Vortag evakuiert worden, doch seien sie zur Rückkehr gezwungen worden.

Die Behörden suspendierten am Donnerstag den Bürgermeister von Savar, Mohammad Refayet Ullah, weil er den Bau des Gebäudes genehmigt hatte und nach Bekanntwerden der Schäden nicht die Schließung anordnete.

Kritik am TÜV Rheinland

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und Handelskommissar Karel De Gucht kündigten an, europäische Unternehmen zu Beratungen über die Sicherheitsstandards in den Fabriken in Bangladesch einzuberufen. Ein Kommissionssprecher sagte in Brüssel, die Angelegenheit sei "dringend". Ein Datum stand demnach noch nicht fest.

In der Textilindustrie, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des verarmten Landes, sind drei Millionen Menschen beschäftigt. Viele von ihnen verdienen weniger als 30 Euro im Monat. Arbeitsrechtler erhoben Vorwürfe gegen den Textil-Discounter Kik. "Es zeichnet sich ab, dass Kik innerhalb von nur acht Monaten ein drittes Mal in ein schweres Unglück in einer Textilfabrik involviert ist", heißt es in einer Mitteilung der "Kampagne für Saubere Kleidung". Das kritisierte Unternehmen wies jegliche Verantwortung an dem Unglück zurück. Seit 2008 hätten keine "direkten Geschäftsbeziehungen" zwischen Kik und den im "Rana Plaza" ansässigen Lieferanten mehr bestanden.

Auch am TÜV Rheinland übte die "Kampagne für Saubere Kleidung" Kritik: Dessen Prüfer hätten eine der Textilfabriken in dem eingestürzten Haus in den Jahren 2011 und 2012 vier Mal untersucht, dabei aber keine Baumängel festgestellt. Der TÜV Rheinland räumte zwar die Überprüfung zweier Fabriken ein - allerdings seien diese nicht auf Baumängel, sondern "soziale und ethische Kriterien der Arbeitsgestaltung" untersucht worden, heißt es in einer offziellen Stellungnahme.