Selbstüberschätzung, Alkohol oder Unerfahrenheit: Allein an diesem Wochenende starben in Deutschland zwölf Menschen bei Badeunfällen. Besonders gefährdet sind junge Männer.
Allein am Wochenende seien rund ein Dutzend Menschen - darunter auch Kinder - beim Baden ertrunken, berichtet die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Sie rechnet mit einer höheren Zahl von Badetoten als im kühleren Sommer 2005.
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Suche nach einem acht Jahre alten Mädchen in Berlin-Tegel. Tage später wird die Leiche des Kindes geborgen. (© Foto: dpa)
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Auch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) kennt die Schattenseiten des Badevergnügens und schlägt Alarm. Allein im Juli mussten in der MHH acht Menschen mit Verletzungen der Halswirbelsäule behandelt werden. Das sind so viele wie in den Jahren 2001 bis 2005 zusammen.
"Der Leichtsinn der meist jungen Männer ist kaum noch zu überbieten", sagte Chefarzt Professor Christian Krettek. "Derart schwere Verletzungen der Halswirbelsäule ziehen zumeist eine Querschnittlähmung und ein Leben im Rollstuhl nach sich."
Bis Ende Juni dieses Jahres ertranken nach vorläufigen DLRG-Zahlen rund 300 Menschen in Deutschland, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 233. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland laut DLRG 477 Menschen ertrunken. Im extrem heißen Sommer 2003 hatte es 644 Badetote gegeben.
Die größten Gefahren lauern dabei in unbewachten Gewässern wie Flüssen und Baggerseen. Dabei haben sich die Menschen gerade auch die Flüsse wie Elbe und Rhein auf Grund der besseren Wasserqualität zurückerobert.
Dabei werden die teils sehr hohe Fließgeschwindigkeit und die Strömungen oft nicht richtig eingeschätzt, sagte der Sprecher der DLRG, Martin Janssen.
Außerdem können zunehmend mehr Kinder gar nicht schwimmen - heute sind es laut DLRG fast zwei Drittel der Fünf- bis Zehnjährigen. Vor allem bei der Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen hatte es im vergangenen Jahr einen Anstieg um mehr als 50 Prozent gegeben.
Bundesweit kamen 63 Menschen zwischen sechs und 20 Jahren ums Leben. Auch in der Gluthitze der vergangenen Tagen endeten zahlreiche Badeausflüge von Kindern dramatisch: In der Ostsee vor Schleswig-Holstein und in einem Badesee ertranken zwei fünfjährige Jungen.
Ältere Menschen hätten vor allem mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Sie überschätzten mitunter ihre Leistungsfähigkeit, sagte Janssen. "Wenn dann noch Herz-Kreislauf-Schädigungen dazukommen, wird das zu einem gefährlichen Cocktail." Die Körpertemperatur sollte immer langsam ans kühlere Wasser angepasst werden.
Jüngere Leute, die oft in Cliquen an Badeseen feierten, werfen aber schon mal alle Vorsicht über Bord und springen kopfüber ins flache Wasser. Häufig sei Alkohol im Spiel, der die Hemmschwelle für waghalsige Aktionen sinken lasse, sagt Unfallchirurg Professor Krettek. Allein am vergangenen Wochenende waren nach Bade-Unfällen vier junge Männer mit Halswirbel- Verletzungen dorthin gebracht worden.
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(dpa)
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