Badesaison Freibäder wollen Fotoverbot rigoros durchsetzen

Als Knipsen noch etwas Unverdächtiges war: Der dreijährige französische Kinderschauspieler Gilou Pelletier nimmt 1966 in Cannes die Schauspielerin Yveline Arnaud ins Visier.

(Foto: imago)
  • In vielen Freibädern in Deutschland gelten in diesem Sommer strenge Fotografierverbote.
  • Vom großen Interesse der Freibäder an Kamera-Aufklebern sind selbst die Hersteller überrascht.
  • Bei Müttern, Vätern und manchen Hobbyfotografen stoßen die Einschränkungen auf Widerspruch.
Von Susanne Höll

Nur die ganz robusten Zeitgenossen waren in diesem Beinahe-Frühling schon im Freibad. Nun aber wird es langsam wärmer, auch mit dem Regen müsste doch irgendwann mal Schluss sein, und wer dann baden geht, wird hier und dort feststellen, dass eine bislang weitgehend unbeachtete Regel jetzt rigoros durchgesetzt werden soll. Die Regel lautet: Fotografieren verboten.

Im Offenbacher Waldschwimmbad etwa haben Gäste nun die Wahl - entweder bleibt das Smartphone in der Tasche, oder die Kameralinse wird mit einem Siegel verklebt. Wer sich nicht fügt, bekommt es mit der Aufsicht zu tun und fliegt raus. Die Hausherren begründen die Vorschrift mit dem Schutz der Gäste, insbesondere der Kinder. Inzwischen seien etliche Smartphones wasserfest, und die Jugendlichen gingen mit den Geräten in die Becken und filmten, sagt Badleiter André Kühner. Besonders am Planschbeckenrand werde intensiv kontrolliert. Es ist, wie Kühner sagt, allerdings eine Präventionsmaßnahme: "Bei uns hat es bislang keine skandalösen Vorfälle gegeben."

Klebe-Tattoos gegen sexuelle Belästigung in Schwimmbädern

"Mein Körper gehört mir!" - das sollen Jugendliche im Bodenseekreis durch Abziehbildchen und einen Comic lernen. Die Aufklärung sei wichtig, sagt die Organisatorin, auch wenn es zum Glück keinen aktuellen Anlass für die Aktion gebe. mehr ...

Auch in Freibädern anderer Bundesländer gelten seit Kurzem strenge Knipsverbote. Das auf Anti-Spionage-Vorkehrungen spezialisierte baden-württembergische Unternehmen "Lens Seal" verkaufte bereits Kamera-Aufkleber an rund ein Dutzend Bäder in ganz Deutschland. Die Betriebe, sagt der Geschäftsführer Holger Ditzel, hätten 2016 schon angefragt, im Sommer 2017 kommen die Aufkleber zur Anwendung. Ditzel sagt auch: Er war von dem Interesse überrascht.

Die Foto-Einschränkungen sind im Prinzip keine neue Sache. In den allermeisten Badeordnungen der Städte findet sich der Satz, dass Aufnahmen von Dritten ohne deren Erlaubnis unzulässig sind. Dieser Hinweis ist sozusagen eine Selbstverständlichkeit: Niemand darf in der Öffentlichkeit ohne seine Zustimmung abgelichtet werden, Kinder sind sowieso tabu. Lediglich für Prominente gelten etwas weniger strenge Regeln. Weil die halbe Welt sich aber mittlerweile permanent und mit kaum zu bremsender Begeisterung selbst ablichtet, gewinnt der Umgang mit dem Fotografier-Verbot an Bedeutung - und Schwimmbäder sind nun mal spezielle Orte.

Es geht nicht ausschließlich um das Baden selbst, das Sehen und Gesehenwerden gehört zwangsläufig mit dazu, in einer Umgebung, in der die Besucher ihren Leib nur spärlich bedecken. Und, auch das, Kleinkinder oft nur Sonnenhütchen tragen - die Vorstellung, dass sich Aufnahmen davon ungewollt elektronisch verbreiten, womöglich gar in Pädophilen-Kreise gelangen, verschreckt nicht nur Eltern.

Ist das hysterisch? Übervorsichtig? Oder doch notwendig?

Der von der Bundesregierung ernannte Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, sagt: Zwar müsse ein Familienfoto im Schwimmbad möglich sein, unerwünschte Aufnahmen müssten jedoch tatsächlich unterbunden werden. "Dazu gehört auch die Information, dass das Badepersonal bei Übertretungen ansprechbar ist und auch weiß, was zu tun ist", sagt Rörig.