Fatale Fehler: Drei Angeklagte müssen sich von heute an im Prozess um den Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Mit Unschuldsbeteuerungen der drei angeklagten Bauingenieure und Architekten hat am Montag der Prozess um den Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall begonnen. Sie müssen sich wegen fahrlässiger Tötung von 15 Menschen vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
Die Eissporthalle in Bad Reichenhall: Luftfeuchtigkeit und Regenwasser beschädigten die fehlerhaft geplante Dachkonstruktion aus Holz. (© Foto: AP)
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Auf der Anklagebank sollten eigentlich vier Männer sitzen, der ehemalige Leiter der Hochbauabteilung der Stadt Reichenhall ist aber wegen einer Krebserkrankung verhandlungsunfähig. Das Verfahren gegen ihn wurde abgetrennt.
Das Dach der Eishalle war am 2. Januar 2006 wenige Minuten vor Betriebsschluss eingestürzt. Die tonnenschweren Trümmer erschlugen zwölf Kinder und drei Frauen und verletzten insgesamt 36 Menschen.
Die Anklage wirft den Bauverantwortlichen und Prüfern eine haarsträubende Kette von Pfusch und Schlamperei vor. Wenn auch nur einer der vier Angeklagten seine Pflichten erfüllt hätte, wäre das Unglück vermieden worden, sagte Oberstaatsanwalt Günther Hammerdinger. Viele Familienangehörige brachen in Tränen aus, als er die Namen, Alter und genauen Verletzungen und Todesursachen aller Opfer verlas.
Der Bauingenieur Walter G. Soll laut Anklage die hölzernen Dachträger unzulässig konstruiert, ihre Tragkraft falsch berechnet und die vorgeschriebene Prüfung der Statik vergessen haben. Der aufsichtführende Architekt Horst P. Und der damalige Chef des Hochbauamts von Bad Reichenhall, Rolf R., Hätten das Dach auch ohne geprüfte Statik bauen lassen und auch später nicht reagiert, als ein anderer Ingenieur sie ausdrücklich darauf hingewiesen habe.
"Ich jedenfalls bin nicht schuld"
Bei einer Kontrolle im Jahr 2003 habe der beauftragte Bauingenieur und Statiker Rüdiger S. Die Unterlagen nicht geprüft, bei einer sehr oberflächlichen Inspektion gefährliche Risse und Auflösungen des Leims übersehen und den Trägern einen guten Zustand bescheinigt: Einzelne Wasserflecken hätten "weder auf die Qualität noch auf die Tragfähigkeit des Tragwerks Einfluss", sagte Hammerdinger. Er habe nicht einmal gemerkt, dass die Hauptträger Hohlkästen waren.
Rüdiger S. Und Horst P. Warfen der Stadt Bad Reichenhall die Hauptschuld vor. Architekt P. Sagte: "Ich sitze hier als völlig Unschuldiger auf der Anklagebank." Er sei damals Berufsanfänger gewesen, die Prüfbehörde habe versagt. "Ich jedenfalls bin an dieser Tragödie nicht schuld!" Prüfstatiker Rüdiger S. Sah sich höchstens als Bauernopfer. "Das natürliche Rechtsempfinden rebelliert, wenn nicht ein einziger Verantwortlicher der Stadt zur Rechenschaft gezogen wird", sagte sein Anwalt Rolf Krüger. Sie trage als Bauherr, Aufsichtsbehörde und Betreiber der Halle die größte Verantwortung.
Als Einziger räumte der Planer und Montageleiter des Hallendachs Walter G. Einen einzigen Fehler bei der Berechnung ein und zeigte Reue. Aber der ursprünglich mitangeklagte, vor kurzem verstorbene Zimmerer habe entgegen seinen Anweisungen den falschen Leim verwendet und das Bauwerk durch gezinkte Verbindungen geschwächt.
Außerdem habe er die Statik seiner Erinnerung nach einem Prüfer vorgelegt. "Ich hätte kritischer sein müssen", sagte der 67-Jährige. Er ist nach Angaben des Gerichts wegen Suizidgefahr seit einigen Wochen in einer Klinik.
Robert Schmidbauer, der bei dem Einsturz seine acht und elf Jahre alten Töchter Marina und Christina verlor, sagte, die Unschuldbehauptungen machten ihn "fassungslos". Er erhoffe Verurteilungen, "auch, damit so was nie wieder passieren kann".
"Wenn bei 15 Toten keine Freiheitsstrafe rauskommt, wann dann?", Sagte er. Seine Frau Dagmar, bei dem Einsturz schwer verletzt wurde, sagte, sie wolle, dass die Angeklagten "mir in die Augen sehen müssen". Bis zur geplanten Urteilsverkündung am 24. April will das Gericht 40 Zeugen vernehmen.
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(AP/mmk)
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