Auswirkungen des Skandals um Tebartz-van Elst Kirchenaustritte drastisch gestiegen

Eine Frau drückt eine Wartenummer für den Antrag auf den Austritt aus der Kirche beim Amtsgericht Köln.

In Deutschland treten mehr Menschen als sonst aus der Kirche aus und geben häufig den Skandal um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst als Grund an. Manche Bistümer verzeichnen dreimal so viele Austritte wie üblich. Dabei differenzieren die Austrittswilligen kaum - auch nicht zwischen den Konfessionen.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich auf Anweisung von Papst Franziskus in ein Kloster im niederbayerischen Metten zurückgezogen. Doch die Auswirkungen des Skandals um den Geistlichen und seinen mehr als 31 Millionen Euro teuren Bischofssitz schlagen sich jetzt auch in konkreten Zahlen nieder: In Deutschland treten aktuell mehr Menschen als üblich aus der katholischen Kirche aus. Auch die evangelische Kirche ist betroffen. Experten in verschiedenen Bistümern sprechen bereits vom "Tebartz-Effekt".

So habe es zahlreiche Rückmeldungen gegeben, dass die Affäre um Bischof Tebartz-van Elst der Anlass für Kirchenaustritte war, sagte der Sprecher des Bistums Trier, André Uzulis, der Nachrichtenagentur dpa. Das bestätigte auch die Presseprecherin des Katholischen Gemeindeverbands Bremen, Martina Höhns. Hart sei diese Reaktion insbesondere für die engagierten Mitarbeiter in den Gemeinden und auch für die Priester und Ordensfrauen. "Sie sehen, dass wegen so einer Sache die Leute reihenweise austreten. Da sind schon Tränen geflossen", sagte Höhns. Es zeige sich, dass bei Austritten die Menschen nicht differenzierten zwischen Vorgängen in Limburg und ihrer eigenen Stadt, sagte Höhns. Diejenigen, die austreten, seien diejenigen, die schon seit längerer Zeit große Distanz zur Kirche hätten: "Dann ist eine Sache, über die man sich ärgert, der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt."

In der Stadt Osnabrück lassen sich ähnliche Reaktionen beobachten: Hier verdoppelte sich die Zahl der Kirchenaustritte im vergangenen Monat, sagte die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, Karin Heinrich. Und auch hier hätten die Bürger als Grund ihrer Austritte die Vorgänge im Bistum Limburg angegeben.

1250 Austritte in München

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Stichprobenartige Untersuchungen des WDR hatten ergeben, dass sich die Zahl der Kirchenaustritte in Nordrhein-Westfalen im Oktober im Vergleich zum Vormonat verdoppelt und teils verdreifacht haben. Die Austritte seien ein "ernster Anruf" an die Kirche, mit ihren Finanzen transparent und verantwortlich umzugehen, sagte Generalvikar Stefan Heße dem Sender. Laut WDR sind in Köln im September 349 Menschen aus der Kirche ausgetreten, im Oktober 732.

Gelsenkirchen, Paderborn und Regensburg verzeichneten ebenfalls eine Verdreifachung der Austritte. Stark erhöhte Zahlen meldeten auch Düsseldorf, Duisburg und Bielefeld. In München gab es 1250 Austritte, im Vergleich zu 602 im September.

Die evangelische Kirche sei in gleichem Maße wie die katholische Kirche von der Austrittswelle betroffen, hieß es. Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) betonte gegenüber dem Sender, dass sie nicht überrascht darüber sei, dass die Ereignisse um den katholischen Limburger Bischof sich auch auf die Protestanten auswirkten. Die Menschen nähmen die Kirche als Ganzes wahr. Schon andere Skandale hätten gezeigt, dass viele die Konfessionen in diesen Fällen nicht unterschieden.