Windhunde in Australien Nach der Rennbahn wartet der Tod

Windhunde während eines Wettrennens.

Windhunde rennen in Australien nicht nur um Preise, sondern oft auch um ihr Leben. Denn auf die Tiere wartet nach der Rennbahn oft der Tod. Nur wenige verleben ihren Ruhestand als Haustier.

Sechs Windhunde dösen um Peter Flann herum in seinem Haus vor den Toren Sydneys. Flann betreibt Heime für die Windhunde, die die australische "Greyhound"-Rennindustrie aussortiert hat. Von den Heimen aus sollen die Hunde in ein neues Leben als Haustier starten.

Nur wenige Windhunde kommen in Australien in den Genuss eines Ruhestandes bei neuen Besitzern. Jedes Jahr werden etwa 20.000 neue Welpen in Australien geboren, um auf den mehr als 50 Rennbahnen des Landes zu laufen. Die Rennen, auf die gewettet wird, sind auch in den USA, Irland und Großbritannien verbreitet. Die spindeldürren Hunde, die ein ausgeprägter Jagdinstinkt auszeichnet, wetzen auf der Rennbahn einem Köder hinterher. Viele Hunde, die nicht mehr flink genug sind, werden ausgesetzt oder getötet. Nach Informationen des Sydney Morning Herald werden Hunde auch als Fleischlieferanten nach Asien verkauft.

Flann konnte 2012 etwa 80 Tiere unterbringen, 2013 waren es mehr als 100. Die Heime finanzieren sich über Spenden. Der Abgeordnete John Kaye aus dem Bundesstaat New South Wales schätzt die Arbeit von Hundefreunden wie Flann - sie löse aber das Problem nicht. "Es muss sich etwas ändern", sagt er. Zu viele Tiere fielen dem System aus Züchten und Aussortieren zum Opfer. Er fordert von den Rennveranstaltern, weniger Hunde nachzuzüchten und sich besser um die ausgedienten zu kümmern.

Die hässliche Wahrheit

Auf eine parlamentarische Anfrage im November antwortete der Interessenverband Greyhound Racing New South Wales (GRNSW), dass in ihrem Programm 52 Hunde nach der Rennkarriere ein Zuhause gefunden hätten. Das Hunde-Wohlfahrtsprogramm werde ausgebaut, 1,3 Millionen Australische Dollar (etwa 845.000 Euro) seien 2013 dafür ausgegeben worden, sagt GRNSW-Sprecher Michael East. Im selben Jahr wurden allerdings etwa 3000 Hunde im Bundesstaat aus den Rennen genommen.

In den meisten US-Bundesstaaten sind Hunderennen auf Druck aus der Öffentlichkeit hin verboten worden. Die Veranstalter in Großbritannien müssen mittlerweile über den Verbleib eines jeden registrierten Rennhundes Rechenschaft ablegen. Parlamentarier Kaye will, dass auch die australischen Veranstalter Verantwortung für die Hunde von Anfang bis Ende übernehmen. "Was sie momentan machen, ist nicht mehr als ein Vorwand, um die hässliche Wahrheit einer Industrie zu verstecken, die jedes Jahr Tausende von Hunden umbringt."

Auch die Onlineplattform Pet Rescue vermittelt Windhunde. Im Verlauf eines Jahrzehnts sind immerhin Besitzer für mehrere Tausend Hunde gefunden worden. John Bishop, ein Mitgründer des Portals, glaubt, dass der Verschleiß der Tiere die Rennindustrie zunehmend in Verruf bringen wird. "Dank Social Media wird viel stärker darauf geachtet, was mit den Hunden passiert", sagt er. "Man braucht einen Ruhestands-Plan. Freiwillige Tierschutzgruppen sind nicht der richtige Ort für im Stich gelassene Hunde."

Hunde vom Mars

Probleme macht nicht nur die große Zahl der Hunde. Auch die Resozialisierung - das Verwandeln eines Rennhundes in ein Haustier - ist laut der Tierärztin Karen Cunnington aus Brisbane nicht immer die optimale Lösung: "Ein netter Hund für ein nettes Zuhause" laute der Vermittlerslogan - "aber das ist weit weg von der Realität."

Cunnington selbst unterstützte das Heimfindungsprogramm eines Rennveranstalters in Queensland, bei ihr selbst wohnen drei Windhunde. "Es ist sehr schwer, ein Zuhause für viele dieser Hunde zu finden, wegen ihrer Ängste und des Jagdinstinkts", erklärt sie. Der Stress, den das Zusammensein mit Menschen auslöse, sei auch nicht zu unterschätzen. Denn viele Rennhunde verbringen ihre ersten Jahre auf den eingezäunten Arealen der Züchter, haben wenig Kontakt zu anderen Tieren oder Menschen. "Das ist eine ziemliche Herausforderung, von der Rennbahn in ein Wohnzimmer mit Kindern", sagt Cunnington. "Das ist, als wären sie vorher auf dem Mars gewesen." Nicht zuletzt an den Eigenschaften der Rasse liege es, dass so viele diesen Wechsel dennoch meisterten.