Protokoll: Takis Würger

Nach dem Beben kam die Angst: Eine Deutsche berichtet aus einem Dorf in den Abruzzen, wie sie die Katastrophe in Italien erlebt hat - und wie die Bewohner nun mit der Einsturzgefahr umgehen.

Saskia Steigleder, 27, lebt im italienischen Erdbebengebiet in dem Bergdorf Goriano Valli in den Abruzzen, 30 Kilometer südöstlich von L'Aquila. Das Beben hatte die Region um die Abruzzen-Hauptstadt in der Nacht auf Montag gegen 3.30 Uhr erschüttert - es ist in Italien das schwerste Erdbeben seit fast 30 Jahren. Inzwischen ist die Zahl der Toten auf mehr als 200 gestiegen. Im Gespräch mit sueddeutsche.de erzählt Steigleder, die in Italien als Reiseführerin arbeitet, wie sie das Erdbeben erlebte.

Augenzeugenbericht aus Italien: "Alles war schwarz",

Überlebende suchen in den Trümmern nach ihren Habseligkeiten. Das Beben hat 17.000 Menschen obdachlos gemacht. (© Foto: AFP)

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"Ich bin aufgewacht, als die ersten Bilder von den Wänden fielen. Die Erde hat gebebt und gebebt. Es hat gar nicht mehr aufgehört. Mein Freund und ich haben das alles sehr stark gespürt. Uns blieb keine Zeit, irgendetwas zu tun. Wir wussten überhaupt nicht, was passiert. Wir sind einfach im Bett liegen geblieben und haben gewartet, dass es aufhört.

Ich habe später gehört, dass das Beben nur eine Minute gedauert haben soll - mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Angst hatte ich während des Bebens noch nicht so richtig. Ich war viel zu überrascht. Die Angst kam erst später.

Keiner von uns wusste, ob das nur ein kleines Beben war, oder ob das Schlimmste noch kommt. In den Häusern haben wir uns nicht mehr sicher gefühlt. Zu groß war die Angst, dass die Dächer doch noch einstürzen könnten. Das ganze Dorf ist deshalb auf die Straße gegangen. Auf dem Dorfplatz haben wir dann ein großes Feuer gemacht, gegen die Kälte und damit wir ein wenig sehen konnten. Der Strom war ausgefallen und die Telefone waren tot. Alles war schwarz. Vorbei war das Erdbeben da noch lange nicht. Die Erde hat die ganze Zeit weitergewackelt. Das tut sie immer noch. Erst gerade gab es erneut ein starkes Nachbeben.

Geschlafen habe ich seit dem Beben kaum. Erst vor am Dienstagvormittag habe ich mich zurück in unser Haus getraut, weil ich Angst vor Nachbeben hatte.

Die Nacht haben mein Freund und ich im Auto verbracht. Gerade beim Duschen kam die Angst dann wieder hoch, weil ich aus der Dusche bei einem Nachbeben nicht schnell flüchten könnte.

Jetzt hat uns die Polizei gesagt, dass niemand sein Haus für die nächsten drei Tage betreten soll, weil die Einsturzgefahr zu hoch ist. Wir werden also wieder im Auto schlafen müssen.

Unser Haus steht zum Glück noch. Ich kann nur vermuten, dass es daran liegt, dass es auf Fels gebaut ist und nach 1987 Stahlketten in die Wände eingearbeitet wurden. Allerdings durchziehen jetzt Risse die Wände. Die Menschen aus dem Nachbardorf hatten weniger Glück. Dort sind viele Häuser eingestürzt oder beschädigt.

Mittlerweile sind auch offizielle Hilfskräfte bis in unsere Region vorgedrungen: Sie kümmern sich um Verletzte und bauen Zelte auf für die Nacht.

Unser Dorf hält auch sehr gut zusammen: Auf dem Dorfplatz haben ein paar Frauen Essen gekocht. Nachbarn bieten ihre Hilfe an. Jeder hilft dem anderen, wie er kann."

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(sueddeutsche.de/hai)