Augenzeugen berichten "Da ist ein Flugzeug im Hudson. Verrückt."

Wie Augenzeugen des Unglücks auf Twitter in 140 Zeichen Live-Berichterstattung machen - und wie ein Passagier das Unglück selbst erlebte.

Neue Form des Bürgerjournalismus: In Sekundenschnelle haben Bürger die spektakuläre Notwasserung auf dem Hudson-River ins Internet gezwitschert - inklusive Fotos und Augenzeugenberichten in 140 Zeichen.

"Da ist ein Flugzeugabsturz am Hudson. Bin auf der Fähre. Rette Leute. Verrückt", schickte ein junger Mann aus Sarasota, Florida, Janis Krums, über Twitter. Er war der Erste, der ein Foto der spektakulären Rettung ins Netz stellte. Jetzt ist er bekannt - und hat Interviewtermine mit US-Sendern.

Die Twitter-User sind topinformiert, einer postet die frostigen Temperaturen zum Zeitpunkt der Notwasserung: "Wassertemperatur vom Hudson ist 43 Grad Fahrenheit (sechs Grad Celsius, Anm. d. Red.), draußen 21 Grad Fahrenheit (minus sechs Grad Celsius, Anm. d. Red.). Küstenwache wirft den Passagieren Rettungswesten zu."

Und Janis Krums' Fähre schaffte es offenbar auch ins Fernsehen: Ein anderer Nutzer schreibt auf Twitter: "CNN zeigt Live-Bilder von deiner Fähre und zwei anderen, die Passagiere vom Flugzeug auf dem Hudson retten."

Und mittlerweile gibt es auch die ersten Augenzeugenberichte. Etwa von Bill Zuhoski.

Der sitzt im Sitz 23A der US-Airways-Maschine, als sie vom LaGuardia Airport in New York abhebt und über den East River fliegt. Das Flugzeug sollte in zwei Stunden und 13 Minuten in Charlotte, North Carolina, landen. Doch es sollte anders kommen.

Über der Bronx gerät das Flugzeug in Schwierigkeiten. Ein Mitglied der Besatzung fragt nach einem Feuerlöscher, sagt, da sei ein Feuer an Bord. Dann gibt es eine Durchsage des Piloten. Er sagt: "Bitte bleiben Sie ruhig." Zuhoski klammert sich an den Arm seines Sitznachbarns, schreibt die New York Times. Zuhoski sieht Flammen aus dem linken Triebwerk. Das Flugzeug befindet sich in dem Moment 3200 Fuß (975 Meter; Anm. d. Red.) über der Bronx. Passagiere berichten später von einer Explosion.

Dann unheimliche Stille. Die Triebwerke fallen aus. Das Flugzeug gleitet lautlos über einen der bevölkerungsreichsten Teile New Yorks.

Im Flugzeug riecht es nach Rauch, der beißende Geruch von Kerosin liegt in der Luft. Dann beginnt der Weg nach unten. Das Flugzeug landet im Hudson.

"Es fühlte sich an wie eine Landung am Flughafen", berichtet eine Passagieren. Sie habe erst gemerkt, dass sie im Wasser sind, als Wasser ins Flugzeug eindrang.

Zuhoski sagte: "Irgendwann ging mir das Wasser bis zum Hals. Ich dachte, ich ertrinke hier." Doch Zuhoski kann sich retten - genau wie die anderen 149 Passagiere.

Ein Crew-Mitglied fasste das gesamte Unglück in einer trockenen Blackberry-Mail zusammen: Als ein Freund ihm schrieb, wo er denn bleibe, antwortete er: "Ich landete im Hudson."

Auch der Pilot Chesley B. Sullenberger informierte offenbar selbst vom Unglücksflieger aus seine Ehefrau: "Es hat einen Unfall gegeben", habe Sullenberger seiner Frau Lori lapidar berichtet, sagte sie dem US-Sender CNN. "Aber dann hat er mir die Umstände erklärt, und ich habe angefangen zu zittern. Ich hab meine Tochter sofort aus der Schule abgeholt."

Auch für die Twitter-User ist Pilot Sullenberger zum großen Helden geworden. Einer etwa schreibt: "Wow, was für eine Landung auf dem Hudson und was für ein Pilot, der das durchgezogen hat."

Den Post, den Janis Krums abgab, bevor er Augenzeuge der spektakulären Notwasserung wurde, ist folgender: "Verlasse die Stadt. Hatte einen wunderbaren Tag. Kämpfe mich durch den Verkehr. Drückt mir die Daumen!" Der Donnerstag hatte als ganz normaler Twitter-Tag begonnen.

Trümmer im Hudson

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