Weil sie eine 89-Jährige ermordet haben sollen, stehen drei Männer vor Gericht. Mit dem Geld wollten sie eine Cannabisplantage anlegen.

Wegen des Mordes an einer 89-jährigen Millionärin müssen sich seit drei Männer im Alter zwischen 21 und 54 Jahren vor dem Landgericht Mönchengladbach verantworten. Sie sollen die vermögende Frau vor einem Jahr die Treppe hinuntergestoßen, auf sie eingetreten und dann erdrosselt haben. Die Leiche versteckten die Männer der Anklage zufolge in einer Regentonne und warfen sie in einen See.

Bild vergrößern

Stapelweise Akten: Richter Lothar Beckers eröffnet den Mordprozess. (© Foto: dpa)

Anzeige

Zwei Angeklagte haben die Tat bei der Polizei gestanden. Zu Prozessbeginn hüllten sie sich jedoch in Schweigen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte es das Trio auf das Geld der alten Frau abgesehen: Mit dem erbeuteten Vermögen wollten sie demnach eine Cannabisplantage anlegen und einen Coffee-Shop in den Niederlanden eröffnen.

Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord und schweren Raub. Unter dem Vorwand, eine leerstehende Wohnung besichtigen zu wollen, sollen sich die beiden jüngeren, 21- und 22-jährigen Männer Zugang zu dem Haus der Millionärin verschafft haben. Als Mord-Werkzeug benutzten die Männer laut Anklage den Draht eines Fahrrad-Bremszuges. Der 54-Jährige wartete in der Nähe des Anwesens und soll Anweisungen per Handy durchgegeben haben.

Als Verwalter ausgegeben und die Konten geplündert

Nach der Tat erzählten die Männer im Umfeld des Opfers, die Seniorin sei in ein Altenheim gezogen. Der älteste Täter soll mit gefälschten Dokumenten als Verwalter aufgetreten sein und die Konten des Opfers geplündert haben. Die Immobilien der 89-Jährigen sollten nach und nach renoviert und anschließend verkauft oder auch neu vermietet werden.

Die Polizei kam dem Trio auf die Spur, nachdem der Hausarzt der alten Frau im Namen der Familie Vermisstenanzeige erstattet hatte. Schon bei ihren ersten Ermittlungen stießen die Beamten auf den wenig glaubwürdigen "Verwalter" und schöpften schnell Verdacht. Dieser bestätigte sich, nachdem bei einer Durchsuchung der Wohnung des Opfers Leichenspürhunde angeschlagen hatten.

Bei den folgenden Vernehmungen brachten Geständnisse dann schnell Licht ins Dunkel. Die Leiche hatten die Täter zunächst in einer Wassertonne versteckt und im Haus der Millionärin zurückgelassen. Wegen der polizeilichen Ermittlungen wurden sie dann offenbar nervös und versuchten, die Leiche in einem See bei Brüggen zu versenken - allerdings mit wenig Erfolg: Einer der Täter führte die Polizei Ende November zu dem See, auf dem das Fass mit der Leiche noch immer schwamm.

Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Ende November erwartet.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Der Trauertänzer

"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...

(AP/bre)