Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche Jesuitenpater Mertes nennt UN-Kritik "gerührten Quark"

Als Direktor des katholischen Canisius-Kollegs machte Klaus Mertes Missbrauch an der Schule öffentlich. An einem Papier des UN-Kinderrechtskomitees übt er scharfe Kritik - auch wenn das Thema sexueller Missbrauch im Vatikan noch längst nicht aufgearbeitet sei.

Von Matthias Drobinski

Der Bericht der UN-Kinderrechtskomitees über die Aufarbeitung sexueller Übergriffe in der katholischen Kirche trifft auf Kritik - und die kommt aus sehr unterschiedlichen Lagern. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte am Freitag in Rom, das Gremium habe seine Kompetenzen überschritten, mit ideologisch geprägten Äußerungen zu künstlicher Empfängnisverhütung, Abtreibung und Sexualität. Es habe sich die vorurteilsbeladene Sicht kirchenkritischer Verbände zu eigen gemacht, die Position des Vatikans hingegen zu wenig berücksichtigt.

Das Kinderrechtskomitee der Vereinten Nationen hatte am Donnerstag erklärt, der Vatikan und die katholischen Kirche hätten bislang nur unzureichend die Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche aufgearbeitet. Alle Fälle und Verdachtsfälle müssten der Justiz übergeben, die Namen von Überführten und Verdächtigen herausgegeben werden. Zudem stelle die katholische Sexuallehre einen Verstoß gegen die Kinderrechtskonvention dar.

Auch der Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 als Schuldirektor den Missbrauch am katholischen Canisius-Kolleg öffentlich machte, hat den UN-Bericht scharf kritisiert. Er sei "gerührter Quark" und werfe alles in einen Topf, "was an Vorbehalten gegenüber der katholischen Kirche herumwabert", sagte er dem Kölner Stadtanzeiger. Er, Mertes, könne "nur den Kopf schütteln", wenn das Gremium eine Anzeigepflicht bei Missbrauchsverdacht fordere, davor warnten gerade die Opferverbände, "darüber sind wir in der Debatte hinweg", sagte Mertes. Viele Opfer hätten vor einem Verfahren zunächst Angst und meldeten sich deshalb nicht - "aber das sieht der UN-Bericht in seiner Naivität nicht".

Trotzdem enthalte das Papier aus Genf genügend berechtigte Kritik. Der Vatikan beginne erst jetzt, die Ursachen für sexuelle Gewalt aufzuarbeiten, anders als die katholische Kirche in Deutschland. Auch die Kirchenspitze in Rom müsse sich einer externen Prüfung mit unabhängigen Prüfern stellen. "Bischöfe, die an Vertuschungen beteiligt waren, sollten ihr Amt verlieren oder zurücktreten", sagte Mertes - zum Beispiel der designierte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation und frühere Bischof von Regensburg. Der klettere "mir nichts, dir nichts auf der römischen Karriereleiter nach oben", sagte der Jesuitenpater. Das sei für die Opfer unerträglich.