Atomkatastrophe in Japan Neue Horrormeldungen vom AKW Fukushima

Die Lage im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-1 spitzt sich immer mehr zu. Doch auf den Straßen der Präfektur Fukushima trotzen die Menschen überraschend stoisch der Katastrophe.

Von Henrik Bork, Fukushima

Im Block drei des Atomkraftwerks Fukushima hatte sich vor wenigen Minuten die zweite Explosion ereignet, doch auf der Rollbahn des Flughafens Fukushima wird die massive Rettungsaktion für die Tsunami-Opfer an der nahegelegenen Küste unverändert fortgesetzt. Chinook-Transporthubschrauber der japanischen Selbstverteidigungstreitkräfte stehen am Rand der Rollbahn, während die Linienflüge der Fluggesellschaft ANA mit Maschinen voller besorgter Angehöriger landen. Daneben stehen ein halbes Dutzend Blackhawk-Hubschrauber, offenbar von einem Geschwader der amerikanischen "Special Forces".

Kurz nach der Landung erfahren die Menschen über ihre Handys, dass sich gerade im Atomkraftwerk Fukushima zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen eine gefährliche Explosion ereignet hat. Eine massive Rauchwolke ist aufgestiegen, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Mindestens sechs Arbeiter seien verletzt worden. Es ist nicht unmittelbar zu erfahren, wie viel Radioaktivität ausgetreten ist und in welcher Richtung der Wind weht. Wenig später kommt die Meldung dass in Fukushima 1 in einem weiteren Reaktor das Kühlsystem zusammengebrochen ist. Die Kühlung von Reaktor 2 funktioniere nicht mehr, teilte der Kraftwerksbetreiber Tepco mit.

Das Kernkraftwerk Fukushima liegt gut sechzig Kilometer Luftlinie von diesem Flughafen entfernt an der Küste. Die Menschen haben in den vergangenen Tagen wiederholt gehört, dass nur in einem Umkreis von zwanzig Kilometern um das Atomkraftwerk eine Massenevakuierung von knapp 200.000 Menschen vollzogen worden ist. Hundert Kilometer entfernt fühlen sie sich einigermaßen sicher und bleiben ruhig.

"Ich bin ein wenig besorgt wegen der Strahlung, aber ich werde trotzdem zu meiner Familie fahren", sagt Nikaido Kouta, der im Stadtzentrum von Fukushima lebt, und gerade auf dem Flughafen von Fukushima gelandet ist. Nikaido war am vergangenen Freitag im "Shinkansen" auf dem Heimweg von einer Dienstreise, als der wegen des Erdbebens plötzlich zum Stillstand kam. Seither hat er keinen Kontakt zu seiner Familie gehabt. Er hat es eilig, nach Hause zu kommen.

Kurze Zeit später sieht er eine Fahne, die im Wind flattert. An diesem Montagmittag weht der Wind unter einem strahlend sonnigen Himmel aus Nordwesten, von den schneebedeckten Bergen her, das heißt vor allem von dem Unglücksmeiler hinaus aufs Meer. In neuen Nachrichten, die sich über Handys und Fernsehbildschirme im Flughafenterminal verbreiten, wird die Bevölkerung im Umkreis von 20 Kilometern um den Meiler angewiesen, vorsichtshalber nicht mehr das Haus zu verlassen.

Offenbar habe es sich bei dem heutigen Zwischenfall im Block drei erneut um eine Hydrogen-Explosion gehandelt, wie sie schon am Samstag im Block eins des 40 Jahre alten Atomkraftwerkes das Dach des Reaktorgebäudes zerstört hatte. Im Block drei hatte die Betreibergesellschaft Tepco ebenso wie im Block eins seit Tagen verzweifelt Meerwasser und Borwasser in das Reaktorgebäude gepumpt, um trotz der komplett ausgefallenen Kühlsysteme einen drohenend GAU, also eine komplette Kernschmelze oder ein komplettes Explodieren des Reaktors zu verhindern.

Schlamm, Schutt und Trümmer

mehr...