Japan: Atomkatastrophe Neue Explosion im AKW Fukushima - Strahlung tritt aus

Die Lage in Fukushima-1 eskaliert. Gegen Mitternacht deutscher Zeit gab es wieder eine Explosion - diesmal im Reaktor 2 des Atomkraftwerks. Offenbar ist auch dieser bisher stabilere Block nun schwer beschädigt, der Schutzmantel könnte Risse haben - ersten Messungen zufolge ist Radioaktivität in die Umwelt gelangt.

Alle Entwicklungen im Tagesprotokoll.

Die Katastrophe in Japan nimmt immer dramatischere Dimensionen an: Nach Explosionen in den Reaktoren 1 und 3 hat es nun auch eine Detonation im Reaktorblock 2 des Atomkraftwerks Fukushima-1 gegeben. Der Schutzmantel des Reaktorblocks ist offenbar beschädigt. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

15:21 Uhr

Die japanische Regierung hat eine Explosion in dem beschädigten Reaktor 2 des Atomkraftwerks Fukushima als unwahrscheinlich bezeichnet. Regierungssprecher Yukio Edano gehe davon aus, dass sich im Reaktor 2 anders als in den Fukushima-Reaktoren 1 und 3 keine Explosion in Folge einer Anhäufung von Wasserstoff ereignen werde, berichteten japanische Medien. Die zwei Explosionen, die sich am Montag im Reaktor 3 ereignet hatten, rissen ein Loch in das Nachbargebäude, in dem Reaktor 2 untergebracht ist. Durch das Loch könnte der Wasserstoff entweichen, der bei einem weiteren kontrollierten Druckabbau entsteht, so dass das Risiko einer Explosion verringert würde.

15:34 Uhr

Bei der zweiten Explosion im Atomkraftwerk Fukushima-1 sind nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco sieben Arbeiter verletzt worden. Von ihnen seien fünf verstrahlt worden, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Zu der zweiten Wasserstoffexplosion war es um 11:00 Uhr Ortszeit (03:00 Uhr MEZ) nach einem heftigen Nachbeben gekommen.

15:38 Uhr

Die Lage in den japanischen Kernkraftwerken wird immer undurchsichtiger. Die Informationspolitik von Regierung und Betreibern lässt viele Fragen unbeantwortet. Zum Zustand des Atomkraftwerks Tokai, etwa 120 Kilometer nördlich von Tokio, sei am Montag noch kein neuer Bericht des Betreibers hereingekommen, sagte ein Sprecher der japanischen Atomaufsicht NISA auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd. Das bedeute, dass es keine neuen Probleme gebe. Am Sonntag hatte die Betreibergesellschaft Japan Atom Power Company (JAPC) noch davon berichtet, eine der Pumpen zur Kühlung sei ausgefallen, die andere laufe jedoch normal weiter. Am Montag war die JAPC für eine Nachfrage nicht zu erreichen. Auch der Zustand der drei Reaktoren der Anlage in Onagawa sei unkritisch, betonte der NISA-Sprecher. Allerdings läuft auch hier die Stromversorgung nach wie vor mit Notgeneratoren. Infolge des Erdbebens war hier bereits am Freitag in der Turbinenhalle ein Feuer ausgebrochen. Alle drei Anlagen seien "kalt", das heißt, unter 100 Grad, meldete die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit unter Berufung auf den Betreiber, die Tohoku EPCO. Das Gelände werde derzeit überprüft. Am Wochenende waren auch hier erhöhte Strahlenwerte gemessen worden.

16:11 Uhr

Nach der Lufthansa überprüft auch das österreichische Tochterunternehmen Austrian Airlines eine mögliche Strahlenbelastung. Flüge nach Japan werden von Stahlenschutzexperten begleitet. ABC-Spezialisten des österreichischen Bundesheeres sollen Messungen im Landeanflug auf Tokio vornehmen, teilte das Verteidigungsministerium in Wien mit. Die Überprüfungen an Bord dienten dazu, vor möglichen Belastungen zu warnen. Bei der Lufthansa fliegen keine Strahlenschutzexperten in den Maschinen mit. Das Unternehmen nimmt aber nach der Rückkehr von Maschinen aus Japan nach Deutschland Strahlungstests vor.

16:56 Uhr

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard hat die Lage in Japan als "sehr ernst" bezeichnet. "Wir alle wissen, dass die Situation vor Ort schwierig ist", sagte die Kommissarin beim Treffen der EU-Umweltminister in Brüssel. „Dieses Kapitel ist leider noch nicht beendet.“ Die Kommissarin rief dazu auf, Ruhe zu bewahren. Alle Messungen zeigten bisher, dass es keine erhöhte Strahlung in Europa gebe. Die EU sei dabei, die Sicherheitsmaßnahmen für Atomkraftwerke zu verbessern. Nach Angaben Hedegaards müssen alle 27 EU-Staaten bis Mitte des Jahres die EU-Richtlinie über die Nuklearsicherheit in nationales Recht umsetzen, die strengere Vorgaben macht.

17:01 Uhr

Es ist eine schockierende Zahl: Das Erdbeben und der anschließende Tsunami haben in Japan insgesamt 72.945 Gebäude zerstört oder dauerhaft unbenutzbar gemacht. Diese Zahl nannte das Innenministerium in Tokio am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo.

17:14 Uhr

Die japanische Regierung hat nach Angaben der UN-Atomenergiebehörde 230.000 Dosen Jod an die Notunterkünfte nahe der beschädigten Kernkraftwerke in Fukushima verteilt. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte die IAEA mit. Sie berief sich dabei auf Angaben japanischer Behörden. Das Jod sei noch nicht verabreicht werden, sondern stehe nur bereit, falls dies notwendig werde. Jod kann dabei helfen, nach einem Strahlenunfall vor Schilddrüsenkrebs zu schützen.

17:23 Uhr

Im Atomkraftwerk Fukushima-1 hat sich die Lage weiter zugespitzt: Die Brennstäbe im Reaktor 2 lägen völlig frei, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Kurz zuvor hatten japanische Medien berichtet, dass der Kühlwasserstand in den beschädigten Reaktoren 2 und 3 erneut stark gesunken sei, was wegen unzureichender Kühlung der Brennstäbe zu einer Kernschmelze führen könnte.

17:30 Uhr

Der Chemieriese BASF hat seine Produktion in Japan heruntergefahren. Dies gelte für alle 27 Produktionsstätten, sagte eine Sprecherin in Ludwigshafen. Mit ein Grund sei die Energieversorgung der Standorte. Aktuell prüfe BASF die Situation. Die Mitarbeiter seien alle unverletzt. Die Produktionsstandorte von BASF liegen in Japan quer durch das Land verteilt, die Hauptverwaltung befindet sich in Tokio. Der weltgrößte Chemiekonzern produziert in Japan schwerpunktmäßig technische Kunststoffe, Dispersionen, Lacke und Produkte der Bauchemie.

17:36 Uhr

Japan hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA um Hilfe gebeten. Die japanische Regierung habe bei seiner Behörde die Entsendung einer Expertenmission angefragt, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano. Man diskutiere mit Japan momentan die Details. Amano sprach außerdem Japan seine Anerkennung für die Bemühungen um die Stabilisierung der Reaktoren nach der Erdbebenkatastrophe aus: "Die Sicherheitsbehälter haben gehalten, und die Freisetzung von Radioaktivität ist begrenzt." Japan bittet auch die USA um Hilfe bei der Kühlung der durch das Erdbeben beschädigten AKW. Das Hilfeersuchen werde geprüft, teilte die Atomregulierungsbehörde in den USA mit.

17:48 Uhr

Japan muss nach Einschätzung von Wissenschaftlern vermutlich noch lange Zeit mit Nachbeben rechnen. Als Folge der Katastrophe drohten der Insel mindestens ein Erdstoß der Stärke 8 und zehn weitere Beben der Stärke 7, erklärte die Geophysikerin Andrea Donnellan vom Jet Propulsion Laboratory in den USA. Dem Modell nach folgen auf das jüngste Beben einige sehr starke Nachbeben binnen kurzer Zeit, die meisten ereigneten sich jedoch erst nach einer längeren Zeitspanne - "in der Regel Jahren", erklärte Donnellan.

17:59 Uhr

Die Katastrophe in Japan hat Folgen für die deutsche Energiepolitik: Umweltminister Markus Söder (CSU) will den umstrittenen Reaktor Isar I abschalten. Das sagte Söder nach Angaben informierter Kreise bei einer Telefonschalte des CSU-Präsidiums. Dafür habe er Beifall erhalten. Auch das seit fast 35 Jahren laufende Atomkraftwerk Neckarwestheim I in Baden-Württemberg muss angesichts des Atom-Moratoriums der Regierung vom Netz genommen werden. Dies machte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in Berlin deutlich. Zuvor hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein dreimonatiges Moratorium für die von Union und FDP beschlossene Laufzeitverlängerung verkündet, um die Zukunft der Atomkraft in Deutschland zu erörtern.

18:11 Uhr

Erdbebenspezialisten des Technischen Hilfswerkes (THW) haben ihr Einsatzgebiet nahe der Stadt Tome erreicht. Von ihrem Basiscamp aus hätten sie bereits erste Erkundungen zu kleineren Ortschaften unternommen, um zu prüfen, wo der Einsatz von Suchhunden und Bergungsgerät sinnvoll sei, sagte ein THW-Sprecher in Bonn. Die Erkundungen vor Ort mussten allerdings wegen Nachbeben und einer Tsunamiwarnung zunächst unterbrochen werden. Das THW hatte im Auftrag der Bundesregierung am Wochenende ein rund 40-köpfiges schnelles Einsatzteam nach Japan geschickt. Das Einsatzgebiet bei Tome liegt etwa 70 Kilometer nördlich der besonders betroffenen Stadt Sendai.

18:18 Uhr

Bundespräsident Christian Wulff hat alle Deutschen zu Spenden aufgerufen. "Ich werde das auch tun", sagte er bei einem Treffen mit dem japanischen Botschafter Takahiro Shinyo in der japanischen Botschaft in Berlin. Wulff überbrachte sein Beileid im Namen der deutschen Bevölkerung. „Es ist mir ein ehrliches und aufrichtiges Anliegen, das Mitgefühl aller Deutschen auszudrücken.“ Der Botschafter bedankte sich bei Wulff für sein Mitgefühl. "Ich weiß, dass Sie in Krisenzeiten immer an unserer Seite gestanden haben."

18:30 Uhr

Die französische Atomaufsicht schätzt die Atomkatastrophe in Japan auf Störfallstufe sechs von sieben ein. "Es ist ein höheres Niveau als Three Mile Island, aber noch nicht so schlimm wie Tschernobyl", sagte André-Claude Lacoste von der Behörde für Atomsicherheit in Paris. Es sei indes möglich, dass die Stufe von Tschernobyl erreicht werde, fügte er hinzu. Bei dem Vorfall im US-Kraftwerk Three Mile Island war es 1979 zu einer Kernschmelze gekommen. Der Vorfall wurde auf internationalen INES-Skala auf der Stufe 5 von 7 eingeordnet. Der Reaktorbrand im ukrainischen Tschernobyl sieben Jahre später wurde der höchsten Stufe 7 zugeordnet. Die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA hat den Unfall in Fukushima-1 bisher auf Stufe 4 eingeordnet.

18:38 Uhr

Stromkunden in Japan müssen sich auf wochenlange Lieferprobleme und Abschaltungen einstellen. Die Rationierung in der Stromversorgung werde mindestens bis Ende April dauern, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Tokioter Elektrizitätsversorger Tepco. Dies werde sich auf den Zugverkehr und die Wirtschaft im Raum Tokio ebenso auswirken wie auf das Alltagsleben der Menschen.

18:47 Uhr

Angesichts der Stromengpässe will Russland Elektrizität in das Nachbarland liefern. "Wir könnten in naher Zukunft etwa 6000 Megawatt weiterleiten, um Japan zu unterstützen", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Igor Setschin. Die Elektrizität stamme aus dem fernöstlichen Russland. In Absprache mit Russlands Staatschef Dmitrij Medwedjew erklärte Setschin zudem, dass die Kohlelieferungen an Japan erhöht werden könnten. Darüber hinaus sei der russische Energieriese Gazprom bereit, Japan im April und Mai mit 200.000 Tonnen verflüssigtem Erdgas zu unterstützen, sagte Setschin. Tokio hatte Moskau am Sonntag nach Angaben der russischen Regierung um zusätzliche Gaslieferungen gebeten. Es sei eine "moralische Verpflichtung", Japan in dieser Situation zu unterstützen, sagte Medwedjew.

18:49 Uhr

In den beschädigten Reaktoren läuft nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA derzeit keine Kernschmelze ab. Dies sagte der IAEA-Experte James Lyons bei einer Pressekonferenz der UN-Behörde. "Wir haben keinerlei Angaben, dass dort momentan Brennstoff schmilzt." Die Situation sei aber dynamisch und könne momentan nicht abschließend bewertet werden. IAEA-Chef Yukiya Amano hatte zuvor den Informationsfluss von Japan zur UN-Behörde als gut bezeichnet: "Ich bin überzeugt, dass Japan uns alle Informationen bereitstellt, die es uns geben kann." Die Informationslage in Japan ist unübersichtlich. Zuvor hatte es gehießen, dass die Brennstäbe in Reaktorblock 2 von Kraftwerk Fukushima-1 nicht mehr von Kühlwasser umgeben sein - zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden. Eine Kernschmelze drohe in allen drei Reaktoren - laut Betreiber habe eine möglicherweise bereits stattgefunden.

20:46 Uhr

Nach Angaben des amerikanischen Verteidigungsminsteriums sind insgesamt acht Schiffe der US-Marine nach dem Erdbeben in Japan im Einsatz, um zu helfen. Fünf weitere seien auf dem Weg, sagt Pentagon-Sprecher David Lapan. Die Schiffe transportieren Hilfsgüter und Helfer. Sie dienen auch als Auftankstation für Flugzeuge und Helikopter vor der Küste der Bebenregion.

21:08 Uhr

Die Nachbeben gehen weiter: Ein Erdstoß der Stärke 4,1 erschüttert dem Fernsehsender NHK zufolge die Hauptstadt Tokio. Allerdings bestehe keine Tsunami-Gefahr.

21:12 Uhr

Auch in den USA gibt es nach dem GAU im japanischen Fukushima eine Atomdebatte - ein Moratorium für den Bau von Kraftwerken wird es aber nicht geben. Regierungsvertreter haben entsprechende Forderungen mehrerer Kongressmitglieder zurückgewiesen. "Alle unsere Werke sind so angelegt, dass sie bedeutenden Naturphänomenen standhalten können", sagt der Chef der US-Atomkontrollbehörde, Gregory Jaczko. Er spricht außerdem von einer "sehr geringen Wahrscheinlichkeit", dass eine mögliche Kernschmelze in Fukushima Auswirkungen auf Hawaii und das US-Festland hätte. Jaczko sagt dennoch: "Wir werden uns alle erhältlichen Informationen über das Ereignis anschauen und sehen, ob wir Änderungen an unserem System vornehmen müssen."

21:47 Uhr

Auch die Wall Street steht nach der japanischen Katastrophe unter Schock: Die Aktienindizes in New York haben sich mit Verlusten aus dem Handel verabschiedet. Der Dow Jones Industrial ging 0,43 Prozent schwächer aus dem Handel, bei 11.993 Punkten. Im Tagesverlauf war der US-Leitindex allerdings zeitweise schon knapp unter die Marke von 11.900 Punkten abgerutscht und hatte damit den tiefsten Stand seit sechs Wochen erreicht. Am Freitag hatte er sich trotz des verheerenden Erdbebens in Japan noch im Plus behaupten können. Für den S&P-500-Index ging es am Montag um 0,6 Prozent auf 1296 Punkte nach unten. An der Technologiebörse Nasdaq gab der Composite Index um 0,54 Prozent auf 2700,97 Punkte nach und auch der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,37 Prozent auf 2290,72 Punkte. Börsianern zufolge fokussiert sich der Markt derzeit auf die Ereignisse in Japan. Angesichts der Katastrophe würden Anleger verstärkt auf festverzinsliche Wertpapiere setzen, sagen Händler mit Blick auf weltweit fallende Aktienkurse. In Japan war der Leitindex Nikkei-225-Index am Morgen um mehr als 6 Prozent abgerutscht, auch in Europa erlitten die Aktienmärkte deutliche Verluste.

21:56 Uhr

Der GAU in Fukushima beschäftigt die Deutschen: Laut einer ARD-Umfrage sind 70 Prozent der Ansicht, dass eine ähnlich schwere Katastrophe auch in einem deutschen Atomkraftwerk passieren kann. 28 Prozent halten dies nicht für möglich. 39 Prozent der Deutschen sind besorgt, dass Radioaktivität aus Japan nach Deutschland gelangen und hier Luft, Wasser und Lebensmittel verunreinigen könnte. 60 Prozent befürchten dies hingegen nicht. Die von der Bundesregierung angekündigte Aussetzung der Laufzeitverlängerung und Überprüfung aller deutschen Atomkraftwerke befürworten 80 Prozent der Befragten, 18 Prozent lehnen dies ab. Ebenfalls 80 Prozent fordern, die geplante Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke von durchschnittlich zwölf Jahren ganz zurückzunehmen. Nur 17 Prozent sprechen sich für die Verlängerung aus.

22:08 Uhr

Verzweifelt versuchen die Techniker des Atomkraftwerks Fukushima-1, die Brennstäbe mit Meerwasser zu kühlen. Seit dem frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) pumpt der Energiekonzern Tepco das Wasser in den Reaktor, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Es sei aber unklar, ob der Wasserspiegel im Reaktor auch wie gewollt steige.

22:15 Uhr

Reaktion mitten im Wahlkampf: Deutschlands zweitältester noch laufender Atommeiler Neckarwestheim 1 wird Baden-Württembergs Regierungschef Stefan Mappus zufolge so schnell wie möglich abgeschaltet. Dies sei die Folge des von Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigten Moratoriums, sagt Mappus. Einen Zeitrahmen nennt er aber nicht. In Baden-Württemberg wird am 27. März der Landtag neu gewählt.

22:39 Uhr

Radioaktiv verseuchtes Wasser wird aus den Reaktordruckbehältern im Atomkraftwerk Fukushima-1 direkt ins Meer geleitet. Das bestätigt die japanische Atomaufsichtsbehörde Nisa der Nachrichtenagentur dapd. Die Betreiberfirma Tepco hat damit begonnen, die Behälter, in denen sich die Brennstäbe befinden und in denen eine Kernschmelze vermutet wird, mit Meerwasser zu kühlen, nachdem die regulären Notkühlsysteme versagt haben.

22:45 Uhr

Fukushima-1 ist Chefsache: Die japanische Regierung richtet ein gemeinsames Krisenzentrum mit der Betreiberfirma Tokyo Electric Power Co (Tepco) ein, um die Situation in dem Kraftwerk unter Kontrolle zu bringen, wo am Montag mindestens zweimal die Brennstäbe komplett freilagen und eine Kernschmelze droht. Ministerpräsident Naoto Kan sagt, er werde die Arbeit in der Zentrale von Tepco persönlich leiten.

22:49 Uhr

Der Druck im Reaktor 2 von Fukushima sei zurückgegangen, meldet das Energieunternehmen Tepco. Allerdings gibt es noch keine Bestätigung, ob die Brennstäbe wieder mit Wasser bedeckt sind und damit effektiv gekühlt werden.

23:11 Uhr

Auch auf das Kinoprogramm wirkt sich der Tsunami aus: Warner Bros Japan wird Clint Eastwoods Film "Hereafter" aus den Kinos nehmen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Der Film mit Matt Damon in der Hauptrolle handelt von drei Menschen, in deren Leben der Tod tritt - und beginnt mit einer effektgeladenen Szene, in der Eastwood den indonesischen Tsunami von 2004 rekreiert hat. Das will der Filmverleiher den Japanern in diesen Tagen offenbar ersparen.

23:47 Uhr

Über die Abschaltung einiger deutscher Atomkraftwerke wird womöglich schon am Dienstag entschieden. Wie aus dem Umfeld von Vizekanzler Guido Westerwelle verlautet, geht der FDP-Chef davon aus, dass der 35 Jahre alte Meiler Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg als erstes vom Netz geht. Der Entschluss könne schon am Dienstagvormittag fallen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich mit Ministerpräsidenten trifft, in deren Ländern Kernkraftwerke stehen.

23:54 Uhr

Ein Teil des Schutzmantels eines Atomreaktors der Anlage Fukushima-1 ist nach Angaben der japanischen Regierung beschädigt worden. Regierungssprecher Yukio Edano sagte am frühen Dienstagmorgen, es scheine Schäden am unteren Teil des Schutzmantels von Reaktorblock 2 zu geben. Damit könnten erhebliche Mengen Radioaktivität entweichen.

00:11 Uhr

Der Tag in Japan beginnt mit einem Schock: Offenbar hat es im Atomkraftwerk Fukushima erneut eine Explosion gegeben - diesmal im Reaktorblock 2, der bisher verschont geblieben war. Die japanische Atomsicherheitsbehörde hat die Explosion bestätigt. Am Samstag und Montag hatte es bereits Wasserstoffexplosionen in den Blöcken 1 und 3 gegeben.

00:23 Uhr

Neue Details zur Explosion in Reaktor 2: Die Detonation sei am Dienstag um 06.10 Uhr Ortszeit (22.10 Uhr MEZ) zu hören gewesen, sagt ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde im Staatsfernsehen. Die Nachrichtenagentur Kyodo meldet unter Berufung auf Regierungskreise, bei der Explosion sei möglicherweise der Reaktordruckbehälter beschädigt worden.

00:26 Uhr

Die neue Explosion scheint schlimmer zu sein als die vorherigen: Im Unterschied zu den ersten beiden Explosionen am Samstag und Montag sei diesmal nicht nur das äußere Reaktorgebäude, sondern auch der innere Druckbehälter beschädigt worden, berichtet der Sender NHK. Es sei aber unklar, ob Dampf oder flüssiges Wasser ausgetreten sei. Die Nachrichtenagentur Kyodo und der Rundfunksender NHK melden, dass nach der Explosion in der Umgebung erhöhte Radioaktivität gemessen worden sei. Der Grenzwert sei überschritten worden, es bestehe aber keine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit, hieß es.

00:35 Uhr

Zum Zeitpunkt der Explosion hat nach Angaben von Meteorologen Nordwind geweht. Dies würde bedeuten, dass radioaktive Teilchen nach Süden in Richtung Tokio gelangen könnten. Die japanische Hauptstadt liegt 260 Kilometer südwestlich von Fukushima-1.

00:41 Uhr

Nach der dritten Explosion beschönigt auch der Betreiber nichts mehr: Der Energiekonzern Tepco spricht von einem "sehr schlimmen Szenario". Man habe damit begonnen, einen Teil der Arbeiter in Sicherheit zu bringen.

00:46 Uhr

Die Betreibergesellschaft Tepco evakuiert Mitarbeiter aus dem Kraftwerk Fukushima-1, 50 Arbeiter bleiben laut BBC aber dort. Welchem Risiko sie sich aussetzen, ist unklar: Nach der Explosion in einem Reaktor ist südlich des Kraftwerks eine erhöhte Radioaktivität gemessen worden. In der Präfektur Ibaraki zwischen Fukushima und der Hauptstadt Tokio seien höhere Werte als normal gemessen worden, meldet die Nachrichtenagentur Kyodo . Der Betreiber Tepco erklärt, es habe eine "große Explosion" am Reaktor 2 der Anlage gegeben.

00:59 Uhr

Bei der Explosion im Reaktor 2 des Atomkraftwerkes Fukushima-1 ist nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Jiji das Dach der Anlage beschädigt worden. Dampf steige aus dem Komplex auf, heißt es weiter.

01:05 Uhr

Die Betreiberfirma der Atomanlage im Nordosten Japans, Tokyo Electric Power Co, teilt mit, dass sich die Explosion in der Nähe des Reaktordruckbehälters in der Reaktorhülle ereignet. An diesem Behälter sei später ein Defekt festgestellt worden. Es ist die dritte Explosion im Kraftwerk Fukushima-1 innerhalb von vier Tagen. Die Folgen sind nicht absehbar.