Südostasien Gift am Himmel

Giftiger Rauch zieht über Indonesien

In Indonesien wüten seit Wochen Waldbrände. Die Anwohner dürfen zum Teil ihre Häuser nicht verlassen, Kinder sollen nicht draußen spielen. mehr...
  • Auf großen Tropeninseln Indonesiens lodern derzeit zahlreiche Waldbrände. Besonders die Provinzen Sumatra und Kalimantan sind betroffen.
  • In Malaysia und Singapur bleiben Schulen zum Teil geschlossen, Kinder dürfen nicht zum Spielen nach draußen.
  • Viele der Waldbrände sind gelegt - für den Anbau von Palmöl wird Urwald gerodet.
Von Arne Perras, Singapur

Ach, Sonne, lange nicht gesehen. Wenn es wolkig ist, freuen sich Bewohner der Tropen zwar, denn dann brennt es nicht so herunter vom Himmel und die Damen brauchen kein Sonnenschirmchen, um sich zu schützen und eine helle Haut zu bewahren. Aber diese Wolke, die seit Wochen schon Teile des Himmels über Südostasien verhängt? Sie macht Angst.

"Hazy, crazy thing"

Gerade noch hat ein Dozent von der Singapurer Uni sarkastisch gewitzelt über das "hazy crazy thing", das alles einhülle wie ein waberndes Monster. Wie soll man es auch sonst nennen? Der offizielle Name "Haze" - "Dunst" - ist zu niedlich, um "das Ding" zu beschreiben. Was sich da ausbreitet, ist giftiger Qualm. Keine Science-Fiction, sondern beißender Alltag im Herbst 2015. Einen Sonnenschirm braucht dieser Tage niemand, dafür aber eine Atemmaske der Norm N95, um sich vor der verpesteten Luft zu schützen.

Der Rauch kommt von den Waldbränden, die auf den großen Tropeninseln Indonesiens gerade überall lodern. Der Qualm hüllt den Süden Sumatras ein und Kalimantan, den indonesischen Teil von Borneo. Doch auch die Nachbarn weiter nördlich bekommen ihn ab, weil der Wind die giftigen Schwaden übers Meer treibt.

In Singapur und Malaysia sind die Schulen mal geschlossen und dann wieder geöffnet, wobei die Kinder strikte Anweisungen haben, keinen Sport zu treiben und auch nicht mehr draußen zu spielen. Eingesperrt hinter vier Wänden bleibt der gespenstische Blick aus dem Fenster: Die Konturen der Skyline Singapurs sind nur noch zu erahnen in dieser grauen Soße. Und wehe, man atmet draußen mal tief ohne Maske ein: Das ist, als würde man etwas zu nahe am sommerlichen Grillfeuer stehen, nur dass man eben nicht mal schnell zur Seite treten kann; Barbecue à la Indonesia. Außer den Verkäufern von Luftfiltern lacht da keiner mehr.

Wer atmen will, muss fliehen

Wie dick der "Haze" gerade ist, messen die Behörden stündlich mit dem "Pollutant Standard Index", kurz: PSI-Wert. Ein Wert unter 50 gilt als unbedenklich, über 100 ist als ungesund eingestuft, über 200 sehr ungesund. Einen Wert über 300 nennen die Behörden "gefährlich". In Singapur pendelt er derzeit zwischen 100 und 300 hin und her, in der vergangenen Woche stieg er kurzzeitig auch darüber. Da, wo es herkommt, kann das "hazy crazy thing" aber noch viel mehr: Einen PSI-Wert von 2000 meldete kürzlich eine Messstation in Kalimantan, Borneo.