Drei Kleinkinder zurückgelassen in einer Pizzeria: Die Ermittler suchen nach einem deutschen Paar, das die Kinder in Italien ausgesetzt hat. Der Mann soll ein geflohener Häftling sein.
Es geschah am Sonntag in der Pizzeria "Il Capanno" von Carmelo Casella in der norditalienischen Stadt Aosta: Ein deutsches Pärchen betritt mit drei Kindern im Alter von zehn Monaten, vier und sechs Jahren das Restaurant. Die Eltern bestellen Pizza, dann verlassen sie das Lokal. Mitarbeiter des Restaurants erzählen später, sie hätten angegeben, nur kurz eine Zigarette rauchen zu wollen.
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Ina Caterina R. und ihr Begleiter Sascha S.: Von dem verschwundenen Paar fehlt noch immer jede Spur. (© Foto: AFP)
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Doch seither fehlt von der 26-jährigen Ina Caterina R. und ihrem 24-jährigen Begleiter Sascha S. jegliche Spur. Der 24-Jährige ist nicht der leibliche Vater der Kinder. Der Mann soll ein geflohener Häftling sein. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen, Oberstaatsanwalt Johannes Daheim, bestätigte am Mittwochabend einen entsprechenden Vorabbericht der Bielefelder Zeitung Westfalen-Blatt.
Dem Medienbericht zufolge müsse Sascha S. noch eine längere Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung verbüßen, sagte Daheim. Demnach müsse der Mann aus dem nordrhein-westfälischen Bad Laasphe die Strafe noch bis 2011 absitzen. Nachdem er am 2. April von einen zweitägigen Urlaub nicht in den offenen Vollzug nach Oelde zurückgekehrt war, sei er zur Fahndung ausgeschrieben worden. Der Mann sei ledig und kinderlos, schrieb das Blatt unter Berufung auf Polizeikreise.
Die Ermittler kontrollieren unter anderem Grenzübergänge, Häfen, Bahnhöfe und Flughäfen, um das deutsche Paar zu finden. Insbesondere suchten die Rettungskräfte die Alpenflüsse in der Nähe ab, erklärte der leitende Polizist Alessandro Carmeli in Aosta. "Wir können eine Tragödie nicht ausschließen." Carmeli betonte, ein Selbstmord sei aber nur eine der Richtungen, in die derzeit ermittelt werde. Den Behörden zufolge soll sich das Paar in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden haben. Auch von Drogenproblemen ist die Rede.
"Schwierige Situation"
Die Behörden in Aosta veröffentlichten Fotos und Beschreibungen des Paares. Demnach ist die Mutter der drei Kinder die 26 Jahre alte Ina Caterina R. aus Finnentrop in Nordrhein-Westfalen. Sie soll die Kinder - zwei Jungen im Alter von zehn Monaten und sechs Jahren und ein vierjähriges Mädchen - aus einer früheren Beziehung haben. Ihr jetziger Begleiter ist der 24 Jahre alte Sascha S., der ebenfalls aus Finnentrop kommt. Aus Ermittlerkreisen heißt es, die beiden hätten sich in einer "offensichtlich schwierigen Situation" befunden.
Die italienische Polizei hat das Auto des Paares einem Fernsehbericht zufolge am Stadtrand von Aosta gefunden. Darin fanden die Beamten Ausweise und ein Tagebuch. Den Aufzeichnungen habe die Polizei entnehmen können, dass sich das Paar in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten befand, teilte Carmeli mit. Darüber hinaus gingen aus dem Text Selbstmordabsichten hervor. Die Beamten gehen nun von einer Verzweiflungstat aus.
Inzwischen ist den Eltern der Kleinkinder das Sorgerecht entzogen worden. Die Sprecherin des Landgerichts Siegen in Nordrhein-Westfalen, Susanne Kuschmann, teilte im Gespräch mit sueddeutsche.de mit, das Jugendamt des Kreises Olpe habe den Entzug des Sorgerechts vor dem Amtsgericht Lennestadt erwirkt. Das Jugendamt hat damit die Vormundschaft über die drei Kinder übernommen.
Säugling zu Tode geschüttelt
Die Kinder selbst befinden sich in einer Sozialhilfeeinrichtung in Italien. Am Freitag sollen sie zurück ins heimische Sauerland kommen. Am Donnerstag fahren zwei Mitarbeiter des Jugendamts nach Italien, teilte ein Sprecher mit. Mit Hilfe von Interpol wurde ein Kontakt zu der Großmutter hergestellt. Auch sie stammt aus dem Kreis Olpe.
Bereits im Jahr 2006 hatte das Jugendamt Kontakt zu der Familie: Der leibliche Vater der Kinder soll einen Säugling zu Tode geschüttelt haben, sagte Hans-Werner Voß, Pressesprecher des Kreises Olpe, zu sueddeutsche.de. Er verbüßt derzeit seine Haftstrafe. Der Mann soll den Säugling vor sich gehalten und kräftig geschüttelt haben. Das Kind starb an den Folgen einer Hirnblutung.
Die Mutter, Ina R., soll an der Tat nicht beteiligt gewesen sein, mit ihr hätte es keine Probleme gegeben, sagt Voß. Seit der Tat seien auch die Großeltern verstärkt eingebunden gewesen. Seither hätte es zwischen der Familie und dem Jugendamt auch keinen Kontakt mehr gegeben. Dass die Frau möglicherweise Probleme mit Drogen habe oder in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecke, davon habe das Jugendamt keine Kenntnis, so der Sprecher.
Ina R. ist gemeinsam mit ihrem Freund Sascha S. und den Kindern nach Angaben der Polizei vor wenigen Tagen mit dem Auto nach Italien gereist. Am Samstagabend checkten sie in dem Hotel Joly ein. Der Besitzer, Ezio Gevroz, schildert der Tageszeitung La Stampa: "Am Sonntag war die Frau sehr aufgeregt, fast verängstigt, in Panik." Das Paar hatte ihm zufolge zwei Zimmer gemietet. Am Sonntagabend hätten sie das Hotel verlassen, ohne zu bezahlen.
Ohne Jacke und ohne Schirm im Regen
Wie die Polizei feststellte, hatten die Eltern ihren Wagen kurz nach der Autobahnausfahrt Aosta stehen lassen, nachdem ihnen der Sprit ausgegangen war. Sie waren ohne Gepäck unterwegs gewesen. "Mir kam das schon so komisch vor am Sonntagabend. Die Kinder waren viel zu leicht bekleidet, ohne Jacke und ohne Schirm sind sie in die Pizzeria gegangen, und es regnete doch", sagt der Wirt.
Die Angestellten des Restaurants sahen das Pärchen noch etwa eine Viertelstunde rauchend vor dem Eingang, dann war plötzlich keiner mehr da. Während die Kinder fröhlich weiter aßen, fingen die Mitarbeiter an zu suchen - auf der Toilette, auf dem Parkplatz. "Wir konnten uns schlicht nicht vorstellen, dass die beiden Erwachsenen die Kinder einfach so zurückgelassen haben", sagt der Pizzabäcker. Nach einiger Zeit habe man die Polizei alarmiert.
"Wenn du willst, zeig ich dir, wo Mamis Auto ist", soll der Sechsjährige zu der einzigen Deutsch sprechenden Polizistin gesagt haben. Mit Hilfe des Jungen finden sie den verlassenen Ford Fiesta.
Die zuständige Staatsanwaltschaft Siegen prüft nun, ob bei dem Aussetzen der drei Kinder eine Straftat vorliegt. Ihr Sprecher, Oberstaatsanwalt Johannes Daheim, teilt mit, dass drei Straftatbestände in Frage kommen: Verletzung der Unterhaltspflicht, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und Aussetzung. "Es würde uns nicht wundern, wenn die Tat keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen würde", sagte er im Gespräch mit sueddeutsche.de. Denn mit der Aussetzung in einer Pizzeria hätten die Mutter und ihr Begleiter ihre Kinder keiner Gefahr für die Gesundheit ausgesetzt.
Die drei Kinder hätten einen verwahrlosten Eindruck gemacht, sagte der Polizeibeamte Lorenzo Mediano in einem Interview italienischen Medien. Doch alle seien gesund und munter.
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(sueddeutsche.de/AP/dpa/hai/lala)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
Die Diskussion ist absurd. Wenn das Aussetzen von Kindern - und sie wurden schließlich an einem warmen Ort essend zurückgelassen - genauso schlimm wäre wie dieTötung der Kinder, so frage ich mich, was die eventuell sehr verzweifelten Eltern denn besser hätten tun können?
Ingesamt aber können wir alle im Moment nur spekulieren und das sollten wir erst mal hübsch lassen, finde ich.
Die sind nachweislich das größte Risiko für unsere Kinder, egal ob bei Mord und Totschlag, oder bei sexuellen Straftaten. Da hilft auch kein Stoppschild mehr....
Alle die hier Weises (oder weniger Weises...) von sich geben (mich inkludiert) haben sehr wahrscheinlich keine blasse Ahnung, wie es um eine Mutter stehen muss, wenn Sie Ihre Kinder aussetzt / verlässt.
Das, ahne ich nur, ist eine Entscheidung in höchster Verzweiflung.
Die ganze Familie hat mein Mitgefühl...
Selbstverständlich, wenn die Mutter schuldig überführt wurde. Aber die Meldung spricht für sich, meinen Sie nicht?
Und wer gegen Schutzbefohlene schwere Gewalt anwendet oder sie irgendwo aussetzt, dem gehört die Berechtigung Kinder zu kriegen entzogen. Es ist einfach nicht zu verantworten, das zukünftige Kinder das selbe Schicksal erleiden müssen.
...wo das Aussetzen von Kindern straffrei ist, das "raubkopieren" jedoch mit 5 Jahren Gefängnis bestraft werden kann.
Du bist Deutschland!
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