Die billige Ausrede des Richters im Kachelmann-Prozess ist eine Schande für die deutsche Justiz. Das Verhalten der anderen Richter zeigt, dass eine Krähe der anderen tatsächlich kein Auge aushackt.
Was die Strafrichter am Landgericht Mannheim im Prozess gegen Jörg Kachelmann derzeit dem Publikum zumuten, ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.
Bild vergrößern
Die Anwälte des wegen Vergewaltigung angeklagten Wettermoderators Jörg Kachelmann hatten keinen Erfolg mit ihrem Antrag, die Richter für befangen zu erklären. (© dpa)
Anzeige
Zur Erinnerung: Der Vorsitzende Richter Michael Seidling weigerte sich, die Belastungszeugin Claudia D., das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer, über ihr Auskunftsverweigerungsrecht - falls sie sich durch ihre Aussage selbst der Strafverfolgung aussetzen würde - zu belehren.
Kachelmanns Verteidiger lehnten die drei Berufsrichter daraufhin wegen des Verdachts der Befangenheit ab. Am nächsten Sitzungstag holte Seidling die Belehrung dann nach und erklärte, er habe das ohnehin tun wollen, nur erst etwas später. Leider habe er versäumt, dies zu erklären.
Wenn ein Angeklagter es wagen würde, sein Fehlverhalten mit einer so billigen Ausrede zu entschuldigen, würde der Gerichtssaal vom Hohngelächter der Juristen widerhallen. Seidling hatte die Belehrung ausdrücklich verweigert. Ein winziger Satz hätte genügt, wenn der Richter wirklich die Absicht gehabt hätte, die Zeugin irgendwann im weiteren Verlauf der Vernehmung zu belehren.
Stattdessen sagte Seidling: "Ich belehre sie nicht." Klar, eindeutig, unmissverständlich. Danach beriet die Kammer fast eine Stunde lang, allem Anschein nach kontrovers, wieder mit dem Ergebnis: Keine Belehrung. Und kein Wort der Erklärung.
Dass die Richter, die nun über den Befangenheitsantrag zu entscheiden hatten, sich mit der windigen Schutzbehauptung des Vorsitzenden Richters zufriedengaben und den Antrag ablehnten, gibt dem alten Vorurteil Nahrung, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Eine Schande für die Justiz.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
- Thema
- Kachelmann RSS
- Prozess gegen Kachelmann Ex-Geliebte im Vernehmungsmarathon 21.10.2010
- Zeugin im Kachelmann-Prozess Beten gegen die Todesangst 29.09.2010
- Kachelmann-Prozess Erneut bleiben die Türen zu 04.10.2010
- Vergewaltigungsprozess Gericht lehnt Kachelmann-Gutachter ab 06.10.2010
- Streit um Gutachter Nachhilfestunde von Kachelmanns Anwalt 11.10.2010
- Kachelmann: Erster Auftritt seit Freispruch "Wetterstationen aufstellen kann ich" 15.07.2011
- Gerichtsprozesse im Wandel der Zeit Wie Gerichte mit Foto und Kamera verwildern 27.06.2011
(SZ vom 21.10.2010/jab/kat)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
Humaner Strafvollzug.
Der Gefangenentransport beschreibt den Transport von Gefangenen und Arrestanten zu Lande. 2000 Busse im Einsatz, die täglich ca. 6000 Gefangene transportieren, muss das sein? Dieses Verschieben wird auch Schub genannt. Dabei muss es sich nicht um einen rechtsgültig verurteilten Straftäter handeln, sondern es kann sich auch um einen Beschuldigten in Untersuchungshaft handeln. Die wichtigsten Gründe für einen Transport sind: Ausweisung und Abschiebung, u.s.w. Da diese Busse einen festen Linienverkehr zwischen Haftanstalten fahren, ist es üblich, dass eine Umverlegung von Nordost nach Südwest für den Gefangenen eine mehrwöchige Reise darstellt. Wer hat schon mal erleben müsse, wenn Gefangene aus einem fahrenden Bus (Gefangenentransport) in die Freiheit sehen? Wir sollen auch an die Gefangenen denken, als ob wir Selbst Gefangene sind. Ich sah zwei blasse Gesichter und versteinerte Augen, wie Tiere die in einem kleinen Käfig eingesperrt wurden.
Mit freundlichen grüßen
Karl-Wilhelm Schmidt
Newskarlwilismus
Was ist mit Kachelmann? Wenn er Schuldig ist, soll er auch Büßen, aber wie lange muss er noch auf seine Verurteilung warten? In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten.
Es dauert einfach zu lange, mit der Verurteilung oder Freispruch. Sind in Deutschland die Gerichte überlastet?
Newskarlwilismus
Bremervörde
Mit freundlichen Grüßen
Karl-Wilhelm Schmidt
Kampagne gegen kriminelle Ausländer
"Bild"-Chef rechtfertigt sich
Kai Diekmann versichert den Lesern der türkischen Zeitung "Hürriyet", "Bild" sei nicht türkenfeindlich. Doch seine Kampagne gegen kriminelle Ausländer geht munter weiter. VON WOLF SCHMIDT
"Seidling WOLLTE sitzen - und wie er jetzt sitzt, zeigt sich an jedem Hauptverhandlungstag aufs Neue. Für die Revision dürfte es jetzt schon langen."
Sehe ich auch so.
Seidlings Hybris erweist der Rechtspflege einen Bärendienst.
Die persönliche Nähe zwischen Vorsitzendem und dem Vater der mutmaßlich Geschädigten hätte für einen anständigen Juristen bereits ausgereicht, sich aus diesem Verfahren zurückzuziehen. Seidling WOLLTE sitzen - und wie er jetzt sitzt, zeigt sich an jedem Hauptverhandlungstag aufs Neue. Für die Revision dürfte es jetzt schon langen.
Sie haben danach gefragt, ob Kachelmanns Anwalt wisse, dass er schuldig im Sinne der Anklage sei, falls er es wäre.
Paging