Antoine de Saint-Exupéry Verschollenes Flugzeug entdeckt

Der Autor des "Kleinen Prinzen" war 1944 zu einem militärischen Aufklärungsflug gestartet und galt seitdem als vermisst. Nun ist sein Flugzeugwrack vor der Küste Marseilles gefunden worden.

Millionen Leser des "Kleinen Prinzen" mussten Jahrzehnte damit leben, dass der Vater ihrer märchenhaften Figur spurlos verschwand. Nun gibt es endlich Gewissheit über sein Schicksal: Das Aufklärungsflugzeug, mit dem Antoine de Saint-Exupéry am 31. Juli 1944 von Korsika aus gestartet war, stürzte bei Marseille ins Mittelmeer.

Östlich der Insel Riou, 70 Meter unter der Wasseroberfläche, wurden Wrackteile seiner Lightning P38 gefunden und eindeutig identifiziert. Von Hand sind die Ziffern "2734" am Gehäuse des Drehkolben-Aufladegebläses der Maschine eingraviert. Nach zwei Jahrzehnten Recherche hält der Flugfan Philippe Castellano, zugleich Taucher und Hobby-Historiker, endlich das entscheidende Puzzle-Teil in der Hand.

"Saint-Ex", wie die Franzosen ihren legendären Landsmann nennen, "schien ein unerreichbarer Traum für alle Forscher wie mich", sagt Castellano. Seit September 1998 gab es erste, seit Mai 2000 dann ernst zu nehmende Hinweise, dass der Schriftsteller nicht - wie vermutet - in den Alpen, sondern wenige Kilometer vor Marseille abstürzte. Zunächst wurde ein Silber-Armband mit dem eingravierten Namen des Vermissten aus dem Meer gefischt, dann entdeckte der Taucher Luc Vanrell Wrackteile einer Lightning. Doch gab es keine Beweise, dass Saint-Exupéry jemals ein solches Armband getragen hatte - und die Behörden verhängten am Fundort der Wrackteile ein Tauchverbot, das erst im vergangenen Oktober aufgehoben wurde.

Die Behörde für archäologische Unterwasserforschung (DRASSM), die dem Pariser Kulturministerium untersteht, wollte absolut sicher gehen. Mit Hilfe der Lockheed-Listen gelang der Beweis, dass die Wrackteile zu der Militärmaschine mit der Registriernummer 42-68223 gehören, mit der Saint-Exupéry von Borgo auf Korsika gestartet war.

Nicht geklärt ist weiter, warum der äußerst erfahrene Pilot bei seinem Kriegs-Aufklärungsflug abstürzte. "Über die Ursachen des Unfalls kann man nichts Neues sagen", sagt Castellano. Beim Betrachten der Wrackteile entstehe der Eindruck, die Maschine sei "fast senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit" aufgeprallt.

So bleibt es - sollte nicht auch das Cockpit mit zusätzlichen Hinweisen gefunden werden - bei altbekannten Hypothesen: Vielleicht vergaß Saint-Exupéry, wie schon einmal zuvor, die Sauerstoffmaske aufzusetzen, und verlor das Bewusstsein. Vielleicht war er lebensmüde und beging Selbstmord, wie einige Freunde vermuten.

Einem von ihnen hatte er in der Nacht vor seinem Tod geschrieben: "Falls ich abgeschossen werden sollte, verschwinde ich, ohne das zu bedauern." Als ausgeschlossen gilt hingegen inzwischen, dass er tatsächlich von einer deutschen Flak abgeschossen wurde - in deutschen Militärarchiven fand sich kein Hinweis darauf.

Obwohl Saint-Exupéry nur 44 Jahre alt wurde, vollbrachte er als Pilot und Schriftsteller Pionierleistungen. Nachdem er das Fliegen im Militärdienst erlernt hatte, brachten ihn die Eltern seiner ersten Verlobten zunächst vom Plan ab, Berufsflieger zu werden.

Damals fand er Anschluss an Literatenkreise - und legte den Grundstein für den Nachruhm, der mit Romanen wie "Nachtflug" und "Südkurier" verbunden ist, vor allem aber mit dem "Kleinen Prinzen", der nach der Bibel und dem "Kapital" von Karl Marx heute das am dritthäufigsten verkaufte Buch weltweit ist.

Doch immer wieder zog es Saint-Exupéry zur Fliegerei, die ihm den Tod bringen sollte. 1926 heuerte er erstmals als Linienpilot an, dann leitete er eine Fliegerstaffel in der Sahara und verhalf in Lateinamerika der Luftpost zum Durchbruch. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hängte Saint-Exupéry den Pilotenjob noch einmal an den Nagel, weil er fand, der Krieg sei "kein Abenteuer, sondern eine Krankheit". Drei Jahre später jedoch schloss er sich der Befreiungsarmee von General Charles de Gaulle an. Bei seinem letzten Flug wollte er Luftaufnahmen machen, um die für August 1944 geplante Landung der Alliierten an der Mittelmeerküste vorzubereiten.