Die Einrichtung wurde bei dem Brand schwer beschädigt, verletzt wurde niemand. Die Täter hinterließen zahlreiche antisemitische Schmierereien. Bereits im Sommer hatte Israels Staatschef Scharon die Juden in Frankreich aufgefordert, das Land zu verlassen.
Frankreichs Staatschef Jacques Chirac und Innenminister Dominique de Villepin verurteilten die neuerliche antisemitische Straftat aufs Schärfste. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë sprach von einem "ungesunden und gefährlichen Klima". Der Dachverband jüdischer Institutionen in Frankreich (CRIF) rief die Behörden auf, alles zu tun, um die Täter zu fassen und zu verurteilen.
Anzeige
Nach Polizeiangaben war der Brand schnell unter Kontrolle; das Gebäude im Osten der französischen Hauptstadt musste nicht geräumt werden. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Nach Angaben der Polizei wurde in dem Gebäude nach möglichen Spuren von Brandbeschleunigern gesucht.
"Mörder unserer Werte"
Die Stadtverwaltung von Paris erklärte sich in einer ersten Stellungnahme "bestürzt und entsetzt" über die judenfeindliche Tat. Die Nazi- und antisemitischen Sprüche an den Wänden der Einrichtung seien "empörend". Delanoë, der sich am Vormittag zum Anschlagsort begab, nannte die unbekannten Täter "Mörder unserer Werte".
"Wir werden nicht einen Millimeter vor den Barbaren zurückweichen", sagte er. Claude Zaffran, Rabbi einer nahe dem jüdischen Zentrum gelegenen Synagoge, sprach von einer "feigen Tat". "Ich bin betrübt und empört", sagte er.
Chirac verurteilte die Brandstiftung "mit Nachdruck" und erklärte seine "volle Solidarität" mit der jüdischen Gemeinde in Frankreich, wie der Pariser Elysée-Palast mitteilte. Auch Villepin verurteilte die Brandstiftung. Er rief den Pariser Polizeipräfekten auf, "alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die Täter zu finden".
Diplomatische Verstimmung mit Israel
Das Nationale Büro für den Kampf gegen Antisemitismus zeigte sich beunruhigt über Zunahme antisemitischer Straftaten in Frankreich. Schändungen jüdischer Synagogen, Friedhöfe und anderer Einrichtungen haben sich in diesem Jahr in Frankreich besonders dramatisch gehäuft.
Staatschef Chirac erklärte den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus zu einer seiner Prioritäten. In Frankreich leben vier Millionen Moslems und 600.000 Juden.
Im Juli hatte eine Äußerung von Israels Ministerpräsident Ariel Scharon zur Situation der Juden in Frankreich schwere diplomatische Verstimmungen zwischen beiden Ländern ausgelöst. Scharon hatte in Frankreich lebende Juden aufgefordert, das Land wegen der gehäuften antijüdischen Vorfälle "sofort" zu verlassen, woraufhin Chirac ihn für "nicht willkommen" in Frankreich erklärte.
Ende Juli lenkte Scharon schließlich ein und lobte bei einer Veranstaltung für jüdische Einwanderer aus Frankreich in Tel Aviv das Engagement des französischen Präsidenten gegen Antisemitismus.
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(AFP)
Kapitalabzug aus Südeuropa