Anschlag auf "Charlie Hebdo" Wie wurde der Anschlag vorbereitet und geplant?

Paris nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" Ins Herz der Nation getroffen

"Charb, Cabu, Wolinski", steht mit schwarzem Stift auf eine Hauswand geschrieben, "gestorben im Kampf gegen Idioten". Paris wirkt am Tag nach dem Terrorakt wie gelähmt - wo gestern noch Schock und Wut waren, macht sich Trauer breit. Reportage

Es spricht einiges dafür, dass die Ermordung der Charly-Hebdo-Mitarbeiter eine gezielte, im Voraus genau geplante Tat war. Einem Bericht der Zeitung Libération zufolge wussten die Täter genau, zu welcher Uhrzeit die Redaktionskonferenz stattfindet und sich besonders viele Personen in den Räumen aufhalten.

Polizeiexperten, die die Videoaufnahmen von dem Attentat gesehen haben, sind sich außerdem sicher, dass die beiden Brüder im Umgang mit Waffen geübt waren. "Man sieht es eindeutig an der Art, wie sie ihre Waffen halten, wie sie ruhig und kaltblütig vorgehen", sagte ein Experte der Nachrichtenagentur AFP. Die mutmaßlichen Täter hätten eindeutig eine Art militärisches Training erhalten. Sie hätten ihre Kalaschnikows beim Laufen wie Profis nahe am Körper gehalten und die Schüsse einzeln und nicht in Salven abgegeben. Nachdem sie auf offener Straße einen Polizisten erschossen hatten, seien sie ruhig zu ihrem Fluchtwagen zurückgekehrt.

Allerdings unterliefen den mutmaßlichen Attentätern auch Fehler. Gegen 11.20 Uhr standen sie in der Rue Nicolas Appert im 11. Pariser Arrondissement zunächst vor dem falschen Haus, an der Nummer 6. Dort ist allerdings nur das Archiv von Charlie Hebdo untergebracht. Als sie ihren Irrtum bemerken, ziehen sie weiter zu Nummer 10, wo die Redaktion der Satirezeitung sitzt. Wie die französische Zeitschrift Le Point schreibt, hätten die Terroristen auch einen Personalausweis in ihrem Fluchtwagen vergessen, als sie das Auto wechselten.

Gibt es Hintermänner?

Reaktion auf Terroranschlag Le Pen will Franzosen über Todesstrafe abstimmen lassen

Sie wähnt Frankreich in einem "Krieg" mit den Islamisten. Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National, will die Todesstrafe einführen, wenn sie zur Präsidentin gewählt wird. Zugleich verpackt sie ihre Radikalität in versöhnliche Worte.

Über Hintermänner ist bislang kaum etwas bekannt. Nicht einmal, ob es überhaupt welche gab. SZ-Außenpolitikchef Stefan Kornelius sagt, der Terrorakt in Paris sei in mancher Hinsicht anders als frühere Anschläge, weil er vermutlich von Einzeltätern ausgeübt wurde. Es gebe keine organisierten Zellen mehr, es seien radikalisierte Individuen, die bereit sind, maximale Gewalt auszuüben. Dennoch ist es aber möglich, dass die Brüder Helfer hatten.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls hatte am Morgen in einem Interview von "mehreren vorläufigen Festnahmen" nach dem Terroranschlag berichtet. Die betreffenden Personen befänden sich in Polizeigewahrsam, sagte der Regierungschef im Radiosender RTL. Es soll sich um neun Verdächtige handeln - sowohl Männer als auch Frauen. Zwei Personen seien im nordostfranzösischen Charleville-Mézières, vier in Reims etwa 120 Kilometer östlich von Paris und eine Person in Gennevilliers nahe Paris festgenommen worden. Ob diese etwas mit dem Anschlag zu tun haben und noch in Haft sind, ist nicht bekannt.

Für neue Terrorangst sorgte zunächst eine Schießerei in Montrouge südlich von Paris am Donnerstagmorgen, bei der ein Unbekannter eine Polizistin tötete und einen städtischen Angestellten schwer verletzte. Die Polizei hat am Freitagmorgen offenbar den Täter identifiziert. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor bereits erklärt, es gebe keinen erwiesenen Zusammenhang mit der Charlie-Hebdo-Attacke, die Ermittlungen würden aber der Anti-Terrorismus-Abteilung übergeben.

Im Zusammenhang mit dem islamistischen Ring "Buttes-Chaumont" taucht noch ein weiterer Name auf: Boubaker el-Hakim, ein Bekannter von Chérif Kouachi, kämpfte 2004 im Irak und wurde 2008 ebenfalls verurteilt. 2011 ist er aus dem Gefängnis entlassen worden, schreibt Le Figaro - und stellt die Frage, ob er möglicherweise die Verbindungen aufrechterhalten hat. Mehr als Spekulationen sind das allerdings nicht. Klarheit wird es wohl erst geben, wenn die Täter gefasst sind.

(Mit Material der Agenturen)