Anschlag auf Boston-Marathon US-Gericht wirft Verdächtigen Vertuschung vor

Drei Studenten sind in Haft, weil sie einem der mutmaßlichen Attentäter von Boston, Dschochar Zarnajew, nach dem Anschlag von Boston beigestanden haben sollen. Eine SMS könnte für sie ein Nachspiel haben.

Die jungen Männer, die die Spuren von einem der beiden mutmaßlichen Attentäter von Boston verwischt haben sollen, bleiben zunächst in Untersuchungshaft. Die drei Verdächtigen erschienen am Mittwoch erstmals vor Gericht, wo ihnen Verschwörung zur Behinderung der Justiz sowie Falschaussage in einer Terrorermittlung vorgeworfen wurden.

Die Behörden werfen zwei Studenten aus Kasachstan vor, nach der Attacke bei dem Marathon Beweismaterial aus dem Zimmer des Tatverdächtigen beiseitegeschafft zu haben. Der dritte, ein US-Amerikaner, soll Falschaussagen gegenüber den Ermittlern gemacht haben. Sie werden aber keiner direkten Tatbeteiligung beschuldigt.

Die beiden Kasachen studierten an der gleichen Universität wie der mutmaßliche Bombenleger Dschochar Zarnajew, der US-Verdächtige war ein Schulfreund. Laut US-Justiz wollten die drei Männer Zarnajew decken, als sie ihn auf den Fahndungsfotos erkannt hatten. Sie sollen einen Laptop und einen Rucksack mit entleerten Feuerwerkskörpern aus Zarnajews Wohnheimzimmer mitgenommen und entsorgt haben. Die Ermittler fanden die Beweismittel später auf einer Mülldeponie.

Die Verdächtigen sollen mit Zarnajew per SMS in Kontakt gestanden haben. Aus am Mittwoch veröffentlichten Gerichtsdokumenten ging hervor, dass einer der Kasachen dem mutmaßlichen Attentäter geschrieben haben soll, er sehe aus "wie der Verdächtige im Fernsehen". Daraufhin habe Zarnajew geantwortet: "Schreib' mir lieber keine SMS."

Die Anwälte der drei Festgenommenen wiesen die Vertuschungsvorwürfe zurück. Der Verteidiger eines der Kasachen erklärte, sein Mandant habe nicht gewusst, "dass diese Gegenstände mit einem Bombenanschlag in Verbindung stehen".

Verbindungen zu al-Qaida wenig wahrscheinlich

Bei dem Attentat am 15. April waren drei Menschen getötet und mehr als 260 verletzt worden. Als mutmaßliche Täter identifizierten die Ermittler die aus einer tschetschenischen Familie stammenden Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew, die seit Jahren in den USA lebten.

Der 26-jährige Tamerlan wurde auf der Flucht getötet, der 19-jährige Dschochar schwer verletzt gefasst. Ihm droht ein Prozess vor einem US-Bundesgericht, in dem er bei einem Schuldspruch mit der Todesstrafe rechnen muss.

Die Bundespolizei FBI untersuchte in den vergangenen Tagen, ob das Brüderpaar womöglich Komplizen oder Mitwisser hatte. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Mike Rogers, hatte dem Fernsehsender ABC am Wochenende gesagt, dass es "Personen von Interesse" gebe.